Huckelriede Abstempeln?!
Der Auftakt unserer Spaziergangsreihe „Huckelriede Abstempeln?!“
fiel auf ein sehr regenreiches Wochenende und der damit verbundenen
Sorge, ob sich jemand bei diesem Wetter nach draußen locken lassen
würde. Der wettergeprüfte Bremer und die wettergeprüfte Bremerin, insbesondere HuckelriederInnen, ließen sich allerdings nicht abschrecken, so dass wir mit über 40
TeilnehmerInnen eine erste Annäherung an den Ortsteil vornahmen.
Den Ausgangspunkt unseres Urbanen Spaziergangs bildete dabei der
Huckelriede Park, von uns als Central Park bezeichnet. Denn dieser
liegt im (gefühlten) Zentrum von Huckelriede. Die Wahrnehmung von
Huckelriede auf der einen und seine administrativen Abgrenzung auf
der anderen Seite spielten dabei eine wichtige Rolle während unseres
Spaziergangs. Denn baulich ist das alte Bauerndorf Huckelriede längst
inmitten der Stadt gelegen, dennoch spielen historische Abgrenzungen
und Eigenarten in Teilen immer noch eine wichtige Rolle.
So auch entlang des
Werdersees. Denn heute verwundert, dass große
Teile des Stadtwerders zu Huckelriede gehören oder das auf einem
Grundstück mit Blick auf den Werdersee Kasernen statt Wohnhäusern
entstanden sind. Ein kleiner Blick in die Vergangenheit klärt jedoch
darüber auf, dass der Werdersee erst seit 1953 entstand und erst
nach der großen Flut 1981 seine jetztige Form gefunden hat. So
erstreckten sich Parzellen vom Buntentorsteinweg bis auf den
Stadtwerder, letzte Rudimente auf dem Neustädter Ufer wurden erst
vor wenigen Jahren zugunsten der Bebauung am Dammacker aufgegeben.
Ein wesentlich düstereres Kapitel nahmen die
Kasernen am
Niedersachsendamm ein. Hier wurde auf aufgespülten Land für
Wohnbebauung in den Jahren 1934 bis 1936 in kürzester Zeit
Kasernenanlagen hochgezogen, die im wiederaufgerüsteten
Nazideutschland der Unterbringung von Soldaten dienten. Während des
Krieges wurden sie übergangsweise auch zu einer
KZ-Außenstelle und
dienten der Unterbringung von ZwangsarbeiterInnen, die in Pferdeställen unter unvorstellbaren menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht wurden. Nach dem Krieg
wurden sie zu Notunterkünften von Kriegsflüchtlingen aus Gdansk und Umfeld, auf dem
Gelände der Hindenburgkaserne befinden sich mittlerweile die
Rolandklinik, die Bereitschaftspolizei, der THW und die
Freiwillige Feuerwehr Neustadt.
Mit Einrichtung des Sanierungsgebietes Huckelriede, das nicht mit
dem Ortsteil Huckelriede identisch ist, kommt auch hier einiges in
Bewegung. Teile des noch aktiven, letzten Bundeswehrstandortes in
Bremen, werden in absehbarer Zeit zum Wohnquartier und auch das
Cambrai-Dreieck, ein Zipfel der immer noch umzäunten Kasernenanlage,
wird zum Baugebiet. Unter anderem wird dort die
Wohngruppe Mosaik ein
zu Hause finden, die auf dem Spaziergang auch über ihr Projekt
berichteten.
Vielen lieben Dank und bis zum nächsten 2. Urbanen Spaziergang
"ZickZack durch Huckelriede" am 9. Juni 2013 um 14Uhr. Treffpunkt Centralpark Huckelriede.
Unterstützt durch das Programm Soziale Stadt Bremen, dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und der ZZZ-ZwischenZeitZentrale Bremen. Text: Oliver Hasemann, Fotografien: Daniel Schnier