Dienstag, 9. März 2010

Präsentation der ZwischenZeitZentrale Bremen

Schluss mit gähnender Leere:

die ZwischenZeitZentrale weckt ab sofort schlafende Häuser in Bremen

Öffentliche Präsentation
Freitag 12. März 2010 ab 17 Uhr
Plantage 9, 28215 Bremen

Vorstellung der ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ) durch das ZZZ-Team mit den Gastrednern:

Martin Günthner, Senator für Wirtschaft und Häfen
Dr. Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa
Ralf Schumann, GEWOBA Geschäftsbereichsleiter und „Ermöglicher“
Sönke Busch, Autor und „Zwischennutzer“
Immo Wischhusen, Musiker und „potentieller Zwischennutzer“
ZZZ – so schlummern vielerorts leer stehende Gebäude und Brachflächen friedlich vor sich hin. Die ZwischenZeitZentrale Bremen küsst sie mit neuen Ideen und Konzepten wieder wach.

Ob private oder öffentliche Objekte, Flächen oder Gebäude, kleine oder große Einheiten – immer wieder entstehen Zwischenzeiten bei Immobilien und Flächen verschiedenster Art. Die vorherige Nutzung ist abgeschlossen, die neue lässt noch auf sich warten. Zwischennutzungen füllen diese Zeiträume mit Leben. Sie aktivieren Nischen im Stadtgefüge nach dem Prinzip „vergünstigter Raum gegen befristete Nutzung“ und schaffen so ideale Startbedingungen für junge Unternehmen, Initiativen und Vereine. Aus dem Zusammenspiel von aufgeschlossenen EigentümerInnen und kreativen ZwischennutzerInnen entstehen Start-up-Büros in leer stehenden Gebäuden, finden temporäre Veranstaltungen auf verwilderten Brachen statt und werden ehemalige Güterbahnhofsgebäude zu Sport- und Freizeitstätten umgewandelt. Zwischennutzungen sind vielfältig und bereits jetzt an vielen Orten in Bremen anzutreffen. Die ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ) spürt neue-alte Räume auf, berät EigentümerInnen, entwickelt mit NutzerInnen Konzepte und begleitet Zwischennutzungsprojekte.

Der Veranstaltungsort - das ehemalige Betriebsgebäude der Firma Domeyer in der Plantage 9 - ist mit Blick auf die sich hier entwickelnde Zwischennutzung (Projekttitel „BRICOLAGE PLANTAGE“) gewählt worden. Das stadteigene Gebäude bietet ideale Bedingungen für kreative TüftlerInnen, KünstlerInnen und Start-Up-UnternehmerInnen, die hier an der Umsetzung ihrer Ideen arbeiten und diese weiterentwickeln können. Die Bildung einer Gemeinschaft von ZwischennutzerInnen für diesen Ort wurde von der ZZZ bereits initiiert.

Die ZZZ ist ein Pilotprojekt im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und ist beim Senator für Wirtschaft und Häfen angesiedelt. Weitere Partner sind der Senator für Bau, Umwelt, Verkehr und Europa, die Senatorin für Finanzen, die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) und die Immobilien Bremen (IB).

Umgesetzt wird die ZZZ von Oliver Hasemann (Dipl.-Ing. Raumplanung) und Daniel Schnier (Dipl.-Ing. der Architektur) vom Autonomen Architektur Atelier (AAA) in Kooperation mit Sarah Oßwald (Dipl.-Geogr.) aus Berlin und Michael Ziehl (Dipl.-Ing. der Architektur) aus Hamburg.

Interessierte – insbesondere Menschen mit Zwischennutzungsidee im Kopf, bzw. mit Räumen ohne Nutzung im Besitz – können sich ab sofort bei der ZZZ melden.

Kontakt:
ZZZ ZwischenZeitZentrale Bremen
Hansator 1 (Abfertigung), 28217 Bremen
http://www.zzz-bremen.de
kontakt@zzz-bremen.de
0421 / 52 10 29 1

Montag, 25. Januar 2010

Über den Tellerrand

3Sat, bzw. kulturzeit hat einen sechsminütigen Sendebeitrag zusammengestellt und berichtete.

Wir waren in Hamburg und haben uns informiert. Michael Ziehl und Daniel Schnier saßen bei der Präsentation der Studie Zitat "Kreative Milieus und offene Räume in Hamburg" in der Freien Akademie der Künste in Hamburg und waren verwundert über das Erlebte.
Die Studie hat Studio Urban Catalyst aus Berlin erstellt und kann hier heruntergeladen werden:
Studie "Kreative Milieus und offene Räume in Hamburg" als PDF (zirka 20MB, 143 Seiten).

(Bild: © Tom Unverzagt)

Zitat www.hamburg.de: "Welche kreativen Milieus gibt es in Hamburg? Wie sind sie entstanden? Welche geeigneten Ansätze gibt es zur Förderung kreativer Milieus und wo könnten sich diese in Hamburg in der Zukunft entwickeln? Dies sind Kernfragen des Gutachtens „Kreative Milieus und offene Räume“, das die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Anfang 2009 in Auftrag gegeben hat und das heute im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Senatorin Anja Hajduk, Senatorin Prof. Dr. Karin von Welck , Bernhard Fischer - Appelt, fischerAppelt AG, und Christine Ebeling, Sprecherin der Hamburger Initiative ‚Komm in die Gänge‘, in der Freien Akademie der Künste vorgestellt wird."

