Dienstag, 10. Januar 2012

extraVakant am Freitag, den 10. Februar 2012 ab 23.00Uhr mit dem Gängeviertel, der NutzerInnengruppe vom ehemaligen Sportamt, dem Zucker-Club und dem AAA


extraVakant

Freitag 10. Februar 2012 ab 23 Uhr
Zucker Club Bremen
Friedrich-Rauers-Straße 10, Bremen
5,- Euro Soli für Leerstandsmelder.de

Techno, Elektro, Drum ’n’ Bass:

speed up my pink pony (live / HB)
pump it team (trash performance / HB)
Suse (amazingmono / HB)
Perlentaucher (HB)
Frank Malditz (HH)

Funk, HipHop, Dubstep:

h.heh (ill / HH)
achtern (Komm in die Gänge / HH)
Señor Rita (Komm in die Gänge / HH)
miel (Straight Ass Broken, Komm in die Gänge / HH)

Menschen brauchen Räume um ihre Bedürfnisse zu decken, um Freiräume zu schaffen, um Neues auszuprobieren. Gleichzeitig stehen Gebäude leer und verfallen ungenutzt. Das wollen wir ändern – mit eurer Hilfe!

Die Einnahmen der Party fließen in die Finanzierung von leerstandsmelder.de. Dort könnt ihr ab dem 01.02.2012 Leerstände in Bremen melden. Gemeinsam entsteht damit ein kollektiver Raumpool für mehr Transparenz und neue Möglichkeitsräume in unserer Stadt.

Gestaltet wird der Abend von Projekten aus Bremen und Hamburg, die solche Möglichkeitsräume bereits geschaffen haben – dem Autonomen Architektur Atelier, der NutzerInnengruppe vom ehemaligen Sportamt, dem Gängeviertel und dem Zucker-Club.

www.leerstandsmelder.de
www.aaa-bremen.de
www.sportamt.blogsport.de
www.das-gaengeviertel.info
www.zucker-club.de


Montag, 24. Oktober 2011

WESER KURIER, 24.10.2011

VON VOLKER ALTHOFF Neustadt·Grolland. Von der Bremer Schweiz hat man ja schon mal gehört, was aber nicht heißt, dass die Hansestadt für landschaftliche Höhenzüge bekannt wäre. Und doch haben etwa 40 Bremerinnen und Bremer auf einem Ausflug die „Bremer Alpen“ entdeckt. Einige von ihnen hatten die Hügellandschaft neben der Autobahn 281 noch nie wahrgenommen. Es ist eben ein Ort, wo das Wandern oder Verweilen auf keinen Fall erlaubt ist. 
Andererseits sei hier ein durchaus angesagter Treff für Picknicks, weiß Daniel Schnier vom Autonomen Architektur Atelier (AAA) zu berichten – gleichermaßen beliebt wie illegal. Etliche solcher abseitigen Plätze und Gegenden waren Ziele des Ökostadtspaziergangs durch einen Teil der Neustadt und Grolland. Dazu eingeladen hatten Heiko Franke vom Verein „Öko- Stadt“ und Daniel Schnier sowie Oliver Hasemann vom AAA. Alle drei begrüßten die Teilnehmer an der Richard-Dunkel-Straße unter der Autobahn 281.
Der Rundgang stand unter dem Oberthema „Renaturierung“: „Dabei geht es umdas Verhältnis von Mensch und Natur“, wobei Letztere per Definition als unbeeinflusst angenommen wird. „Jedoch gibt es immer mehr ökologische Gebiete, wo von außen eingegriffen wird“, erklärte Hasemann. Er verdeutlichte der Gruppe den Zusammenhang am Beispiel einer grünen Wiese. „Wenn solch eine Fläche bebaut wird, muss eine andere Grünfläche aufgewertet werden.“ Ausgleichsmaßnahmen heißt das in Bau- und Umweltbehörde.
Andererseits seien viele Biotope, die toll aussehen, in Wirklichkeit verkommen und vernachlässigt. Das meint der Begriff „Grünschattenwirtschaft“, wozu ungepflegte Orte gehören. „Wir wollen Gegenden im Stadtgebiet aufzeigen, wo man sich nicht so gerne aufhält, die unschön sind, belastet durch Industrie oder Verkehr oder sich im Umbruch befinden“, erläuterte Hasemann. Während des Rundgangs werden Zusammenhänge erklärt und Hintergrundinformationen zu den einzelnen Orten gegeben, „aber die Teilnehmer sollen sich aktiv beteiligen“, ermunterte Hasemann die Gruppe zu eigenen Beobachtungen.

