Dienstag, 31. Juli 2007

WESER KURIER, 26.07.2007

Bunker in Flammen

Rundgang „Braune Soße links der Weser“ ging Überresten des Faschismus in der Neustadt nach

NEUSTADT. Wer im Stadtgebiet Spuren von Krieg und Faschismus finden will, muß ganz genau hinschauen. Die Hochbunker, ja klar, die kann man von weitem sehen, doch dich meisten Spuren finden sich im Verborgenen und werden oft einfach übersehen. Ein antifaschistischer Stadtrundgang unter dem Motto „Braune Soße links der Weser“ ging diesen Spuren kürzlich nach und brachte Unerwartetes zu Tage.

Treffpunkt war der Luftschutzbunker in der Hardenbergstraße, einer der vier Hochbunker im Stadtgebiet, die von Zwangsarbeitern des NS-Regimes gebaut wurden. 950 Menschen bot er Zuflucht, Ariern und Parteibonzen natürlich. Wer in der rassistischen Ideologie des Regimes unten stand, durfte bei einem Bombenangriff auch nicht auf Schutz im Bunker hoffen.
Heute ist eine Seite des Bunkers grün gestrichen und mit Kornähren verziert – Kunst am Bau, um die Wucht des städtebaulichen Monsters ein wenig zu mindern. „Während des Krieges waren die Wände mit Flammen und brennenden Häusern bemalt“, so Raumplaner Oliver Hasemann vom Autonomen Architektur Atelier (AAA), das den Rundgang in Zusammenarbeit mit der Initiative Kurzschluss erarbeitet hatte.

Eine Kontinuität voller Brüche also, die sich durch die Geschichte der Orte ziehen sollte, die auf dem Rundgang entdeckt wurden. So auch beim ehemaligen „Roten Haus“ gleich um die Ecke, in der die KPD ihren Sitz hatte und in dessen Keller eine Zeitung für Arbeiter gedruckt wurde. Einen Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 wurde das Gebäude von der SA gestürmt.
Aus dem „Roten Haus“ wurde das „Gossel-Haus“, und von nun an nutzen die Nazi-Schergen den Keller für „Sondermaßnahmen“, im Klartext Folter. Heute ist das geschichtsträchtige Gebäude ein von außen recht unscheinbares Wohnhaus, doch erinnern sich die neuen Bewohner noch an die große Plakette mit einem Hakenkreuz, die beim Umbau zu Tage kam.

Beeindruckend sind die Schilderungen der Referentinnen von Kurzschluss über den Widerstand in Bremen, der erstaunlich mutig und kreativ wirkt. So wurden etwa Pakete mit linken Publikationen wasserdicht verpackt in die Weser geworfen, an anderer Stelle aufgefischt und dann verteilt. Gerne von Frauen mit Kinderwagen, denn was könnte unverfänglicher wirken? Beliebter Treffpunkt für konspirative Gruppen waren die Parzellengebiete: Getarnt zwischen Schnittlauch und Sonnenblumen formierte sich politischer Widerstand.

Am Leibnizplatz erinnert eine Tafel an die Geschichte des Ortes als Sammelstelle für Deportationen, zuerst der sogenannten „Asozialen“ – Obdachlose, Alkoholiker oder Prostituierte – später dann die Juden. Die letzten großen Transporte gingen ins KZ Theresienstadt, mit besonders vielen Kindern. Eine Information, die trotz sommerlicher Hitze für eine Gänsehaut sorgt, fällt doch der Blick von der Tafel direkt auf den Spielplatz.

Weiter geht der Weg zur Grundschule in der Kantstraße. Dort wurden, wie in vielen Schulen auch, Zwangsarbeiter untergebracht. Ganze Dörfer aus Osteuropa wurden zur Arbeit gezwungen, eine perfide Rassenhierarchie innerhalb der Zwangsarbeiterschaft aus Ost- und Westeuropa sollte eine Solidarisierung und damit möglichen Widerstand verhindern. Viele der Lager wurden übrigens nach dem Krieg als Übergangsheime für Auswanderer und Gastarbeiter weitergenutzt, Gruppen, die in der Hierarchie der neuen Republik ebenfalls ganz unten standen.

Und was früher eine bauliche Umsetzung der verschärften „Asozialenpolitik“ war, ist heute ein ruhiges Wohngebiet am Rand der Stadt. Das Areal am Wartumer Platz war als „Wohnfürsorgeanlage“ geplant, wo heute Bäume stehen, war eine freie Fläche, die von allen Seiten einsehbar war. Am Kopf der Anlage stand ein Kontrollhäuschen, wo man sich an- und abmelden musste. Eine hohe Mauer schützte vor unerwünschten Blicken, das Tor wurde nach 22 Uhr abgeschlossen. Dort sollten vermeintliche asoziale Personen auf den „rechten“ Weg gebracht, um die Betreuung der Kinder kümmerten sich ganz linientreu Hitlerjungen und BDM-Mitglieder. „Die Häuser sind nur aus Stein gebaut, den Asozialen war schließlich zuzutrauen, das Holz zum heizen zu verwenden“, so Alexander Kutsch vom AAA kritisch.

Vor der Hochschule in der Langemarck-Straße gab es einen kurzen Abriss über die Geschichte des umgestürzten Denkmals und die Diskussionen über die Umbenennung von Straßennamen und der damit eingehenden Kontiunität im Geschichtsverständnis. Oder eben auch dem Bruch der Kontiunität.

Weitere Informationen über das AAA gibt es im Internet unter www.aaa-bremen.blogspot.com

© www.weser-kurier.de | von der WESER-KURIER Mitarbeiterin Catharina Oppitz, FOTO: Walter Gerbracht

Dienstag, 17. Juli 2007

"Braune Soße links der Weser " Faschismus, Krieg, Deportation, Kontrolle Dokumentation und Resumeé vom 15.07.2007



















Resumée "Braune Soße links der Weser"

Im Schatten des Hochbunkers in der Hardenbergstraße fanden wir uns mit zirka 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu unserem antifaschistischen Spaziergang „Braune Soße links der Weser“ ein. Der von Zwangsarbeitern errichtete Schutzbau zeigte uns, dass Faschismus und Krieg auch heute noch im Stadtbild präsent und kein lästiges Pflichtfach im Schulunterricht sind. Der neue Umgang mit den Bunkeranlagen, ihre friedliche Nutzung als Lager- und Proberaum oder ihr Umbau zu Wohngebäuden, kann nicht über den ursprünglichen Schrecken hinwegtäuschen, der mit ihrer Errichtung verbunden ist.