Montag, 28. Dezember 2009

Mehr Freiraum - Hörstück von Ruth Rach (Deutschlandfunk, 5:00min.)

Ein Bericht, der heute auf Deutschlandfunk zu hören war:
Mehr Freiraum für Künstler Link zum Bericht vom 28.12.2009 9:12Uhr, (5:00min.)

Hausbesetzer in London
von Ruth Rach (Europa heute)

In London herrscht Wohnungsnot, bezahlbarer Wohnraum ist nur schwer zu finden. Gleichzeitig stehen ganze Hochhäuser leer. Gegen diesen Leerstand geht jetzt eine Künstlergruppe vor - mit Erfolg. Die Curzon Street in Mayfair, London. Exklusive Hotels, Luxuslimousinen, diskret bewachte Botschaften. Ein Immobilienbüro, im Schaufenster Objekte ab elf Millionen Pfund. An der Ecke Curzon/ Bolton Street steht ein wuchtiger Bürobau, neun Stockwerke hoch. Die Fenster sind dunkel. Es ist Abend, und bitterkalt.

Dann flammen im Parterre grelle Scheinwerfer auf. Man sieht nackte Fensterscheiben. Leere Räume, an den Wänden Drucke, Grafiken, expressionistische Bilder. Junge Leute, die sich an einem Öfchen wärmen.

Die Gruppe Oubliette lädt zur Vernissage. Vor ein paar Tagen hat sie das ganze Haus besetzt. Es hat einen Marktwert von rund 100 Millionen Pfund. Und steht seit zwölf Jahren leer. Die Künstler sind obdachlos. Jetzt wohnen sie in den oberen Stockwerken. Zumindest vorübergehend.

Wir machen leere Räume für Künstler nutzbar, die am Anfang stehen und kaum Chancen haben, ihre Werke der breiteren Öffentlichkeit zu zeigen, sagt Daniel Simon, 31, Projektleiter von Oubliette. Der Name geht auf das französische Wort "oublier" zurück: ein vergessener Ort. Im Sommer besetzte die Kunstkollektive die frühere mexikanische Botschaft und die ehemalige Hochkommission von Tansania. Ebenfalls in Mayfair. Ergebnis: riesige Schlagzeilen. Gratis Publicity.

Inzwischen treffen die ersten Besucher ein. Schickeria, Künstlerszene, Obdachlose. Ein eklektischer Mix. Una, eine elegante Frau, findet das Event fantastisch. In der Stadtmitte von London gibt es unzählige leer stehende Gebäude, viele im Besitz von Spekulanten, die gar nie vorhaben, die Bauten zu nutzen. Schlichtweg obszön, angesichts der akuten Wohnungsnot.

Hausbesetzen - "squatting" - sei in Großbritannien durchaus legal, solange man sich nicht mit Gewalt Zutritt verschaffe. Allerdings müsse das Gebäude leer und unbenutzt sein, erklärt Daniel Simon. Ein Schloss kaputt zu schlagen wäre Sachbeschädigung und somit strafbar. Aber ein halb offenes Fenster - ideal! Die Regelung ist nur in England und Wales gültig, nicht aber in Schottland. Die Besetzer berufen sich auf ein Grundrecht aus dem 14. Jahrhundert, als sich besitzlose Bauern gegen ihre Feudalherren auflehnten.
Ist das Haus besetzt, entsteht ein zivilrechtlicher Disput zwischen dem Squatter und dem Besitzer. Wobei der Besitzer erst einmal beweisen muss, dass ihm das Gebäude tatsächlich gehört. Das dauert Monate.

Einer der Künstler ist Philip Firsov, 24, in Moskau geboren, in Großbritannien aufgewachsen. Philip ist Absolvent der angesehenen Slade School of Fine Art. Auch er ist Squatter, Hausbesetzer. "Ich gehöre zu einer ganzen Generation verlorener Leute, die durch das Bildungssystem geschleust wurden, und jetzt auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Aber ich will nicht von der Stütze leben."

Unterdessen kommen immer mehr Gestalten durch die Tür, verfroren, dick vermummt, mit Schlafsäcken und Plastiktüten beladen. Sie verschwinden im stockfinsteren Treppenhaus.
Brian, ein schlaksiger Jugendlicher, lebte drei Monate lang in einer leeren Villa in Hampstead, Nordlondon. Dann wurde die "Wohngelegenheit" von Punks entdeckt. Sie setzten ihn vor die Tür. Er zog ins weniger feine Camberwell in Südlondon. Doch vor zwei Tagen kam der Besitzer mit einem türkischen Schlägertrupp, und der schlug ihn - buchstäblich - in die Flucht. Dennoch schätzt sich Brian glücklich, dass es in Großbritannien Squatterrechte gibt - denn sonst müsste er auf der Straße leben.
Der Abend ist der Organisation "Connections" von St Martins in the Field gewidmet, eine Obdachlosenstiftung gleich neben dem Trafalgar Square.
Wir bekommen jeden Tag mindestens 200 Besucher, erzählt Wyn Newman von Connections, ebenfalls unter den Gästen. Die Stiftung organisiert nicht nur praktische Hilfeleistungen und Trainingskurse, sondern auch Kunst- und Theaterworkshops. Wie viele Obdachlose es in der britischen Hauptstadt gibt, weiß niemand. Manche haben den Kontakt zur Umwelt völlig abgebrochen.