Ein erster Blick in Richtung westliche Airportstadt lieferte eine Antwort darauf, wo der Mensch stark in die Natur eingegriffen hat. Dort entsteht nämlich ein ganz neuer Stadtteil. Sehr alt ist dagegen das Fabrikgelände der MDEXX GmbH, die von 1961 bis 2004 eine Tochterfirma der Siemens AG war. Wo in der Zeit des Zweiten Weltkrieges viele Zwangsarbeiter Munition für Waffen herstellten, werden heutzutage Maschinenteile für Transformatoren gebaut.
Vom Gelände aus in Richtung A 281 gibt es einen wunderbaren Blick auf die „Bremer Alpen“, die zwar nicht schneebedeckt sind und Romantik versprechen, aber immerhin grün sind. Ein anderer, vielen unbekannter Ort während der Besichtigungstour war die „Autoinsel“. Dort, hinter dem Einkaufscenter an der Duckwitzstraße, werden Autos auf Lkw geladen und unter anderem nach Riga transportiert.
„Offiziell gehört die Fläche zum Gewerbegebiet, wird aber von der Stadt als Sonderfläche ausgewiesen“, erläuterte Hasemann. Hier komme wieder der Begriff „Grünschattenwirtschaft“ ins Spiel, da der Handel im Stadtgebiet nicht erwünscht sei und deshalb an den Rand verlagert werde – und so der öffentlichen Wahrnehmung entrückt. Vom Einkaufscenter ging es dann ein kleines Stück an der Bundesstraße 75 entlang, bevor die Gruppe ihren Gang unterhalb der viel befahrenen Autostrecke fortsetzte. An der Ochtum entlang ging es zum Platz „der guten Früchte“, der seinen Namen vom Kleingartenverein „gute Frucht“ bekommen hat. Er liegt zwischen Gewerbe- und Parzellengebiet. Von dort aus führte die Route in Richtung Ochtumpark, der an das Flughafengelände angrenzt, und weiter zum Park links der Weser. Mit seinen Grünflächen und kleinen Flüssen sowie Seen gibt es dort Natur pur zum Anfassen und Erleben – „eine Attraktion für Fahrradfahrer, Fußgänger oder Inliner“, so Schnier. Ziel- und Endpunkt der zweieinhalbstündigen Tour war die Straßenbahnhaltestelle Norderländer Straße. Die Resonanz der Teilnehmer war durchgehend positiv. Bärbel Nordbruch aus der Neustadt hat ganz neue Orte entdeckt: „Das Autoareal hinter Real-Kauf habe ich zum ersten Mal gesehen. Interessant sind auch die Gegensätze, die es hier gibt, zum Beispiel auf der einen Seite der Flughafen und gegenüber das Kleingartengebiet." Dieser Meinung war auch Jürgen Döhmann aus der Neustadt, den das Gelände hinter dem Einkaufszentrum mit dem Autoschrotthändler sehr interessierte. „Das war sehr spannend, ich hätte nie gedacht, dass es dahinter noch eine Zuwegung gibt.“ Christa Schaub aus der Neustadt richtete ihr Augenmerk insbesondere auf die Zusammenhänge zwischen Gewerbe- und Naherholungsgebieten. Sie hat beobachtet, dass sich „immer mehr Industriegebiete ausbreiten und Parzellen- sowie Kleingartenräume verkleinern“. Die Orte seien so faszinierend, merkte Jürgen Döhmann an, dass er beim nächsten Stadtteilrundgang wieder mitlaufen würde.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Weser Kurier Stadtteilkurier Links der Weser / SÜD, Seite: 2 Datum: 24.10.2011, Bericht von Volker Althoff, Fotos von Jo Chen und Volker Althoff

Dokumentation und Resumée "Grünschattenwirtschaft - Entdeckungsreise durch die civita ingocnita" vom 16.10.2011