Auf unserem Weg durch die Neustadt sind die aufragenden Bunker aber nur eine, wenn auch die auffälligste, Stätte, die sich direkt mit der Zeit der Nazi-Diktatur und des Krieges verbinden lässt. Andere Spuren der Vergangenheit verbergen sich weniger offensichtlich hinter Gebäudefassaden. Das ehemalige „Rote Haus“, lokales Zentrum der KPD mit eigener Druckerei und ein Zentrum des antifaschistischen Widerstands in der Neustadt, steht auch heute noch im Buntentorsteinweg. Nach der Machtübernahme wurde es von den Nazis gestürmt, die Druckerei zerschlagen und das Gebäude zu einem Sitz der SA in dessen Kellerräumen Gegner des Regimes gefoltert wurden.

Gerade die Kontinuität der Nutzung von Gebäuden, ähnlich der Weiterbeschäftigung von ehemaligen Nazis in Verwaltung, Justiz oder der Wirtschaft, wurde während des Spaziergangs erschreckend offensichtlich. So wurden die gleichen Barracken, in denen die Zwangsarbeiter untergebracht waren, nach dem Krieg zur Unterbringung von Gastarbeitern genutzt. Dass diese Zwangsarbeiterlager, wie im Fall der Schule in der Kantstraße, inmitten der Wohngebiete eingerichtet waren, zeigte uns auch, wie präsent die Situation der Zwangsarbeiter oder die Deportation der eigenen Nachbarn, die nachts aus ihren Wohnungen auf den heutigen Leibnizplatz getrieben wurden, im Stadtteil gewesen sein muss.

Gedenksteine, -tafeln oder Denkmäler, die an die Verbrechen der Vergangenheit erinnern, sind natürlich auch im Stadtraum aufgestellt, einige offensichtlich, wie am Leibnizplatz, andere eher versteckt. Eine subtile Erinnerung an die Verbrechen in unserer Nachbarschaft sind die Stolpersteine von Gunter Demnig, die eingelassen in den Bürgersteig auf Menschen aus unserer Mitte verweisen, die in der Nazizeit verschleppt und umgebracht wurden. Weniger subtil, denn ewiggestrig sind jene Zeitgenossen, die auch heute noch an der Langemarckstraße Kränze niederlegen, um dem in ihren Augen „ehrenvollen Opfergang der deutschen Jugend“ im ersten Weltkrieg zu gedenken, der mit dem Namen Langemarck verbunden ist. Das dieser Straßenname, der auf einen kriegstreiberischen, nationalistischen Kult zurückgeht, noch immer präsent ist, ist natürlich mehr als fragwürdig.

Die Mobilisierung der Studenten („Aus der Hochschule an die Front“) ist nur ein Aspekt der nationalistischen Ideologie, die in alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens und insbesondere der Familie eindrang. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Anlage einer „Besserungsanstalt“ durch die Nazis in Hashude 1936. In diese vollständig überwachte und kontrollierte Siedlung wurden Familien, einzelne Personen und Kinder verbracht, die nach der Familienideologie des Dritten Reichs „asozial“ waren und denen unter „Anleitung“ die „deutschen“ Familienwerte nahegelegt werden sollten. Diese zwischen Industrieanlagen und Bahnschienen versteckt gelegene und aus der Stadt separierte Siedlung, die auch wir erst nach Suche und langem Fußmarsch fanden, blieb selbst nach dem Krieg im Bremer Sprachgebrauch verankert.

Wir möchten uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken, die mit uns zu diesem „schweren“ Thema unterwegs waren, viele Fragen gestellt und auch viel Wissen mit uns geteilt haben. Das Thema Faschismus, Krieg, Deportation und Überwachung beschränkt sich natürlich nicht auf die Neustadt, sondern kann auch in jedem anderen Stadtteil, in jeder Nachbarschaft „entdeckt“ werden. Wir würden uns natürlich freuen, Euch auch bei unseren nächsten Projekten und urbanen Spaziergängen zu begrüßen.

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Meike Schlingmann(3), Daniel Schnier(2)

Dienstag, 3. Juli 2007

"Braune Soße links der Weser " Faschismus, Krieg, Deportation, Kontrolle am 15.07.2007 um 15.00Uhr

Braune Soße links der Weser
Faschismus, Krieg, Deportation, Kontrolle

Die Spuren von Faschismus und Krieg sind in der Neustadt nur noch auf den zweiten Blick zu sehen. Die direkten Kriegsschäden sind längst beseitigt und die augenfälligen Symbole des Naziregimes schon lange ausgetilgt. Vereinzelt ragen Luftschutzbunker aus der urbanen Szenerie hervor, und bezeugen mit ihrer stadtbildsprengenden Wucht den Irrsinn der Kriegsjahre. Die meisten Spuren sind jedoch weniger offensichtlich und werden übersehen oder sogar bewusst ausgeblendet und bieten neuen rechten Gruppen mitunter die Möglichkeit an die Vergangenheit anzuknüpfen.

Diese urbanen Chiffren zu entschlüsseln und den Alltag der Jahre von 1933 bis 1945 erfahrbar zu machen ist das Anliegen des antifaschistischen Spaziergangs durch die Neustadt, den das Autonome Architektur Atelier gemeinsam mit der Gruppe POLKA organisiert.

Aus der Perspektive der Gegenwart schauen wir auf das Vergangene und wollen den Blick auf das Zukünftige schärfen.

Datum: Sonntag, 15. Juli 2007
Startort: Vor dem Hochbunker in der Hardenbergstraße in 28201 Bremen
Zeit: 15.00Uhr, Dauer ca. 1-2 Stunden


AAA - Autonomes Architektur Atelier in Zusammenarbeit mit der Gruppe POLKA des Kurzschluss Bremen | Lahnstrasse 16 | Neustadt

Titel: Alexander Kutsch, Text: Oliver Hasemann, Flyer: Daniel Schnier

WESER KURIER, 18.06.2007

Zu Fuß auf der brandneuen Hochstraße
Rundgang "Abriss, Abflug, Abfahrt" des Autonomen Architektur Ateliers führte in die Airport-Stadt

NEUSTADT. Der Flughafen ist ein Zentrum der Mobilität, von hier aus kann man in die ganze Welt starten. Ganz gemächlich machte sich jetzt eine Gruppe auf Einladung des "Autonomen Architektur Ateliers" (AAA) auf den Weg, um das Areal rings um den Airport genauer zu erkunden. Hier tut sich einiges. Immer neue Gebäude schießen aus dem Boden. Und die Bauarbeiten für die A 281 sind noch in vollem Gang.In der bundesweiten Erhebung des Passagier-Aufkommens nimmt der Flughafen Bremen inzwischen den 15. Platz ein. Vor allem durch die Ansiedelung der Billig-Flieger-Linie Ryanair im März ist noch eine weitere Steigerung der Fluggastzahlen zu erwarten. Und dass, nachdem in den 80er Jahren noch über die Schließung des Flughafen diskutiert wurde und in den 90er Jahren der Bau eines nordwestdeutschen Zentralflughafens im Gespräch war.