Auch der Projektleiter von Oubliette, Daniel Simon, von Beruf Grafikdesigner, weiß, wie es ist, ohne feste Adresse zu leben. Er war vor acht Jahren selbst Squatter. Nun schwebt ihm der Traum eines kommunalen Kunsthauses - eines Art House - vor, das leere Gebäude vor dem Verfall rettet und der breiteren Gesellschaft öffnet. Den bislang größten Erfolg hatte sein Kollektiv im Frühjahr. Auch da besetzte Oubliette Räumlichkeiten in bester Lage, beim Bahnhof Waterloo.

"Wir hatten auch den experimentellen Theatertrupp Donkeyworks eingeladen. Das Ensemble wurde prompt von Kritikern entdeckt und hat inzwischen den Sprung auf etablierte Bühnen geschafft. Ich finde wir haben ein wunderbares Modell entwickelt, das finanziell von niemand abhängig ist und für jede Art von Kunst und Kreativität total offen."

(c) 2009 Deutschlandradio Körperschaft des öffentlichen Rechts Postanschrift: Raderberggürtel 40, 50968 Köln Gesetzlicher Vertreter: Intendant Dr. Willi Steul Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer: DE 123052353 dradio.de dradio.de ist das Online-Angebot von Deutschlandradio Gesamtverantwortung: Dr. Günter Müchler (Online-Beauftragter), Dietmar Timm (Geschäftsführend) Es wird im Auftrag und unter der inhaltlichen Verantwortung von Deutschlandradio produziert von der Deutschlandradio Service GmbH (Amtsgericht Köln HRB 31135) Raderberggürtel 40, 50968 Köln info@dradio-service.de Abteilungsleiter Online: Dr. Egbert Meyer

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Schöne Feiertage wünscht das AAA!

Das AAA wünscht allen schöne Feiertage und freut sich schon auf das Jahr 2010. Diese Fotos entstanden vor der Abfertigung und wurden von Dennis Blöte erstellt.

Mittwoch, 18. November 2009

WESER KURIER, 16.11.2009

Spaziergang durch eine "tote Stadt"
Autonome Architekten erkunden ehemalige und aktuelle Bauplätze in der Neustadt


Von Christian Meyer
Alte Neustadt. Der Matsch stört niemanden. Viel zu interessant und aufregend ist nämlich der Grund für die schmutzigen Schuhe: Mitglieder und Gäste des Autonomen Architektur Ateliers (AAA) betreten beim "urbanen Stadtspaziergang" unter anderem das Baugrundstück rund um die Umgedrehte Kommode.
Die Route, die sich Daniel Schnier und sein Kollege Oliver Hasemann vom AAA diesmal für die rund 100 Teilnehmer ausgedacht haben, führt über den Teerhof und das Franziuseck schnurstracks zur Umgedrehten Kommode an der Werderstraße. Etwa drei- bis viermal im Jahr veranstaltet das AAA einen sogenannten urbanen Stadtspaziergang. Dabei sollen besondere Orte eines Stadtteils vorgestellt werden, die außerdem exemplarisch für die Entwicklung eines Quartiers stehen.
Das Bauprojekt in der Werderstraße, dort sollen in den kommenden Jahren etwa 300 Wohneinheiten entstehen, ist bei vielen Bremern umstritten. Genau wie das Vorhaben am Franziuseck. Hier sind drei Gebäude geplant (wir berichteten). So beteiligten sich am Spaziergang der Architekten auch viele Mitglieder der Bürgerinitiativen, die sich gegen die Bauvorhaben oder deren Folgen wehren.
Erste Station des Spaziergangs ist der Teerhof, "die tote Stadt", wie sie Daniel Schnier nennt. "Bis zum Anfang der 90er- Jahre war das hier noch eine Fläche zum Parken", erklärt Hasemann. Um die Stadt, vor allem die Innenstadt zu beleben, wurden Wohnhäuser auf dem Areal gebaut. Und um die Fläche, die zwischen zwei Weserarmen eingeklemmt ist, an das Schlachte-Ufer anzuschließen, wurde dann 1993 die Teerhofbrücke gebaut.
"Die ist ein sehr teurer Witz", erläutert Architekt Hasemann. Erst sei sie zu niedrig geplant worden, woraufhin die Brücke wegen des Schiffverkehrs höher gelegt werden musste. Und heute werde die Brücke sehr wenig genutzt, stellt Schnier fest. Das liege wahrscheinlich daran, dass sich der Hauptverkehr auf den zwei Brücken, zwischen die der Teerhof eingeklemmt ist, abspiele. Für ihn sei der Teerhof ein Beispiel für verfehlte Stadtplanung. Dem Quartier fehle einfach die richtige Mischung.
Die Bauvorhaben an der Werderstraße werden in den nächsten Jahren etwa 1000 neue Einwohner in die Neustadt locken. Der Großteil davon wird Wohnungen auf dem ehemaligen Wasserwerkgelände beziehen. "Seit 1983 wird die Umgedrehte Kommode nicht mehr zur Wasseraufbereitung genutzt", erklärt Schnier. Seitdem wurde über eine alternative Nutzung des Gebäudes und des Geländes nachgedacht.
Das Problem bei dem ehemaligen Wasserkraftwerk sei, dass es unter Denkmalschutz stehe, lässt Schnier die Spaziergänger wissen. Deswegen seien viele Vorschläge für eine Nutzung der Kommode bislang nicht umgesetzt worden. Ein Restaurant im oberen Teil des Gebäudes sei nicht möglich, weil man es nicht beliefern könnte. "Es gibt nur schmale Aufgänge." Die Möglichkeit, außen einen Fahrstuhl zu bauen, scheitere am Denkmalschutz.
"2004 wurde dann der Bauplan 2222 aufgestellt", berichtet Daniel Schnier. Dieser habe eigentlich auch eine Nutzung der Kommode vorgesehen. Weil die aber nach wie vor nicht in Sicht sei, sei im Bauplan auch nur von der Bebauung des Grundstücks die Rede. "Die Baufläche beträgt etwa 100000 Quadratmeter - das sind rund 20 Fußballfelder", erklärt Schnier den Zuhörern. Zwei Flächen seien für Wohnungsbau vorgesehen, weitere für Erschließung und Grünflächen. "Wobei eine Grünfläche ja alles sein kann - ein Park oder ein paar Bäume." Da könne man wirklich gespannt sein, was denn tatsächlich angelegt werde.
Mit Grünflächen in Nachbarschaft zur Umgedrehten Kommode befasst sich am kommenden Donnerstag auch der Beirat Neustadt: Bei einer Sitzung ab 19.30 Uhr in der Aula der Wilhelm-Kaisen-Schule an der Valckenburghstraße geht es unter anderem um die Grünplanung im Zuge der Stadtwerder-Bebauung, gegen die die Bürgerinitiative "Kleiner Stadtwerderwald" Sturm läuft. Am vergangenen Sonnabend fand ein Aktionstag gegen die angedachte Fällung von Bäumen für sogenannte "Sichtachsen" statt, für diese Woche sind weitere Aktionen der Initiative angekündigt. Siehe auch Bericht Seite 4.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 16.11.2009 Text von Christian Meyer freier Mitarbeiter der Bremer Tageszeitungen AG, Foto: Roland Scheitz