Unser Ausflug in die Grünschattenwirtschaft beschloss am vergangenen Sonntag unsere diesjährige Reihe Urbaner Ökostadtspaziergänge. Bei optimalem Wetter für einen Sonntagsspaziergang konnten wir über 50 BesucherInnen begrüßen, die mit uns eine Expedition in unbekannte Gebiete unternehmen wollten.
Von unserem Treffpunkt an der Duckwitzstraße begaben wir uns entlang der neu gebauten Autobahn und vergessener Eisenbahngleise unter der Bundestraße 6 in Richtung Eisenbahnstrecke Bremen – Oldenburg. Einem Areal also, das von Verkehrssträngen und -strömen geprägt ist. Hier in der Richard-Dunkel Straße befand sich im Krieg eine Munitionsfabrik, deren Gebäude auch heute weiter genutzt werden. Oder zumindest wurden, denn die Firma Mdexx, die hier produziert, will die Arbeitsplätze auslagern an andere Standorte.
Ausgelagert wirkten auch die diversen Autohändler, die sich im Umfeld der Eisenbahntrasse niedergelassen haben. Im Rücken des Einkaufszentrums an der Ochtum haben sie sich auf den Handel mit Fahrzeugen spezialisiert, die aufgrund ihres Alters oder ihres Zustandes ihre Zukunft in eher fernen Ländern haben. Gefühlt befanden wir uns hier in einem unkontrollierten Raum, mit Nutzungen, die an anderer Stelle ungern gesehen sind. Praktisch bedeutet diese mangelnde Kontrolle, die auch Ausdruck einer extensiven Nutzung ist, eine Ausbreitung von Grünflächen.
Über kurze Wege bewegten wir uns an die Vorderseite des Einkaufszentrums. Auf seinem Parkplatz wurde gerade noch ein Flohmarkt abgebaut und die einseitig autolastige Erschließung dieses Areals deutlich. Hier entspann sich überraschend eine Diskussion über die Schaffung von neuen Einkaufsflächen. Zumal von solchen, die nur mit dem Auto erreichbar sind und damit den Möglichkeiten in Stuhr oder Posthausen gleichen. Die Argumente, dass in der Innenstadt neue Angebote notwendig sind, um Kunden zu halten, und gleichzeitig auch an der Peripherie Angebote auf der Grünen Wiese entstehen, überzeugte dabei nicht vollständig.
Diese Diskussion ließ sich auch nicht zu Ende führen, allerdings konnten wir sie schnell hinter uns lassen, denn direkt hinter dem Einkaufsareal standen wir schon im Grünen. Über Brücken und Tunnel ging es in die Kleingärten zwischen Flughafen und Ochtum. Hinter den Obstbäumen waren erste Bürogebäude der Airport Stadt zu erkennen und startende Flugzeuge kreuzten unseren Weg, der schlussendlich in den Park Links der Weser führte. Sehr offenkundig wurde hier, wie schon zuvor an der Ochtum, dass unser subjektiver Begriff von Natur wenig mit der „wirklichen“ Natur zu tun hat. Denn gerade die Kulturlandschaft, also die vom Menschen geschaffene und gestaltete Landschaft erwies sich vor unseren Augen als akzeptierteste Grünlandschaft.
Auf unserem Suche nach Natur und Re(naturierter) Natur, auf unseren Wegen zwischen geplantem und ungeplantem, zwischen gepflegtem und ungepflegtem, zeigte sich insgesamt auf, dass wir unseren subjektiven Eindruck von Natur nicht ablegen können. Wir bedanken uns dafür, dass Ihr uns auf diesen Erkundungen so zahlreich begleitet habt und freuen uns auf kommende Spaziergänge.

gps-log zum downloaden fuer google earth:
oder online in google maps:
oder mit openstreetmap-karte:
MultiMediAAA-Daten (gps): Thorben Thürmer Bilder: Daniel Schnier Text: Oliver Hasemann

Freitag, 30. September 2011

Vortragsreihe "Zwischenstationen für die Bahnhofsvorstadt" im Oktober 2011 in der Glasbox


Zwischenstationen für die Bahnhofsvorstadt
Vierteilige Vortragsreihe im Oktober 2011


Die Bremer Bahnhofsvorstadt bildet den räumlichen Übergang von der historischen Innenstadt zur Stadt im Zeitalter der Industrialisierung, die über die ehemaligen Befestigungsanlagen – heute die Wallanlagen – hinaus gewachsen ist. Mit dem Bahnhof und der Hochstraße am Breitenweg wird sie heute als Transitraum und zugleich Zugangsraum zur Stadt geprägt.

Die Bahnhofsvorstadt ist dabei auch ein Ort der Gegensätze und der sozialen als auch ökonomischen Probleme. Der Wandel von Einkaufsgewohnheiten und veränderte Ansprüche an Büroräume. Die Nähe zum Milieu entlang der Diskomeile wirkt sich zudem negativ auf das Image der Bahnhofsvorstadt aus.