"Weiter Blick vom Parkdeck"

Auch in Zeiten der globalen Kommunikation über das Internet müssen Geschäftskontakte persönlich gepflegt werden", führte Raumplaner Oliver Hasemann gerade aus, als er vom Lärm eines startenden Jets unterbrochen wurde. Die Gruppe stand auf dem Dach des Parkhauses am Flughafen, um sich einen ersten Gesamteindruck von den Ausmaßen der Airport-Stadt zu verschaffen. Auf der einen Seite streift der Blick die Landebahn; schaut man auf die andere Seite, entdeckt man in der Ferne das Weserstadion und den Dom - und davor die neue Autobahn-Schrägseilbrücke. Bis zum letzten Teilstück der A 281 sollte der AAA-Rundgang unter dem Motto "Abflug, Abriss, Abfahrt"gehen, und das in einem Gebiet, das nicht unbedingt auf die Bedürfnisse von Fußgängern ausgelegt ist.

"Rund 450 Unternehmen ansässig"

Die Geschichte des Bremer Flughafens reicht bis 1913 zurück. Der "Masterplan" von 1989 markiert den Beginn der verstärkten Firmensiedlung, die in der heutigen "Airport-Stadt" ihren Höhepunkt erlebt."Airport-Stadt" oder "Flughafen-City"? Wie heißt das neue Großareal eigentlich korrekt? "Am Anfang stand auf den Schildern noch ’Airport-City’, um internationaler zu klingen. Das Problem war dann aber wohl, dass englischsprachige Autofahrer öfters die falsche Ausfahrt genommen haben, wenn sie eigentlich in die Innenstadt wollten, dann aber am Flughafen gelandet sind", so der Architekt Daniel Schnier vom AAA. Somit sei es bei der Bezeichnung "Airport-Stadt" geblieben.

Rund 450 Unternehmen sind hier inzwischen ansässig, das Spektrum reicht von Zulieferbetrieben und Logistikunternehmen hin zu Autohäusern und kleinen Medien-Start-Up-Unternehmen."Anhand der Streckenführung der neuen Autobahn zeigt sich der Wandel in der bremischen Stadtentwicklung", erläutert der Raumplaner Alexander Kutsch den Teilnehmern. "Während die Verkehrsader Weser die Stadt entlang der Ufer entstehen ließ, führt die neue Achse der Stadt vom Technologiepark zur Airport-Stadt". Die A281 soll nach ihrer Fertigstellung die Westtangente bilden und somit den Westen der Stadt an das Autobahnnetz anbinden. In den Stadtteilen Kattenturm und Huckelriede protestieren - wie berichtet - Bürgerinitiativen gegen die Art des Ausbaus, auch das war ein Thema für die Veranstalter des Rundgangs. "Bei der ganzen Diskussion um den Bau der A 281 stellt sich letztlich die Frage, inwieweit es heutzutage noch sinnvoll ist, Güter auf der Straße zu transportieren", merkt Oliver Hasemann kritisch an.

Einen Stadtteil im Entstehen konnte die Gruppe hautnah erleben, als sie sich über die für den Verkehr zum Teil noch nicht geöffneten Straßen hin zum "Aviation Center" bewegte. Dort befindet sich die European Aeronautic Defence and Space Company, kurz EADS. "Die Ausstrahlung, die dieses Unternehmen auf das Gebiet hier haben soll, zeigt sich bereits in der Leuchtturm-Architektur des Gebäudes", so Daniel Schnier. Wo heute noch Baugerüste und halbfertige Gebäude stehen, soll bald auch die Flugschule der Lufthansa einziehen. Ein besonderer Höhepunkt des Rundganges war der Spaziergang über das geradezu jungfräuliche Teilstück der A281, auf dem noch keine Autos fahren dürfen.

© www.weser-kurier.de | von der WESER-KURIER Mitarbeiterin Catharina Oppitz, FOTOS: Meike Schlingmann

Mittwoch, 13. Juni 2007

"AAA281 - Abflug, Abriss, Abfahrt" Dokumentation und Resumeé vom 10.06.2007




Urlaubsstimmung am Abflugterminal – Hitzeblasen über dem Asphalt

Sonntagnachmittags am Abflugterminal des Airport Bremen, 50 Personen haben sich bei hochsommerlichen Temperaturen eingefunden, nicht um an die Traumstrände ferner Urlaubsziele zu reisen, sondern um mit uns auf einen urbanen Spaziergang durch die Airport Stadt zu gehen. Einen ersten Ausblick auf das Plangebiet der Airport Stadt und den Flughafen gewinnen wir vom obersten Parkdeck des Parkhauses. Aus der Vogelperspektive, und begleitet vom zänkischen Spott der im benachbarten Park beheimateten Krähen, bietet sich hier ein Blick auf die nahegelegene Baustelle, aber auch auf die Silhouette der Bremer Altstadt und in die weiten, grünen Landschaften jenseits des Airports Bremen.

Von den grünen Wiesen des ehemaligen Neuenlander Felds ist auf dem Erdboden wieder angekommen allerdings weniger zu sehen, vielmehr bietet sich uns das Bild einer ausgedehnten Sandlandschaft, die immer wieder von Baustellen durchbrochen wird. An den aufstrebenden Büro- und Gewerbebauten der wachsenden Airport Stadt führt uns der Weg in Richtung der Autobahn A281, um im Schatten ihrer Brückenbauwerke für einen Moment eine Zuflucht zu finden. In diesen Schatten entspannt sich dann auch eine spannende Diskussion über den Sinn und Unsinn dieses Bauwerks, dessen Nutzen noch lange nicht abzusehen ist, da die endgültige Fertigstellung noch weit in der Zukunft liegt.

Den Platz unter der Autobahn tauschen wir dann alsbald mit einem Platz auf der Autobahn ein. Auf dem frisch aufgetragenen Asphalt weht uns schon ein heißer Wind entgegen, aber noch können wir diesen Raum als Spaziergänger in Besitz nehmen. Bald rollen hier Lastwagen in Richtung des Güterverkehrszentrums und weiter zu den Containerhäfen in Bremerhaven oder Wilhelmshaven. Noch nutzen allerdings wir die Autobahnabfahrt als bequemen Weg, um die Autobahn wieder zu verlassen und die Schrägseilbrücke mit ihren 50 Meter hohen Stahlpylonen zu bewundern, die sich hier auf über hundert Metern Länge über Straße und Straßenbahntrasse spannt.

Unser Rückweg führte uns in den schon fertiggestellten Bereich der Airport Stadt. Zwischen den verspiegelten Backsteinfassaden stellt sich uns hier die Frage, ob dies noch Bremen ist oder schon ein Teil einer internationalen Enklave, die sich vom Airport aus ausdehnt und dem Besucher beständig das Gefühl vermittelt, den Flughafen noch nicht verlassen zu haben. Belebt ist dieses Stadtquartier, trotz einer hohen Arbeits- und Parkplatzdichte, nicht, trotz akkurater Grünflächen und freundlichen Schattens stellt sich hier keine städtische Atmosphäre ein, wir sind an diesem Sonntagnachmittag die einzigen Besucher.