Sonntag, 15. November 2009

"WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" Dokumentation und Resumee vom 08.11.2009



















Stadtwerderweise

Nicht unerwartet aber in der Menge dann doch sehr überwältigend konnten wir am vergangenen Sonntag über 120 BesucherInnen an der Haltestelle Wilhelm-Kaisen-Brücke begrüßen, die sich mit uns auf eine Erkundungstour über den Stadtwerder machen wollten. Einem Areal, das momentan heiß diskutiert ist, wie wir schon gleich zu Beginn unseres Urbanen Ökostadtspaziergangs spüren konnten.

Doch bevor wir uns dem Objekt der aktuellen Diskussion näherten, führte uns der Weg an einen Ort, dessen Bebauung bis heute immer noch umstritten ist, obwohl sie größtenteils schon 20 Jahre zurückliegt. Auf dem Teerhof sind in den frühen 90er Jahren Wohnbauten entstanden, die das Provisorium aus Parkplatz, Zirkusplatz und Freifläche beendeten, das hier nach dem 2.Weltkrieg geherrscht hatte. An der Bebauung und vor allem der Freiraumgestaltung, die einen unbelebten Eindruck vermittelte, entzündeten sich auch an diesem Sonntag wieder Diskussionen darüber, warum an einer so prominenten Stelle im Bremer Innenstadtgebiet diese Lösung beschlossen wurde und warum sie nur teilweise (die Wohnungen werden gut nachgefragt) erfolgreich ist (inklusive des Schildbürgerstreichs mit der zu niedrig geplanten Brücke, die für teures Geld nachgebessert werden musste).

Die Eindrücke vom Teerhof aufgreifend führte der Weg auch am neuen Sitz der Beluga Reederei vorbei, Über die Herrlichkeit gelangten wir in die Werderstraße, wo in unmittelbarer Nachbarschaft der DGzRS ein attraktiver Flusspunkt entstehen könnte. Die Pläne hier Gebäude zu errichten, nach Schilderung der TeilnehmerInnen entweder Wohn- oder Bürogebäude, stoßen dabei allerdings auf technische und rechtliche Fragen der Machbarkeit, erregen aber vor allem auch Widerstand unter den AnwohnerInnen. Mit Blick auf die "kompakte Stadt" als Hintergrund unseres Spaziergangs wäre eine Bebauung natürlich eine Maßnahme, die dieser kompakten Stadt gerecht würde. Denn gerade in dieser zentralen Lage wären kurze Wege zu den Arbeitsplätzen und Versorgunseinrichtungen gewährleistet. Nur führt jede Bebauung im Stadtbereich natürlich zu einer Konfrontation mit den schon anwesenden NachbarInnen, die ungern auf ihren Ausblick verzichten wollen, wachsende Autoverkehre ablehnen und den vorhandenen Zustand liebgewonnen haben.