Für diesen Raum eröffnen sich aber auch verschiedene neue Perspektiven, der Umbau von Büroflächen zu neuen Nutzungsarten, die Zwischennutzung von Leerständen durch Nutzer_innen mit neuartigen Nutzungskonzepten und die Einbeziehung in die innerstädtische Stadtentwicklung machen die Bahnhofsvorstadt für ein Klientel interessant, dass dieses Quartier bisher nur als Transitraum nutzt.

Mit der Veranstaltungsreihe „Zwischenstationen für die Bahnhofsvorstadt“ präsentiert die ZwischenZeitZentrale Bremen Erfahrungsberichte und Perspektiven für die Bahnhofsvorstadt. Präsentiert werden die Vorträge in der Glasbox am ehemaligen Siemenshochhaus, einer laufenden Zwischennutzung zum Anfassen.



Am Dienstag, den 18. Oktober 2011 gibt es, nach einer Key Note von Frau Eva Herr vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, eine Übersicht über Zwischennutzungen in Bremen und die laufenden und geplanten Aktivitäten der ZwischenZeitZentrale Bremen in der Bahnhofsvorstadt.
Http://www.zzz-bremen.de


Am Donnerstag, den 20. Oktober 2011 hält Carsten Venus von Blauraum Architekten Hamburg einen Vortrag über das Redevelopment von Bürohäusern. Bürobestände der 50er und 60er Jahre sind zunehmend von Leerstände betroffen. Bauliche Mängel, veränderte Anforderungen aber insbesondere

die Konkurrenz durch neue Bürostandorte entziehen ihnen ihre bisherige Nutzung. In seinem Vortrag über das Redelopment von Bürohäusern wird Carsten Venus anhand von harten Zahlen
aus eigenen Forschungen und praktischen Erfahrungen mit Immobilieneigentümer_innen aufzeigen, welche ökonomischen und praktischen Gründe eine Umnutzung beeinflussen.
Http://www.blauraum.eu


Am Donnerstag, den 27. Oktober 2011 wird Felix Nowak von bb22 in Frankfurt Erfahrungen aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel mitbringen. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist ob seiner Drogen- und Rotlichszene, sozialer und städtebaulicher Probleme berühmt-berüchtigt. Als „no-go Area“ verschrien, haben sich hier in den vergangenen Jahren verschiedene Ansätze auf sozialer und städtebaulicher Ebene entwickelt. Felix Nowak wird Beispiele aus seiner Praxis im Frankfurter Bahnhofsviertel sowie die Leitlinien städtischer Planung in diesem Quartier darlegen.
http://bb22.net/


Am Montag, den 31. Oktober 2011 kommen Judith Hartnack, Virginia Schultheis und Jürgen Zeller von AT JUJUGI aus Frankfurt am Main nach Bremen. Mit einem kleinen, mobilen "Souvenirladen" gaben sie in den Spätsommermonaten 2009 dem Bahnhofvorplatz in Frankfurt 3 Monate lang einen neuen Inhalt – Souvenir Frankfurt. Eine Überseekiste voll gepackt mit zeitgenössischen Andenken. Auf Grund der großen Resonanz wurde das Projekt weiterentwickelt. In einer vergessenen Passage im Bahnhofsviertel zwischen Samosas, afghanischen Schneidern, afrikanische Haarkämmen und viel Leerstand wurde ein Ladenlokal für eine Zwischennutzung angemietet. Im Frühsommer 2011 ergab sich bei der Suche nach neuen Leerständen die Möglichkeit eine Ladenfläche in der Innenstadt mit 5x soviel Fläche zwischen zu nutzen. Die Eigentümer des Einkaufszentrums erkannten die Kraft von kreativen Projekten…
http://www.souvenir-frankfurt.de


Alle Vorträge beginnen gegen 19:30Uhr in der Glasbox am ehemaligen Siemenshochhaus, Contrescarpe 73, 28195 Bremen. Die Veranstaltungen sind kostenfrei, im Anschluss wird es jeweils die Möglichkeit zur Diskussion geben.
Http://www.glasbox.blogspot.com
http://www.zzz-bremen.de/glasbox-kreativ-innovativ-interdisziplin-r

Eine Veranstaltungsreihe des AAA und der ZZZ in Kooperation mit der RLI Bremen.


Dienstag, 20. September 2011

Urbaner Spaziergang "Grünschattenwirtschaft - Entdeckungsreise durch die Civita Incognita" am 16.10.2011 um 14Uhr

Hinter der Duckwitzstraße endet die Stadt. Diese Wahrnehmung überkommt einen, wenn man sich von der Neuenlander Straße hierher begibt. Gewerbebauten, Produktionsanlagen und Verkehrsstränge schnüren hier den freien Blick ein. Vielen Nutzungen haftet der Eindruck des Provisorischen, wenn nicht sogar des Illegalen an. Brombeerdickichte ergänzen und füllen die Lücken zwischen den allgegenwärtigen Zäunen.