Den Abschluss findet unser Urbaner Spaziergang am RyanAir-Terminal. Die Ikone der Low-Cost-Carrier fliegt seit März Bremen an und wird schon im ersten Jahr über eine Million Passagiere über Bremen transportiert haben. Eine Entwicklung, die dazu führt, das immer mehr internationale Gäste Bremen besuchen und an der Schlachte den Charme Bremer Qualitätsprodukte geniessen.

Wir danken allen Spaziergängern und Spaziergängerinnen, die trotz der hochsommerlichen Temperaturen so lange mit uns unterwegs waren und sich wie wir an der interessanten Kulisse des Spaziergangs erfreut haben. Wir würden uns sehr freuen, Euch auch bei unseren kommenden Veranstaltungen begrüßen zu können.

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Meike Schlingmann

Samstag, 2. Juni 2007

WESER KURIER, 31.05.2007

Vorbei an Wurst und Coca-Cola
Autonomes Architektur Atelier führte durch Hemelinger Industriegeschichte

HEMELINGEN. Was heute als ein typischer Auswuchs der Globalisierung gilt, hat seinen Ursprung während des industriellen Zeitalters Mitte des 19. Jahrhunderts. Während heute in der Industrie die Produktion in Niedriglohnländer wie China verlagert wird, tat man ähnliches auch schon vor 150 Jahren in Bremen. Auf einem der urbanen Spaziergänge des Autonomen Architektur Atelier (AAA) am Sonntag ging es durch Hemelingen.

Als der heutige Bremer Stadtteil Hemelingen noch eigenständig war und zum Königreich Hannover gehörte, wurde hier vor den Toren der Stadt produziert. Das war günstig und es gab keine Schwierigkeiten etwa mit Emissionen. Die Industrieanlagen standen damals im Grünen, erst im Laufe der Jahre und durch den Bevölkerungszuwachs im Rahmen des industriellen Wachstums wucherten Wohngebiet und Industriegebiet zusammen. Welche Altlasten die intensive industrielle Nutzung im Stadtteil hinterlassen hat, wird bei einem Gründstück in Bahnhofsnähe deutlich. Bevor hier auch nur ein einziger neuer Grundstein gelegt werden kann, muss das verseuchte Erdreich gereinigt werden.

Mit dem Bau der Bahnlinie nach Hannover im Jahre 1847 wurde die Basis geschaffen für eine intensive Industrialisierung von Hemelingen, die bis vor etwa 20 Jahren anhielt. Zu dieser Zeit schlossen viele der Traditionsunternehmen, wie Nordmende oder Focke-Wulf, für den Stadtteil begann der Wandel. Seit zehn Jahren befindet sich Hemelingen im Förderungsprogramm zu Sanierung alter Industrieviertel, die Fortschritte gehen schleppend voran. Heute ist Hemelingen ein von der Infrastruktur geradezu zerrissener Stadtteil.

In der Bahnhofstraße stehen viele Ladenlokale leer, unter anderem auch die Apotheke, die um die vorige Jahrhundertwende gebaut wurde. Das Gebäude steht zum Verkauf, nach einem Investor wird gesucht. Es gibt wenige Geschäfte für die Waren des täglichen Bedarfs, die man zu Fuß erreichen kann, der Stadtteil ist immer noch geprägt von der Zeit, als die Arbeiter zu ihrem Betrieb pendelten und abends wieder nach Hause fuhren.

"Es war wohl als Motor für die Stadtsanierung gedacht, mit dem Bau des Hemelinger Tunnels anzufangen", vermutet Raumplaner Alexander Kutsch, der die Stadtspaziergänge gemeinsam mit Oliver Hasemann, der ebenfalls Raumplaner ist, und dem Architekten Daniel Schnier anbietet. Zu Fuß erlaufen die Teilnehmer der Rundgänge des AAA Stadtteile und erfahren etwas über den Wandel, den dies im Laufe der Jahre durchlaufen haben.

Und so landeten die etwa 50 Teilnehmer des Rundgangs am Sonntag auch wieder einmal an unerwarteten Orten. Denn wer Hemelingen in seiner ganzen Länge durchqueren will, steht auf einmal vor der großen Kreuzung, von der der Hemelinger Tunnel in die Tiefe abtaucht.Auf der anderen Seite der Straße gelangt man durchs Gebüsch an den Allerhafen. Als der Hafen Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde, war er ein Hauptverkehrsknotenpunkt für den Transport von Kohle, Kies, Sand und Bier, das damals noch in Hemelingen gebraut wurde. Inzwischen ist der Güterverkehr auf Straße und Gleis verlagert worden, der Fluss verliert an Bedeutung. Dafür soll der Hemelinger Tunnel, der 2003 eröffnet wurde, Hemelingen vom gewaltigen Verkehrsaufkommen durch Personen- und Warenverkehr entlasten. Die beiden Großbetriebe in Hemelingen, Coca-Cola und der Wursthersteller Könecke, orientieren sich auch zur Straße hin.

Dass bei den Versuchen der Stadtsanierung in Hemelingen Autos und nicht Fußgänger im Mittelpunkt stehen, beweisen gutgemeinte Versuche am Hemelinger Bahnhof. Hier wurde die Unterführung zwar neu gestaltet, dafür fehlt auf der einen Seite die Rampe.

Von Barrierefreiheit kann keine Rede sein. "Der Stadtplaner, der das verbrochen hat, müsste hier jeden Tag stehen und die Kinderwagen hochtragen", echauffiert sich eine Teilnehmerin des Spaziergangs. Am hinteren Ende der Godehardstraße, an der auch das Bürgerhaus sitzt, sind Grundstücke für ein neues Wohngebiet ausgewiesen. Das lange geplante Zentrum KUBIKO soll das neue Herz von Hemelingen werden, ein Versuch der Revitalisierung eines Stadtteils. "Es wird hier deutlich, dass die bauliche Aufwertung, die ’Investition in Steine’ alleine nicht reicht, um den Strukturwandel herbeizuführen", meint Oliver Hasemann.

Der nächste urbane Spaziergang des AAA ist für Sonntag, 10. Juni, geplant. Unter dem Motto "AAA 281 - Abflug, Abriss, Abfahrt!" geht es durch die Airportcity. Treffpunkt um 15 Uhr ist der Terminal Abflug des Flughafens in der Flughafenallee.