Schließlich erreichten wir das Gelände des ehemaligen Wasserwerks. Rund um die "umgedrehte Kommode" haben die Baumaschinen das lange Jahre im Dornröschenschlaf liegende Areal längst aufgeschreckt. Anstatt der 17 Filterbecken, die einst das Trinkwasser für die BremerInnen gewannen, klaffen nun Baugruben auf, in denen die Fundamente für die kommenden 350 Wohneinheiten ruhen werden. Allein die "umgedrehte Kommode" bleibt stehen, auch wenn ihre weitere Nutzung noch unklar ist. Aus einem abgeschirmten Gewerbegebiet soll sich langsam ein neues Stadtquartier entwickeln, noch steht der Zaun, noch gibt es keine BewohnerInnen und noch herrscht Skepsis. Am Zaun, nicht weit von geplanten Sichtbeziehungen zwischen Neustadt und der "umgedrehten Kommode", entspannte sich dann auch wieder die Diskussion. Bäume weg oder nicht, hilft eine Brücke über den Werdersee der Belebung des Buntertorsteinwegs, soll dieses Gebiet geöffnet werden oder ist es besser, wenn an dieser Stelle alles bleibt wie es ist? Eine spannende Diskussion, die sich auf dem Spaziergang nicht auflösen ließ und die am 19. November 2009 im Beirat Neustadt entschieden wird.
Wir danken an dieser Stelle für die Diskussion und vor allem für die Teilnahme an diesem dritten und letzten Urbanen Ökostadtspaziergang für dieses Jahr. Resümierend lässt sich festhalten, das die Anzahl der Teilnehmerinnen an den Spaziergang exponential zur Nähe zum Stadtzentrum zunahm (von 15 TeilnehmerInnen in der Hemelinger Marsch über 45 TeilnehmerInnen in Findorff hin zu 120 TeilnehmerInnen auf dem Stadtwerder), für uns ein hinreichender Beweis für das Leitbild einer kompakten Stadt.
Text: Oliver Hasemann (HB), Fotos: Björn Franke (OL) (Lieben Dank an Björn)

Sonntag, 25. Oktober 2009

Urbaner Spaziergang "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" am Sonntag, den 08.11.2009 um 14.00Uhr


"WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir"


Wasser bezeichnet den zentralen Lebensnerv jeder Stadt. An den Ufern der Weser ließen sich die ersten BremerInnen nieder, der Fluß spendete ihnen Nahrung und er trug ihre Schiffe in die weite Welt. Später entstanden weitläufige Hafen- und Industrieareale an seinen Ufern, die den Bremerinnen Arbeit und Wohlstand brachten. Die Bebauung rückte in dieser Zeit allerdings vom Fluss ab, erst mit Strukturwandel wird die Weser heute wieder weitläufiger erlebbar. Neue Wohnanlagen entstehen an ihrem Ufer, denn mit Blick auf die Weser lebte es sich schon immer gut.
Dies gilt auch für das Gelände des ehemaligen Wasserwerks auf dem Stadtwerder. Von den verschiedenen Filtrierbecken, Speichern und Gebäuden verbleiben nur noch die Umgedrehte Kommode und 3 große Speicher. Das weitere Areal wird zu einem neuen Wohngebiet inmitten der Stadt. Hier entstehen Stadthäuser und Wohngebäude in zeitgemäßer Architektur, Investoren erfreuen sich an der regen Nachfrage. Gleichzeitig verändert sich ein ganzes Quartier. Wo früher in der Nachbarschaft des Wasserwerks Ruhe herrschte und später ein Areal sich selbst überlassen wurde, gibt es nun neue Nachbarinnen und neue Belebung.

Unser Urbaner Ökostadtspaziergang führt uns auf das Areal des ehemaligen Wasserwerks. Dem Thema Kompakte Stadt unserer Reihe von drei Spaziergängen folgend sehen wir, wie hier im Innenbereich der Stadt ein ehemaliges Gewerbeareal zu einem innerstädtischen Wohngebiet transformiert wird. Wir erleben, welche Chancen und Möglichkeiten sich hier bieten, und welche Konflikte auch aus einer neuen Nachbarschaft entstehen können.

Datum: Sonntag, 08.11.2009
Zeit: 14.00Uhr
Startort: Haltestelle "Wilhelm-Kaisen-Brücke"

Unterstützt vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Kooperation mit ÖkoStadt Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotos: Daniel Schnier

Sonntag, 18. Oktober 2009

WESER KURIER, 15.10.2009

Per pedes durch die Geschichte
"Urbaner Spaziergang" erkundet Epochen des Baustiles im Weidedammgebiet