Erst ein Blick hinter diese Dickichte offenbart eine ganz andere Welt: In einem neuen, künstlichen Bett fließt die Ochtum durch eine feine Parklandschaft.

Die Ecken und Randgebiete einer Stadt mit ihren unwirtlichen Orten bilden das Ziel unseres dritten Urbanen Ökostadtspaziergangs. Wir bewegen uns in den gefühlten Schatten einer Stadt. Sie sind Zonen geringer

Aufmerksamkeit und nachlässiger Pflege, werden kaum wahrgenommen und ungern besucht. Manche Nutzungen können sich deshalb nur hier ansiedeln. Entlang der Ochtum, zwischen Bahnstrecke und Hochstraße, hinter Industrie und Autobahn, hat sich ein Gebiet entwickelt, das sich auch als eine grüne Oase anderer Art interpretieren lässt.


Der Urbane Spaziergang ist kostenlos.


Mit freundlicher Unterstützung des Senator für Umwelt, Bau, Verkehr in enger Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier

Montag, 19. September 2011

Dokumentation und Resumée "Natur Mischen - Buntes Grün als Patchwork" vom 11.09.2011







Bei schönstem Sonnenwetter begaben wir uns auf unseren zweiten Urbanen Ökostadtspaziergang 2011. Von der Baustelle rund um den Waller Bahnhof führte uns unser Weg durch Nebenstraßen und Tunnel in das Waller Dort, nicht ohne vorher Waldau-Theater und Blaumeier-Atelier einen Besuch abgestattet zu haben. Binnen weniger Momente ließen wir den Lärm der Stadt hinter uns und nach einem rasanten Ritt durch den Mäusetunnel befanden wir uns dann auch endgültig im Grünen. Nur der gelegentliche Blick auf städtische Monumente oder der Lärm vorbeifahrender Güterzüge ließen erahnen, dass wir uns noch inmitten der Stadt befanden.

Direkt am Beginn der Kleingartenanlagen entlang des Waller Fleets machten wir einen Zwischenstop bei den Internationalen Gärten Walle. Auf dem Areal mehrerer Parzellen ist hier ein offenes Angebot für Waller_innen sich nach Vorbild der Bewegung interkulturelle Gärten gemeinsam und über kulturelle Grenzen hinweg Beete anzulegen und miteinander zu pflegen, zu ernten und zu genießen und vor allem viel voneinander zu lernen. Mit großem Überschwang wurden wir dann auch begrüßt und bekamen die verschiedenen exotischen heimischen Gemüse und Feldfrüchte präsentiert. Eine kurze Führung zu den vorhandenen Erweiterungsflächen zeigte deutlich auf: weitere Mitgärtner_innen sind gerne willkommen.

Entlang des Waller Fleets fuhren wir anschließend immer weiter in die Waller Feldmark. In direkter Abfolge passieren wir intensiv und akkurat gepflegte Gartenparzellen, pittoreske Kaisenhäuschen, aber auch immer wieder leerstehende oder schon ganz abgeräumte Parzellenhäuschen. Nach und nach schwinden die letzten Kaisenhäuschen, die nach dem Krieg noch vielen tausenden Bremerinnen ein Dach über dem Kopf geboten hatten. Das Wohnrecht auf der Parzelle ist an die Bewohnerinnen geknüpft, ziehen sie aus oder sterben sie, erlischt es. Danach bleibt der Rückbau oder der Abriss. Schon hat sich ein Kaisenhausmuseum gegründet, das dieses Zeitzeugnis über die nächsten Generation retten möchte. Aber nicht nur die Kaisenhäuschen werden weniger, auch generell sinkt die Anzahl der genutzten Parzellen.

An dieser Situation entsponn sich eine intensive Diskussion darüber, ob und wie es eine Chance gibt, dass die Parzellen wieder vermehrt genutzt werden. Vielfach wurden sie angelegt, um den ärmeren Bremerinnen die Selbstversorgung zu ermöglichen, mit wachsendem Wohlstand aber auch relativ niedrigen Lebensmittelpreisen fiel diese Notwendigkeit weg. Mit dem Rückgang der Kleingärtnertätigkeit ging aber auch viel an Fachwissen verloren, die Entfremdung zur Lebensmittelerzeugung wuchs und wächst. Ein Potential für die Kleingärten liegt somit im wachsenden Interesse an Lebensmittelautonomie oder zumindest dem Wunsch, von einem Teil seiner Lebensmittel zu wissen, wie und wo sie entstanden sind.