© www.weser-kurier.de | von der WESER-KURIER Mitarbeiterin Catharina Oppitz, FOTOS: Petra Stubbe

Mittwoch, 30. Mai 2007

"AAA281 - Abflug, Abriss, Abfahrt" am 10.06.2007 um 15.00Uhr

AAA281 – Abflug, Abriss, Abfahrt

Das Neuenlander Feld entwickelt sich zum zentralen Bremer Verkehrskreuz. Traditionell starten hier seit den Kindertagen der Luftfahrt Flugzeuge in die Ferne. Mit der verbesserten Anbindung des Airports Bremen durch die Straßenbahn und mit dem Bau der Autobahn A281 durch das Neuenlander Feld in Richtung des Güterverkehrszentrums und der Hafenanlagen, rückt die globalisierte Welt aber insgesamt immer näher an das Stadtzentrum. Folgerichtig entsteht mit der Airport City ein Technologie- und Gewerbezentrum, das auf die Firmen und Forschungseinrichtungen IT-Branche ausgerichtet ist, die über das Internet im globalen Datenverkehr tätig sind. Von der globalen Welt ist es dann nur noch ein kurzer Schritt zum Griff nach den Sternen, der mit dem Bau der Ariane Antriebsstufen bei EADS vollzogen wird.

Für den Fußgänger, einen Spaziergänger zumal, scheint es an diesem Ort keinen Platz (mehr) zu geben. Mit unserem Urbanen Spaziergang demonstrieren wir allerdings das Gegenteil. Denn gerade dem Spaziergänger eröffnen sich zwischen den strahlenden Fassaden des Airports und den grau aufragenden Stelzen der Autobahn ganz andere Perspektiven als dem Reisenden im Anflug auf Bremen oder dem Lastwagenfahrer mit seiner Containerlast auf dem Weg zum Umschlaghafen. Erst aus der Nähe ist der Wandel des Stadtquartiers genau zu erkennen, noch befährt kein Auto die neue Strecke, noch sind viele der Bürobauten Rohbauten oder existieren nur als Animation. Der Spaziergang wirft damit einen Blick auf die sich momentan vollziehenden Entwicklungen und auf die Zukunft des Quartiers.

Datum: Sonntag, 10. Juni 2007
Startort: Terminal Abflug, Flughafenallee am Flughafen in 28199 Bremen
Zeit: 15.00Uhr, Dauer ca. 1-2 Stunden

Titel: Alexander Kutsch, Oliver Hasemann, Daniel Schnier Text: Oliver Hasemann Foto und Einladung: Daniel Schnier

Donnerstag, 24. Mai 2007

WESER KURIER, 24.05.2007

Neues Leben im Abrisshaus
Wohnexperiment im Hochhaus Neuwieder Straße 48

TENEVER. Eine merkwürdige, bedrückende Stille geht von dem Wohnkomplex Neuwieder Straße 46 -52 in Osterholz Tenever aus. Von den meisten Mietern schon verlassen, ragen die zum Abriss verdammten Betonkolosse weitgehend verwaist in den Bremer Himmel. Doch bald soll neues Leben dort einkehren.

In dem Haus an der Neuwieder Straße 48 bewohnen nur noch zwei Parteien das Hochhaus, eine mehrköpfige Familie und ein älterer, alleinstehender Herr. Auch sie sollen bald in eines der umliegenden Gebäude umsiedeln, damit die teilweise stark heruntergekommene Wohnanlage abgerissen werden kann. Doch bevor das soweit ist, erwacht eines der Häuser, der Block Nummer 48, für kurze Zeit noch einmal zu neuem Leben.

Im Rahmen des Projektes "Sproutbau" sollen sich im August hier Menschen niederlassen, die einen Monat lang gemeinschaftlich miteinander leben wollen. Am Sonnabend veranstalteten die Organisatoren des Projekts eine erste Hausbegehung mit potenziellen Mitbewohnern. Die Initiatoren des Projekts, oder das "Team N.", wie sich die Gruppe nennt, sind neben Christina Vogesang, Annika Schmeding und Olaf Clausing, die über den Verein "Quartier" oder ähnliche Sozialeinrichtungen schon mehrere Projekt in Tenever betreut oder organisiert haben, auch Oliver Hasemann, Daniel Schnier und Alexander Kutsch vom Autonomen Architektur Atelier (AAA), die sich aufgrund der architektonischen Besonderheiten des Wohnkomplexes für das Projekt interessieren. "Die Idee ist, hier eine Wohngemeinschaft entstehen zu lassen, die sich auf der Grundlage individueller Ideen und der Gegebenheiten des Hauses entsprechend organisiert und miteinander in dem Haus lebt", erklärt Christina Vogesang.

Einzige Voraussetzung: Jeder, der in das Haus einzieht, muss etwas für das Allgemeinwohl in die Wohngemeinschaft einbringen und möglichst eine Idee entwickeln, die zu einer nachhaltigen Nutzung bestimmt ist. "Unter anderem wollen wir eine Volksküche einrichten, die für die Versorgung der Bewohner zuständig ist", erzählt Vogesang.

Darüber hinaus seien jedoch auch Interessenten aus anderen Bereichen, wie Handwerker, Techniker oder Zukunftsvisionäre gefragt, die sich vorstellen können, für einen Monat in einem fast leerstehenden Hochhaus zu wohnen. "Bisher haben sich schon einige Leute mit guten Ideen bei uns gemeldet", erzählt Christina Vogesang. "Wir haben sogar auch einige Anfragen aus dem Ausland, was uns natürlich besonders freut, weil es dem Projekt eine internationale Note gibt."

Claudia Junker und Niko Wolf, die aus Ottersberg zur Besichtigung gekommen sind, kennen sich mit alternativ geführten, gemeinschaftlichen Lebensformen aus. "Wir wohnen zusammen mit 18 Leuten in einem alten Bahnhof im Ottersberg", erzählt die 24-jährige Kunstpädagogikstudentin Claudia Junker, die schon seit dreieinhalb Jahren in dem alten Bahnhof lebt. Zwar habe sie bisher noch keine genaue Vorstellung davon, was sie in die Gemeinschaft einbringen könnte. "Ich finde das Projekt aber sehr spannend und wollte mir zur Inspiration einfach schon mal das Gebäude und die Räumlichkeiten angucken", meint sie.

Einen etwas ausgereifteren Plan hat die 25-jährige Celine, die Umwelttechnik an der Universität Hamburg studiert. "Ich habe mir überlegt, einen Solar- und Wärmespeicher zu entwickeln", erzählt sie. Da sie damit jedoch noch in der Planung stecke, wolle sie lieber erstmal nicht zu viel verraten. "Nicht, dass mich mein Professor nachher noch darauf festnagelt und es dann nachher nicht klappt."

Anfang August sollen mindestens 40 Bewohnerinnen und Bewohner in den Häuserblock einziehen, der dank der Gewoba noch für einen zusätzlichen Monat an das Wasser- und Stromnetz angeschlossen bleiben wird. "Allerdings haben wir in der Zeit leider kein warmes Wasser, aber vielleicht entwickelt ja jemand noch eine Idee dafür", sagt Vogesang.

Wer Lust hat, sich an dem Projekt "Sproutbau" zu beteiligen, kann sich noch bis Sonntag, 24. Juni, anmelden. Informationen hierzu gibt es im Internet unter www.sproutbau.de.