Von Anke Velten Weidedamm. Am Torfhafen trafen sich am vergangenen Sonntag mehr als 30 Menschen, die auch die schlechten Wetterprognosen und der einsetzende Regen durchaus nicht von ihrem Vorhaben abbringen konnten. Ihr Weg war das Ziel, er führte quer durch das Weidedammgebiet, und in eine Zeitreise durch ein Jahrhundert Baugeschichte.
Zwei junge Bremer Architekten, Daniel Schnier und Oliver Hasemann, bieten seit drei Jahren regelmäßig ihre "urbanen Stadtspaziergänge" an, bei denen man im Schritttempo und aus eigener Anschauung erfahren kann, wie die Stadt sich entwickelte und ihre Menschen früher und heute lebten. Die Tour durch den Weidedamm eignete sich dabei vorzüglich, um die Epochen der Wohnbebauung Schicht für Schicht deutlich zu machen, "wie Jahresringe eines Baums", erzählt Raumplaner Daniel Hasemann: Denn im Weidedammgebiet finde man sich nahezu in jedem Straßenzug in einem neuen Jahrzehnt wieder. Außerdem erlebe man hier, wie die Stadt sich nach und nach die Natur an ihrer Peripherie erobert habe. Und schließlich bewegte die Veranstalter die Frage, ob diese Entwicklung immer so weiter gehen kann. "In Deutschland werden pro Minute die Fläche von zwei Fußballfeldern verbaut", erklärt der Raumplaner.
Weil die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Stadt gekommen waren, gab es zum Geleit etwas Nachhilfe in Findorffer Geschichte. Zum Beispiel, dass der Torfhafen der Ursprung des Stadtteils war, der keine dörfliche Vorgeschichte hatte und sich um diese Keimzelle herum entwickelte. Dass die Kanäle aus dem Moorgebiet gleichzeitig der Entwässerung dienten als auch der Versorgung der Stadt mit dem wichtigen Energielieferanten Torf. Und dass der Name des Stadtteils darum kein historischer Ortsname ist, sondern auf den verdienstvollen Moorkommissar Jürgen Christian Findorff zurückgeht. Entlang des Torfhafens, an der Neukirchstraße, finden sich die ältesten Bauten Findorffs aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Hier, erklärte Daniel Hasemann, spielte sich einst echtes Hafenleben ab, "mit vielen Spelunken, keine feine Gegend". Chronologischer Endpunkt war das Weidedamm-III-Gebiet mit seiner zeitgenössischen Wohnbebauung.
Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Stadtteilbeirat Findorff, dem Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa sowie dem Verein "ÖkoStadt Bremen". Dass die urbanen Spaziergänge von Oliver Hasemann und Daniel Schnier inzwischen eine treue Fangemeinde haben, liege aber nicht nur am Thema selbst, erzählen Ellen Gutschmidt und Sophie Kunz. Die beiden jungen Frauen haben bislang keinen einzigen Spaziergang verpasst. "Man bekommt einen ganz anderen Blick für die Stadt als bei klassischen Führungen", erzählt Ellen Gutschmidt. "Und die Beiden machen das so niedlich und charmant, da möchte man einfach immer wieder mitkommen." Der nächste Spaziergang am Sonntag, 8. November, führt unter dem Motto "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" zum Stadtwerder. Treffpunkt ist um 14 Uhr am ehemaligen Katasteramt, Wilhelm-Kaisen-Brücke. Weitere Informationen unter www.aaa-bremen.blogspot.com.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 15.10.2009, Text von Anke Velten, freie Mitarbeiterin der Bremer Tageszeitungen AG, Foto: Roland Scheitz

Dienstag, 13. Oktober 2009

"Abschnittsbauten - Wohnen wie im Katalog" Dokumentation und Resumee vom 11.10.2009



















Abschnitt für Abschnitt – Eine Zeitreise durch den Weidedamm

Als Treffpunkt für eine Reise bietet sich ein Hafen natürlich an. Auch wenn er, wie der Torfkanalhafen, nicht unbedingt den Duft der weiten Welt verbreitet. An seinem Hafenbecken haben sich bei einsetzendem Regen gestern mehr als 30 TeilnehmerInnen eingefunden, um uns auf einen Urbanen Ökostadtspaziergang durch den Findorffer Ortsteil Weidedamm zu begleiten. Der Fokus unseres Spaziergangs liegt dabei auf den verschiedenen Baustilen, die sich hier Schicht um Schicht ablesen lassen. Beinahe mit jedem neuen Straßenzug finden wir uns in einem neuen Jahrzehnt wieder. Der Anfang am Torfkanalhafen liegt dabei am Anfang des 20.Jahrhunderts, während am Ende des Spaziergangs an der Bahnstrecke Bremen Hamburg noch gebaut wird und uns dort zeitgenössische Architektur in Empfang nimmt.

Thematisch ist der Spaziergang der Kompakten Stadt zugeordnet. Vergleichbar zum Spaziergang in Hemelingen wuchs die Stadt hier über ihre Grenzen hinaus. Allerdings lief dieses Wachstum in die umgebenden Kleingartenanlagen langsamer und stadtnäher ab, auch wenn die gefühlte Entfernung zur Innenstadt trotz Domblick in der Park Residenz sehr weit wirkte. Ziel der Anlage dieses Wohngebiets war es dann auch Familien Wohnflächen und Formen anzubieten, wie sie sonst vor den Toren der Stadt zu finden sind. Die Begeisterung der Teilnehmerinnen des Spaziergangs für diese Art des Wohnens, bzw. für die angebotenen baulichen Qualitäten hielten sich in Grenzen, wiewohl unter ihnen auch Bewohnerinnen des Weidedamms III waren, die die modernen und großzügig geschnittenen Grundrisse der Wohnungen hervorhoben. Außerdem gilt für Neubauten natürlich, dass sie wesentlich einfacher nach ressourcenschonenden Standards errichtet werden können.

In Fortsetzung unserer Reihe von Urbanen Ökostadtspaziergängen werden wir im kommenden Monat einen Spaziergang mit dem Namen "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" über den Stadtwerder machen. Hier stehen sich momentan verschiedene Meinungen vom Wohnen in der Stadt gegenüber, wie sie Anfang der 90er auch auf dem Weidedamm aktuell waren. Dem Wachstum der Stadt, der Inanspruchnahme von bisher extensiv genutzten Flächen, steht der Wille zur Bewahrung eben dieses Status entgegen. Wir hoffen am Sonntag, den 8.November 2009 auf eine rege Diskussion, es geht um 14Uhr am ehemaligen Katasteramt (BSAG Wilhelm-Kaisen-Brücke) los.
Text: Oliver Hasemann (HB), Fotos: Björn Franke (OL) (Lieben Dank an Björn!)