Was mit Parzellen geschehen kann, entdeckten wir auf unserem Rückweg von den Müllbergen als einer Begrenzung des Parzellengebiets. Im Gewerbegebiet Bayernstraße haben sich Gewerbebauten in ehemalige Kleingartenanlagen gefressen. An einer Stelle stoppten allerdings hartnäckige Parzelleneigentümer das Voranschreiten, so dass sich uns das skurille Bild kleiner Häuschen in einem Meer aus Sand bot. An anderer Stelle, im Technologie Park oder dem Weidedamm, sind hingegen Parzellengebiete der sich ausdehnenden Stadt gewichen. Ob Urban oder auch Guerilla Gardening diesem Wachstum der Stadt ein Wachstum der Grünflächen entgegensetzen können, blieb ersteinmal unbeantwortet.

Unter dem Utbremer Kreisel gingen wir auseinander, nicht ohne auf den kommenden Urbanen Spaziergang (diesmal auch wieder zu Fuß) am Sonntag, den 16. Oktober 2011 zu verweisen. Er lautet "Grünschattenwirtschaft - Entdeckungsreise durch die Civita Incognita". Treffpunkt ist die BSAG Haltestelle "Duckwitzstr./Richard-Dunkel-Str." in 28199 Bremen.

Bilder: Daniel Schnier Text: Oliver Hasemann

Freitag, 16. September 2011

Weser Kurier, 15.09.2011

Walle, ganz natürlich

Von Anke Velten

Walle. Üblicherweise beschäftigen sich Architekten mit bebautem oder zu bebauendem Grund und Boden. Bei der Fahrradtour, zu der das "Autonome Architektur Atelier" am vergangenen Sonntag eingeladen hatte, ging es allerdings um Orte, die tunlichst nicht zugebaut werden sollen. Das "bunte Grün" in der Stadt wollten sich die rund dreißig Teilnehmerinnen und Teilnehmer einmal näher anschauen. Und dazu hatten die Organisatoren ausgerechnet nach Walle eingeladen - einem Stadtteil, mit dem Uneingeweihte nicht sofort seine Grünflächen verbinden.

Große Distanzen musste dabei niemand zurücklegen, denn die Natur liegt in Walle in Reichweite. Wenige Fahrradminuten vom Treffpunkt Bahnhof, ein kurzes Stück entlang des Grünzuges West, eine kleine Reminiszenz: Genau hier, erklärten die Reiseleiter Daniel Schnier und Oliver Hasemann, habe sich einst die Urzelle des Stadtteils befunden - das Dorf Walle, das 1139 erstmals urkundlich erwähnt wurde und das noch Anfang des 19. Jahrhunderts kaum 500 Einwohner hatte. Erkennbar sei der dörfliche Ursprung bis heute an den gewachsenen Wegzügen, die sich von den späteren schnurgeraden Planstraßen optisch unterscheiden, erklärten die Architekten.

Ein wenig abseits, hinter einer niedrigen Bahnunterführung, konnte sich die Truppe von Neugierigen dann in echtes Landleben versetzt fühlen. Am Rande der Waller Feldmark ging es durch einen schmalen Feldweg mit alten, duftenden Obstbäumen und hohen Sträuchern, zu einem Besuch in den "Internationalen Gärten Walle". Unter diesem Titel hat im April dieses Jahres ein Projekt begonnen, das sich der Völkerverständigung verschrieben hat. Auf einem Areal von fast 3000 Quadratmetern können dort Menschen verschiedenster Nationen und Kulturen ganz natürlich in Kontakt kommen, ihre Freizeit miteinander verbringen und die Früchte ihrer Arbeit ernten. Das tat am Sonntagnachmittag zum Beispiel Shahla Langroudi, die sich um ihre Auberginen und Zucchini kümmerte, Kräuter, Bohnen und Chilischoten erntete.

Bunte internationale Mischung

Rund fünfzig Vereinsmitglieder haben sich für die "Internationalen Gärten" zusammengeschlossen, erzählte Vereinsmitglied Christiane Keller, darunter Menschen aus Tunesien, Algerien, dem Iran, aus Indien, Kolumbien und Vietnam; etwa die Hälfte davon packen aktiv zu. Wer hier eine kosmopolitische Gartenschau erwartet, muss noch etwas Geduld haben: Auf dem über Jahrzehnte verwilderten Gelände gibt es für die Gärtnerinnen und Gärtner noch viel zu tun. Doch noch wichtiger als der hortikulturelle Ehrgeiz ist hier das Miteinander. Als eines der sichtbaren Symbole präsentierte Shahla Langroudi einen kleinen Pfirsichbaum namens "Hussein", der erst vor ein paar Tagen gepflanzt wurde: Er ist ein Zeichen dafür, wie sehr sich die Gemeinschaft darüber freute, dass der Asylantrag eines ihrer Mitglieder positiv beschieden wurde, erzählt sie.