© www.weser-kurier.de | von der WESER-KURIER Mitarbeiterin Andrea Suhn, FOTOS: Petra Stubbe

Sonntag, 20. Mai 2007

"Messer, Gabel, Wurst und Cola - Insel im Schlaraffenland!" Dokumentation und Resumeé vom 20.05.2007




Spaziergang durch die Werkstatt

Zu unserem urbanen Spaziergang durch Hemelingen, einem traditionellen Industriestandort, also quasi der verlängerten Werkbank Bremens, fanden wir uns mit zirka 50 Personen am Sebaldsbrücker Bahnhof ein. Von dieser Eisenbahnstrecke ausgehend hatten sich hier die Industrieunternehmen auf dem hannoveranischem und später preussischem Gebiet im 19. Jahrhundert angesiedelt, die aufgrund der Zollschranken in Bremen nicht wirtschaftlich produzieren konnten. Unter diesen Betrieben waren weltbekannte Bremer Unternehmen wie Focke-Wulf, Wilkens Silberwaren oder nach dem 2. Weltkrieg die Nordmende. Mittlerweile ist der Betrieb in der Werkstatt allerdings weitesgehend eingestellt, die Maschinen und Werkzeuge sind schon ausgeräumt und die Räume werden nach und nach besenrein gekehrt, um neue Investoren anzulocken. In einen Industriestandort im Wandel.

Unser Weg führte uns vom Bahnhof in Sebaldsbrück durch die Industrie- und Gewerbegebiete entlang der Hemelinger Bahnhofsstraße bis hin zum Allerhafen an der Weser. Links und rechts hatten wir so die Möglichkeit die historischen Industriestätten, die gegenwärtig noch bestehenden Betriebe und die Pläne für die zukünftige Gestaltung des Stadtteils betrachten zu können. Wie der angedachte Wandel für Hemelingen aussieht, konnten wir auf unserem Rückweg erkennen, der uns durch den Hemelinger Bahnhof, durch die Glockenstraße und durch den Hemelinger Tunnel führte. Dass die bauliche Aufwertung, die "Investition in Steine" alleine nicht reicht um den Strukturwandel herbeizuführen, wurde allerdings ebenso deutlich.

Der „Feierabend“ nach dem Abschluss des Spaziergangs wurde dann am Sebaldsbrücker Bahnhof mit lokalen Spezialitäten genossen. Vielen Dank, dass Ihr mit uns unterwegs gewesen und unseren urbanen Spaziergang bereichert habt. Wir sehen uns im Juni.


"AAA 281 - Abflug, Abriss, Abfahrt!“


Datum: Sonntag, den 10.06.2007
Startort: Treffpunkt ist der Terminal Abflug
des Flughafens in der Flughafenallee in 28199 Bremen
Zeit: 15.00Uhr, Dauer zirka 1-2 Stunden

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Meike Schlingmann

Montag, 7. Mai 2007

"Messer, Gabel, Wurst und Cola - Insel im Schlaraffenland" am 20.05.2007 um 15.00Uhr

Messer, Gabel, Wurst und Cola – Insel im Schlaraffenland

Das Tor nach Hemelingen bildet der Sebaldsbrücker Bahnhof. Eingezwängt zwischen den Gleisen der Bahnstrecken und eingekreist von den Schneisen der Hauptverkehrsstraßen, bildet der Ortskern von Hemelingen eine Insel im Geflecht der Verkehrsinfrastruktur. Eine Insel, deren Zugänge schwer zu finden sind, deren Brücken versteckt sind, die gleichzeitig auch noch untertunnelt wird.

Auf dieser Insel angelangt, stellt der/die BesucherIn allerdings schnell fest, dass es hier nicht nur das Besteck, sondern auch die Speisen für ein Essen gibt.

Für viele Bremerinnen und Bremer ist Hemelingen tatsächlich eine Art Insel kurz vor der Autobahn. Dank der ausgeprägten Infrastrukturplanung führen mittlerweile alle Hauptverkehrsstraßen an Hemelingen vorbei, mit dem Bau des Hemelinger Tunnels wurde eine weitere Entlastungsstrecke gebaut, das Zentrum Hemelingens ist damit verkehrsbefreit. Die Verlagerung von Straßen ist allerdings nicht der einzige städtebauliche Wandel. Mit dem Strukturwandel verlassen auch Produktionsstätten den Stadtteil, der immer noch traditioneller Standort von bekannten Firmen der Nahrungsmittel- und Metallverarbeitenden Industrie ist.

Das AAA lädt auf seinem Urbanen Spaziergang dazu ein, diesen Wandel und diese Tradition zu erfahren und sich auf eine Insel im Schlaraffenland entführen zu lassen.

Datum: Sonntag, 20.05.2007
Startort: Sebaldsbrücker Bahnhof, Hemelinger Bahnhofstrasse in 28309 Bremen
Zeit: 15.00Uhr, Dauer ca. 1-2 Stunden

Titel: Alexander Kutsch, Oliver Hasemann, Daniel Schnier Text: Oliver Hasemann Foto und Einladung: Daniel Schnier

Samstag, 28. April 2007

SPROUTBAU

Ein internationales Wohnexperiment im August 2007

Ein leerstehendes Hochhaus am Rande Bremens sucht temporäre BewohnerInnen. Für einen Monat werden hier Menschen einziehen, die sich in dem fremden Umfeld gemäß ihrer individuellen Wohnutopien neu organisieren. Die Ideen sollen dabei im Spektrum des nachhaltigen und autonomen Wohnens liegen.

Jede(r) Teilnehmer(in) erhält ausreichend Raum zur Verlebendigung der Ideen. Wie die Ansätze letztendlich umgesetzt werden, steht den Beteiligten frei. Es kann eine architektonische Ergänzung, ein designorientiertes Werk, eine künstlerische Installation oder auch eine Performance sein. Die angebotenen Lösungen müssen nicht unbedingt praktisch umgesetzt, sondern können auch anschaulich inszeniert werden. Ebenso muss nicht jeder der TeilnehmerInnen seine eigene Idee mitbringen: Gesucht sind auch Leute, die bestimmte Fähigkeiten besitzen, die wertvoll für das Allgemeinwohl sind, wie BäckerInnen, TischlerInnen, ElektrikerInnen oder SolarexpertInnen u.ä.. Der Fokus von SPROUTBAU liegt auf der Vernetzung und Kooperation der TeilnehmerInnen untereinander, sodass ein reger Kommunikationsfluss und Arbeitspartnerschaften entstehen und Know-how vermittelt wird.

Da das Haus zum Abriss bereit steht, sind den Fantasien zur individuellen Umgestaltung innerer und äußerer Wohnbereiche keine Grenzen gesetzt.