Besuch von Nordwestradio - Beitrag ausgestrahlt am 10.10.2009 um 12.45Uhr


Mitten in unserem Urbanen Spaziergang "1A Flächenfraß! - Gewerbe im Grünen" am 06.09.2009 interviewte uns und mehrere TeilnehmerInnen vor zirka drei Wochen Frau Pia Sollman / Nordwestradio. Vielen Dank für den Besuch und das Interview!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

LiebHBeN in Bremen, Leipzig und Nürnberg – 6 Tage und Nächte richtig lieb zueinander sein




Eine Woche LiebHBeN liegt jetzt hinter uns. Gemeinsam mit 30 weiteren TeilnehmerInnen aus Bremen, Leipzig und Nürnberg sind wir mit einem Bus von Stadt zu Stadt gereist, haben hart in Workshops gearbeitet und die Städte auf Spaziergängen, u.a. mit Christian Rost von Westbesuch in Leipzig, zu Fuß entdeckt. Aber wir haben es auch genossen an den Abenden durch die lebendige Kneipenszene der drei Städte zu schweifen und uns abseits der tagtäglichen Diskussionen kennenzulernen. Da wir uns alle in vergleichbaren Arbeits- und Lebenssituationen befinden, war der Meinungsaustausch entsprechend rege und es zeigten sich viele Berührungspunkte auf, die in Zukunft sich zu der einen oder anderen Kooperation führen werden.
Zugleich gab es in den Städten auch viele spannende Beispiele für Zwischennutzungen, für kreative Umdeutung von Stadt und der Aneignung vergessener Räume zu entdecken. So waren wir dann in Leipzig auch für einen kurzen Moment auf der 1. Wächterhaustagung des Vereins HausHalten, der dort seine Modelle für Zwischennutzungen vorstellte. Und in eben so einem Wächterhaus, das von kulturellen Nutzern als Gegenleistung für günstigen Vereinsraum bewacht wird, fand auch LiebHBeN bei Kultiviert Anders! statt. In Nürnberg hatten wir das große Glück, LiebHBeN auf dem ehemaligen Firmenareal der AEG stattfinden lassen zu können, das jetzt ebenfalls als großes Zwischennutzungsobjekt unter anderem für den Verein Zentrifuge dient. Unschlagbar bleibt allerdings der Ausblick aus der 14. Etage vom ehemaligen Bundeswehrhochhaus (siehe Fotos) über Bremen. Kein reiner Leerstand, aber doch ein Gebäude, das noch viele weitere neue NutzerInnen vertragen könnte.
Wir freuen uns, dass unsere ursprüngliche Idee auch unter leicht geänderten Rahmenbedingungen und vor allem durch viel Unterstützung so gut aufgegangen ist und vor allem zu so tollen Ergebnissen geführt hat, zu denen vor allem der gute „Spirit“ zu zählen hat. Auf dem kommenden FreelanceCamp am 17. und 18. Oktober 2009 wird davon sowohl in Bremen als auch in Leipzig und Nürnberg viel zu spüren sein, kommt alle, es lohnt sich!

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Daniel Schnier

Sonntag, 20. September 2009

Urbaner Spaziergang "Abschnittsbauten - Wohnen wie im Katalog" am Sonntag, den 11.10.2009 um 14.00Uhr


Abschnittsbauten – Wohnen aus dem Katalog


Der Traum vom eigenen Heim als behaglichem Zuhause ist ein menschliches Grundbedürfnis. Über die Jahre verändern sich allerdings die Vorstellungen davon, wie diese Bedürfnisse aussehen und wieviel Platz sie einnehmen. Mit wachsendem Wohlstand wachsen die Wohnfläche und der Wunsch, sich durch sein Eigenheim auszudrücken. Neubauten entstehen in Sichtweite zum Bestand und geben einen Eindruck von neuen Moden und neuen Wünschen.

Am Weidedamm in Findorff reigen sich die verschiedenen Wohntypologien wie die Jahresringe eines Baums aneinander. Auf unserem Urbanen Spaziergang erleben wir zwischen Torfkanal und Bahndamm hundert Jahre Wohnungsbau aber auch hundert Jahre Rückzug der unbebauten Natur. Durch die Heterogenität des Quartiers ergeben sich spannende und überraschende Perspektiven und Wegebeziehung,

An der Bebauungsgrenze der Stadt zum Land stellt sich natürlich die Frage, wie zentral wir wohnen wollen und wie stark sich die Stadt an ihrer Peripherie noch verdichten lässt. Dem Wunsch von Familien nach einem freistehenden Haus im Grünen ist hier ein enges Angebot gegeben worden, alternative Formen des Wohnens mussten für diese weichen. Der Zweite Urbane Ökostadtspaziergang erkundet in Findorff im Rahmen des Oberthemas Kompakte Stadt hier das Wohnen an der Grenze.

Unterstützt vom Stadtteilbeirat Findorff.


Datum: Sonntag, 11.10.2009

Zeit:: 14.00Uhr

Startort: Torfkanalhafen / Ecke Bürgerpark in 28215-Bremen-Findorff


Unterstützt vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Kooperation mit ÖkoStadt Bremen e.V.


AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotos: Daniel Schnier

Dienstag, 8. September 2009

"1A Flächenfraß! - Gewerbe im Grünen" Dokumentation und Resumee vom 06.09.2009



























Ausflug an die Hansalinie

Zu unserem Urbanen Ökostadtspaziergang hatten wir gestern an die Ortsgrenze zwischen Hemelingen und Arbergen eingeladen. Passend zum Thema unseres Spaziergangs fand hier gestern auch die Hemelinger Gewerbeschau 2009 statt, die an unserem Treffpunkt mit kostümierten Strohballenfiguren für sich warb. Mit knapp 20 Teilnehmerinnen machten wir uns auf den Weg, die modernen Gewerbegebiete entlang der Autobahn A1, auch als Hansalinie bekannt, zu erkunden.

Das Gewerbegebiet Hansalinie I+II liegt, wie viele weitere Gewerbegebiete entlang der A1, jenseits der traditionellen Siedlungskante auf der anderen Seite der Autobahn und ist für uns glücklicherweise über einen Landwirtschaftsweg (Koppelweg) zu erreichen. Schon die Überquerung der Autobahn fördert deutlich zu Tage, weshalb Gewerbegebiete mit Autobahnanschluss boomen. Die Zahl der Fahrzeuge, die Tag für Tag passiert wächst und gleiches gilt insbesondere für den Lastverkehr. Bald bewegen sich die Fahrzeuge auf sechs Spuren zwischen Hamburg und Bremen. Auf der anderen Seite der Brücke werden wir dann der Erweiterungsfläche des Gewerbegebiets Hansalinie ansichtig. 94ha werden hier voll erschlossen für ansiedlungswillige Unternehmen vorgehalten. Vorgehalten bedeutet optisch eine Landschaft, die eher an die Sahara, als an eine Marschlandschaft erinnert. Nur die vielen Gräben und Fleete erinnern an den eher nassen Baugrund. Angesiedelt hat sich in diesem Gebiet die gewaltige Distributionshalle von Mercedes Benz AG, in der Bauteile für das Werk in Sebaldsbrück "Just-in-Sequence" zusammenlaufen. Für uns als SpaziergängerInnen sind es vor allem die Dimensionen, in denen hier gebaut und geplant wurde, die uns beeindrucken und in einen ganz anderen Maßstab rücken.

Im Vergleich zu den Hallen wirken die Flächen, die zu ihrem Ausgleich geschaffen worden, eher bescheiden und mit den weidenden Rindern fast schon niedlich. Das Gebot ortsnah für Eingriffe in den Naturhaushalt Ausgleich zu schaffen, wurde hier durch die Aufwertung einer landwirtschaftlichen Fläche in ein extensiv beweidetes Biotop umgesetzt. Aber nicht nur diese Wiese mit urigen Rindern, auch die, nach knapp 10 Jahren, neu entstandene Vegetation entlang der Gräben und Randstreifen des Gewerbegebiets ließen den Eindruck eines Naturidylls entstehen. Die vielen Wanderer und Radfahrer, die diese Fläche wie gewohnt als Naherholungsgebiet aus dem nahen Hemelingen nutzen, tragen zu diesem Eindruck mit bei, ebenso wie die geringe Aktivität an diesem Sonntag.

Diese ist auch jenseits der Bahnlinie Bremen-Osnabrück nicht wesentlich größer, obwohl hier autobahnaffine Angebote, Burger King, Tankstelle, Sexshop und Harley Davidson Vertrieb, auch am Wochenende Kundschaft anziehen. Dieser Teil des Gewerbegebiets, der schon seit knapp 10 Jahren besteht, präsentiert sich uns andererseits als ein relativ dicht bebautes Gebiet, das von starken Grünstreifen eingerahmt wird und in dem auch die Fußgängerwege schon etwas Grün ansetzen. Das Gebiet präsentiert sich uns als ein Konglomerat unterschiedlichster
zeitgenössischer Gewerbearchitektur, die zwischen schlichten Bauten und Hallen und gewollt repräsentativen Firmensitzen schwanken. Gerade der Zustand des Grüns vor den Gebäuden gab dabei guten Aufschluss über die Funktion des jeweiligen Gebäudes.

Wir verließen das Gewerbegebiet dann über einen Rad- und Fußweg, der uns vorbei am einfassenden Biotop in Richtung Weserdeich führte. Über den Yachthafen und durch das altindustriell geprägte (Schrotthändler, Atlas Elektronik) Gebiet am Hemelinger Hafen gelangten wir über Umwege wieder nach Hemelingen. Denn um sich Sonntags mit dem ÖPNV zu bewegen, mussten wir wieder in den bewohnten Teil des Stadtteils zurückkehren. Dieser begann dann jenseits des Autobahnzubringers Hemelingen, wo wir wieder auf die alten Besiedlungskante entlang der Weserdüne stießen, die uns mit kleinteiligen Wohngebieten und Gewerbebetrieben begrüßte.

Wir danken für die rege Teilnahme an diesem ersten Urbanen Ökostadtspaziergang 2009 und laden gleichzeitig zum kommenden Spaziergang am 11. Oktober 2009 um 14.00Uhr am Weidedamm in Findorff ein. Die Ökostadtspaziergänge stehen unter dem Obertitel „kompakte Stadt“ und spüren Orten in Bremen nach, an denen sich anschaulich die Beanspruchung des Raums durch unsere Gesellschaift beobachten lässt.

Text: Oliver Hasemann, Fotos: Daniel Schnier