Dass Stadtmenschen sich ungenutzter Grünflächen annehmen und so selbst die Stadt mitgestalten, das ist ein Zeichen der Zeit, und eine Bewegung, die in den USA als "urban gardening" ihren Anfang nahm, wie Oliver Hasemann erklärte. Sie habe auch einen pädagogischen Mehrwert: Es sei eine Tatsache, dass immer weniger Stadtkinder aus eigener Erfahrung wissen, wie Obst und Gemüse angebaut werden. Das konnte Teilnehmer Rainer Weisel bestätigen: Er beackert eine Parzelle an der Ochtum, und in der Nachbarschaft gibt es einige ganz junge Parzellisten. "Bei Studierenden ist das wieder sehr beliebt", kann er berichten. Doch die jungen Leute müssen sich mit der Gartenarbeit erst vertraut machen: "Viele haben nie gelernt, wie man mit Saatgut umgeht oder wann sie ihre Früchte ernten müssen."

Die Stückchen Land, die die Stadtbewohner einst beackern durften, um ihre Not zu lindern, sind nicht mehr so gefragt: Gerade in der Waller Feldmark stehen viele Parzellen leer. Vor einigen Jahren war das noch ganz anders, wusste Peter Brodersen zu erzählen: "Da gab es hier viele türkische Familien, die auf den Parzellen ihre Lebensmittel anbauten, wie sie es in der Heimat gekannt und gelernt hatten." Die nachwachsende Generation an Stadtbewohnern allerdings kaufe ihr Obst und Gemüse ein. "Da geht viel Wissen verloren", sagte der Bremer.

Überhaupt keinen Anlass, seine Parzelle am Waller Fleet aufzugeben, sieht dagegen Dietmar Wedemeyer. Er lebt seit 1953 in einem "Kaisen-Haus" und darf das auch bis zum Ende seiner Tage, berichtete er der Fahrradgruppe. Was "Kaisen-Häuser" sind und wie die Stadt den Umgang mit ihren Bewohnern geregelt hat, dazu gab es vor Ort eine kleine Einführung.

Mit besonderem Interesse hörte ein junges Pärchen zu, das erst vor Kurzem aus Dresden in die Bremer Neustadt gezogen war. Die Stadtspaziergänge seien "eine tolle Art, Bremen besser kennenzulernen", fanden sie. Rainer Weisel gehört sogar zur Stammkundschaft der Veranstaltungen: Er habe ein großes Interesse an Stadtsoziologie, erklärte er, und "die beiden sind so erfrischend authentisch".

Die beiden sind die Bremer Architekten Oliver Hasemann und Daniel Schnier, die seit vier Jahren in Kooperation mit dem Verein "ÖkoStadt Bremen" dreimal pro Jahr und zu völlig unterschiedlichen Themen ihre urbanen Spaziergänge anbieten. Ihre kurzweiligen Spaziergänge ziehen nicht nur ein Fachpublikum aus Architekten und Stadtplanern an, sondern auch viele Laien mit Interesse an der Geschichte, Gegenwart und Zukunft ihrer Stadt.

Der nächste "Urbane Spaziergang" wird im Oktober an die Ochtum führen. Der genaue Termin und weitere Informationen finden sich auf den beiden Internet-Seiten www.aaa-bremen.de und www.oekostadt-bremen.de.


© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Weser Kurier Stadtteilkurier West, Seite: 3 Datum: 15.09.2011, Bericht von Anke Velten, Fotografie von Walter Gerbracht

Montag, 5. September 2011

Urbane Spaziergangsfahrt "Natur Mischen - Buntes Grün als Patchwork" am 11. September 2011 um 14Uhr


Die Grenzen zwischen Stadt und Land verlaufen in Walle fließend. Kaum 100 Meter hinter dem Waller Bahnhof und in Hörweite der Waller Heerstraße, findet man sich schon im Waller Dorf. Die Stadt verliert sich hier in freistehenden Häusern und alten Bauernhöfen, auf landwirtschaftlichen Wegen gelangt man von hier überaus schnell in den Parzellengürtel, der sich zwischen Walle und der Autobahn erstreckt. Die parzellierte Natur dient den Anwohner_innen als Rückzugs- und Versorgungsraum, der sich im weiteren in den offenen Fluren des Blocklandes verliert.