Wenn Du den Wildwuchs vor dem Abriss aktiv mitgestalten möchtest, komm nach Bremen und erlebe einen Sommer in Beton! Alles weitere unter:

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Text und Fotos: Team N.

Donnerstag, 26. April 2007

WESER KURIER, 26.04.2007

Brilltunnel: Herzoperation für die Innenstadt
Nachwuchsarchitekten erarbeiten alternative Konzepte / Erhaltung und Umbau stehen an erster Stelle / Präsentation am Montag

ALTSTADT. Wenn es nach Lino Egermann und Olga Brito-Madrid geht, muss das "Bremer Herz dringend operiert werden." Egermann und Brito-Madrid sind zwar keine Chirurgen. Den Eingriff halten sie trotzdem für erforderlich. Wer nun glaubt, dass man es hier mit zwei Menschen zu tun hat, die Lust an riskanten Operationen haben, der irrt. Bei Egermann und Brito-Madrid handelt es sich nämlich um zwei Nachwuchsarchitekten. Das Herz, dem sie wieder zu alter Leistungsfähigkeit verhelfen möchten, ist der Brilltunnel.

Am Wochenende haben sich dort junge Architekten und Architekturstudenten getroffen, um Konzepte für die weitere Nutzung des Brilltunnels zu erarbeiten. Organisiert wurde der Workshop vom "Autonomen Architektur Atelier", dem Bremer Zentrum für Baukultur (BZB), sowie von jungen Architekten und Hochschulabsolventen."Der Brilltunnel ist kein Unort", stellt Michael Ziehl, der den Workshop ins Leben gerufen hat, klar. Man wolle zeigen, dass es Alternativen zur Schließung des Tunnels gebe, sagt Ziehl. Für ihn ist der Brilltunnel nämlich ein "toller Ort". Jeder kenne ihn. Man müsse den Tunnel wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken, findet er. Und genau deshalb sei er auf die Idee gekommen, den Workshop zu initiieren.

Umbau statt Abriss

Von seiner Idee waren die Autonomen Architekten und das BZB sofort begeistert. Schließlich sei die weitere Zukunft des Brilltunnels unter Bremer Architekten ein brandaktuelles Thema, erklärt Ziehl. Erst recht, nachdem die Berliner Architekten Grüntuch und Ernst den Auftrag bekommen haben, die Kaufhalle am Brill umzugestalten. Umbau statt Abriss, so lautet Grüntuch und Ernsts Konzept. Und dieses machen sich auch die Bremer Jungarchitekten zu eigen. Egermann und Brito-Madrid gehen noch einen Schritt weiter. Sie wollen aus dem Brilltunnel das "pulsierende Herz Bremens" machen. Egermann, der im vierten Semester an der Hochschule Architektur studiert, findet, dass der Tunnel das Interesse der Passanten wecken solle. "Der Brilltunnel ist einzigartig in Bremen", stimmen beide überein. Deswegen dürfe er auch nicht geschlossen werden und müsse "wiederbelebt werden", sagt Brito-Madrid.

Ihr Herzkonzept sieht eine klare Aufteilung des Tunnels vor. Auf einem Pappkarton erläutern sie, wie sie sich die Zukunft des Brilltunnels vorstellen. Zwei Bereiche solle es geben, erklärt Egermann anhand des Pappmodels. Ein Bereich soll zum Verweilen einladen, der andere solle dagegen ein reiner Durchgangsbereich sein.

Der Workshop ist ein "sehr großer Erfolg", sagt Ziehl ziemlich zufrieden. 38 Teilnehmer, die sich in neun Gruppen aufteilten, erarbeiten verschiedene Nutzungskonzepte. Eine Gruppe will den Fußgängertunnel künftig als öffentliche Ausstellungshalle nutzen, eine andere will die Umrisse des Tunnels als "urbane Markierung" auf die Straße malen. Auch mit der Resonanz sei er sehr zufrieden, sagt Ziehl weiter. Passanten seien stehen geblieben und hätten sich informiert. Einige hätten sogar Tipps gegeben. Unter den Besuchern habe ebenfalls die Meinung vorgeherrscht, den Brilltunnel nicht zu schließen.

Alle Ergebnisse des Workshops werden am kommenden Montag, 30. April, ab 18 Uhr im Brilltunnel vorgestellt. Am gleichen Tag bietet das Autonome Architektur Atelier ab 17 Uhr einen Spaziergang rund um den Brilltunnel an. Treffpunkt für den Spaziergang ist kurz vor 17 Uhr im Tunnel.

© www.weser-kurier.de | von dem WESER-KURIER Mitarbeiter Christian Meyer, FOTOS: Walter Gerbracht

Mittwoch, 25. April 2007

Vorsicht - Ideen für den Brilltunnel!

Eindrücke vom Ideenworkshop convertiBRILL - Licht statt Ende des Tunnels!

Ein ganz normaler Samstag in Bremen, viele Tausend Menschen
schieben sich durch die Innenstadt und gehen zwischen Obernstraße und Schlachte ihrem Freizeitvergnügen nach. Den Passanten, die den Fußgängertunnel am Brill benutzen, bietet sich an diesem Tag allerdings ein ungewohnter Anblick. Waren sie es sonst gewohnt zügig durch diesen Tunnel zu eilen, verlangsamen sie jetzt doch überrascht ihre Schritte oder bleiben gleich stehen, um sich das ungewohnte Treiben anzuschauen.

Wo sonst nur die triste Kulisse eines leerstehenden Grills und des zugemauerten Sparkassenzugangs den Betrachter abschrecken, stehen nun strahlend weiße Tische und Stühle. Es erscheint fast, als sollte hier ein festliches Dinner abgehalten werden, tatsächlich entstehen an den Tischen Ideen für die weitere Nutzung des Brilltunnels. Das der Workshop convertiBRILL vor Ort im Brilltunnel veranstaltet wird, konfrontiert TeilnehmerInnen und Öffentlichkeit mit dem gegenwärtigen Zustand. Das dieser verbesserungsbedürftig ist, spüren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hautnah, viele flüchten immer mal wieder in den Sonnenschein, der oberirdisch über der Stadt lacht.

Als am Sonntagabend zu Beginn der Präsentation SEIN TRIO frei vor sich hin improvisiert und sich mehr und mehr ZuschauerInnen versammeln, wird auch wirklich spürbar, wieviel Potenzial dieser Ort besitzt und welche Chancen er für die Umsetzung kreativer Ideen bietet. Um so mehr gilt dies für den kommenden Montag (30.04.07), wenn die teilnehmenden Gruppen ihre Beiträge im Rahmen einer Vernissage vorstellen und ausstellen, noch mehr Musik zu ihrer Untermalung gespielt wird und dann bis in die frühen Morgenstunden in den Mai getanzt wird und den Brilltunnel temporär in eine angesagte Location verwandelt.

Start ist um 17Uhr (30.04.2007) im Brilltunnel mit einem Urbanen Spaziergang namens „Tunnelblicke“ des AAA.

convertiBRILL wurde von Michael Ziehl initiiert, in Kooperation mit der Probebühne Architektur des Bremer Zentrum für Baukultur und dem Autonomen Architektur Atelier.

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Daniel Schnier, Flyer: Michael Ziehl

WESER KURIER, 19.04.2007

Die Hinterhöfe der Bahnhofsvorstadt
Mit dem "Autonomen Architektur Atelier" zu den unbekannteren Ecken Bremens

BAHNHOFSVORSTADT.
Die Bahnhofsvorstadt liegt so zentral wie kaum ein anderes Quartier und wird doch wenig wahrgenommen. Ein Ortsteil, durch den Bremer, Pendler und Touristen zum Bahnhof oder zur Altstadt schlendern oder hetzen. Kein Ort für Spaziergänge. Alex Kutsch, Oliver Hasemann und Daniel Schnier vom "Autonomen Architektur Atelier" (AAA) wollen daran etwas ändern und führten am Sonntag eine Gruppe durch die Bahnhofsvorstadt. Unter dem Motto "Zwischenschatten - Willkommen in Bremen!" machten sie sich mit einigen Neugierigen auf eine Erkundungstour durch die unbekannten Ecken des Bahnhofsviertels. Seit gut einem halben Jahr veranstalten die drei diplomierten Ingenieure für Raumplanung und Architektur die ungewöhnlichen Spaziergänge. "Unser Ziel ist es, den Menschen Ecken der Stadt zu zeigen, die nicht so bekannt sind und die die meisten der Teilnehmer sonst wohl nie zu Gesicht bekommen würden", sagt der gebürtige Dortmunder Alex Kutsch, der seit eineinhalb Jahren in Bremen lebt." Die Spaziergänge sind eine Art gemeinsames Erleben der Stadt. Wir wollen den Teilnehmern neue Blickwinkel zeigen." Nach Streifzügen durch die Neue Vahr, Walle und die Überseestadt steht an diesem Tag die Bahnhofsvorstadt um Mittelpunkt der Betrachtung. Von der Ecke Findorffstraße und Friedrich-Rauers-Straße geht es schon bald durch Seitengassen zur ehemaligen Hochschule für Künste am Wandrahm, über die Contrescarpe an den Wallanlagen entlang zum Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) im Konsul-Hackfeld-Haus an der Birkenstraße und von dort über die Rotlichtmeile am Philosophenweg. An einem kleinen Privatmuseum endet der urbane Spaziergang: an dem Gebäude an der Emil-Waldmann-Straße, in der der Focke Windkanal ausgestellt ist. Das kostenlose Angebot wird gut angenommen. "Ich finde die Spaziergänge einfach spannend", sagt Kai Steffen. Zwar ist der Vorsitzende des Fördervereins zum Erhalt des "Focke Windkanals", dem flugtechnischen Labors des Bremer Luftfahrtpioniers Heinrich Focke, eher als Mitgestalter des Spaziergangs dabei. "Ich habe aber auch schon andere Spaziergänge mitgemacht und wäre heute auch gekommen, wenn ich nicht zufällig das Museum hätte aufschließen müssen." Auch für Mike Hartmann und Britta Wiebrock aus der Neustadt ist es keine Premiere mit dem AAA. "Wir sind jetzt das zweite Mal dabei und sind wieder mal begeistert", sagt der 27-jährige Mike. "Von der Bahnhofsgegend kenne ich halt fast nur die großen Zugangsstraßen. Die meisten Ecken, an denen wir heute waren, habe ich vorher noch nie gesehen." Und auch seine Freundin Britta ist von dem Spaziergang begeistert. "Es ist wirklich schön, so auch mal Einblicke in Gegenden zu bekommen, in denen man sich normalerweise nicht aufhält und von denen man vielleicht sogar zu Unrecht ein falschen Bild hat", meint die 24-Jährige. "So lernt man seine Stadt einfach viel besser kennen." Die Spaziergänge sind so angelegt, dass alle Teilnehmer ihr Wissen mit in die Diskussion einbringen können. Und so schalten sich auch immer wieder einige ein und helfen bei kleinen Wissenslücken der drei "Stadtführer" aus. Und das ist alles andere als störend. "Uns geht es ja darum, die Stadt gemeinsam zu erleben", meint Alex Kutsch. "Deshalb ist jede Anmerkung immer willkommen." Weitere Informationen über die Urbanen Spaziergänge des AAA gibt es im Internet unter www.aaa-bremen.de.

© www.weser-kurier.de | von der WESER-KURIER Mitarbeiterin Andrea Suhn, FOTO: Roland Scheitz

Montag, 16. April 2007

"Zwischenschatten - Willkommen in Bremen!" Dokumentation und Resumeé vom 15.04.2007




Schattensuche im strahlenden Sonnenschein

Bei hochsommerlichem Wetter machten wir uns gestern mit 35 Spaziergängern und Spaziergängerinnen auf die Suche nach den dunklen Ecken und den Schattenseiten der Bahnhofsvorstadt. Obwohl starker Sonnenschein normalerweise auch tiefe Schatten verspricht, schienen gestern auch die düstersten Ecken dank des guten Wetters noch relativ angenehm. Erst die olfaktorische Konfrontation mit den zahlreichen Pinkelecken riefen wieder in Erinnerung, das Schattenseiten nicht nur einen angenehmen Schutz vor der Sonne bieten, sondern auch die Abwicklung diverser, zum Teil nicht ganz legaler Geschäfte fördern.

Tatsächlich überwogen auf unserem Spaziergang aber die schönen und vermeintlich unbekannten Ecken und Winkel. Zwischen Wandrahm und Rembertistraße stießen wir hier fernab vom Lärm und der Hektik der Hauptverkehrswege immer wieder auf sorgsam gepflegte und verborgene Orte. Dem Verlauf eines Sonntagsspaziergangs folgend, beendeten wir unseren Urbanen Spaziergang am Focke-Windkanal-Museum, einem weiteren versteckten Kleinod in der Bahnhofsvorstadt, wo wir, dank der freundlichen Bewirtung durch die Museumsbetreiber, in gemütlicher Runde zu Kaffee und Keksen einkehren konnten.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Spaziergängerinnen und Spaziergängern, die mit uns unterwegs waren, und beim Verein Focke-Windkanal-Museum, der extra für uns seine Tore öffnete, und uns den Innenhof samt Kaffeetafel zur Verfügung stellte.

„Messer, Gabel, Wurst und Cola – Insel im Schlaraffenland!“

Datum: Sonntag, den 20.05.2007
Startort: Treffpunkt ist der Eingangsbereich des Bahnhofes Sebaldsbrück an der Hemelinger Bahnhofstrasse in 28309 Bremen

Zeit: 15.00Uhr, Dauer zirka 1-2 Stunden

Text: Oliver Hasemann Fotos: Meike Schlingmann