Auf unserem zweiten Urbanen Ökostadtspaziergang bewegen wir uns durch ein „klassisches“ Grüngebiet. Vom Menschen geplante und gepflegte Grünflächen und Gärten spiegeln als attraktiv wahrgenommenes Grün wider. Verlockend ist der wahrnehmbare Kontrast am Übergang zur ungepflegten, wilden Natur, die sich in verlassenen Parzellen wieder ihren Weg bahnt und die geordnete Idylle überwuchert. Im Umgang und den Konflikten in diesen Gebieten des Kontrollverlustes lässt sich unsere Definition von Natur erkennen.

Auch dieser Spaziergang ist eine Spazierfahrt mit dem Fahrrad.

Mit freundlicher Unterstützung des Senator für Umwelt, Bau, Verkehr in enger Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier

Resumee und Dokumentation "Industrie Parken" vom 21.08.2011

Altes Eisen und junge Triebe
Eine Urbane Spazierfahrt


Zur ersten Urbanen Spazierfahrt des Autonomen Architektur Ateliers fanden sich am Sonntagnachmittag, den 21.08.2011 über 40 Teilnehmer_innen samt Fahrrad vor dem Lichthaus ein.
Von dort aus ging es zunächst über den weitläufigen Parkplatz des ehemaligen Space Parks und heutigen Shopping Centers Waterfront, wo das nahezu extraterrestrisch anmutende Leben in Form zarter Pflanzen, die sich durch blau schimmernde Glasdekoration wagen, bewundert werden konnte.

Thematisch drehte es sich an diesem Nachmittag um allerlei Grün, welches sich sogar in eher untypischen Umgebungen, wie im Industrie-, und Hafengebiet seine Wege bahnt, ob nun ganz aus eigener Kraft oder mit Unterstützung der Menschen, indem Flächen bepflanzt und gepflegt werden.
In einigen Fällen entsteht auch eine seltsame Koexistenz von Industrie und Grün, etwas dann, wenn für überbaute oder versiegelte Flächen, zum Beispiel für die bereits angelegten, aber wenig genutzten Straßen des „Bremer Industrieparks“, so genannte Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden müssen. Flächen mit einer vergleichbaren Einstufung auf einer Skala zur Bewertung der Natur, die aber auch kilometerweit von dem bebauten Gebiet entfernt liegen können.

Von der Kulisse des Einkaufszentrums, die durch die alten Speicher und Kräne im Hintergrund einen interessanten Kontrast erhält, wurde weiter geradelt, zunächst in Richtung des ehemaligen U-Boot Schutzbunkers „Hornisse“.
Der massive Stahlbetonbau aus dem zweiten Weltkrieg diente bereits mehrmals als Filmkulisse und wird zur Zeit von einigen Möwen bewohnt, die sich von der dunklen und bedrohlich wirkenden Atmosphäre anscheinend nicht abschrecken lassen.
Auf der gegenüberliegenden Seite konnte man einen kurzen Blick auf eine dort gelandete Rakete des ehemaligen Space Parks erhaschen.

Am Ende der Kap Horn Straße, vor der Schleuse, konnte rechter Hand das 1957 erbaute Kohlekraftwerk mit dem höchsten Gebäude Norddeutschlands, dem 256m hohen Kamin, betrachtet werden. Links ergab sich ein unverbauter Blick auf das Klärwerk.
Es entspann sich eine rege Diskussion über den thermischen Wirkungsgrad verschiedener Brennstoffe und den Fakt, dass ein Großteil der im Kraftwerk entstehenden Wärme in die Weser entweicht und nur wenig der Abwärme ins Fernwärmenetz eingespeist wird.

Von hier aus führte der Weg weiter, vorbei an Schrottbergen, Atelierhäusern , Getreidespeichern, die in sonntagnachmittäglicher Stille vor sich hinschlummerten und schließlich über das Gelände des leerstehenden Gebäudes der früheren Stahlwerke- Verwaltung.
Hier findet man sich auf einem langsam zuwachsenden Parkplatz wieder, der von einzelnen, immer mehr verwitternden Überbleibseln der ehemaligen Nutzung, wie Papierkörben und Lampenmasten eingerahmt wird, wodurch die Verlassenheit dieses Ortes noch deutlicher in den Vordergrund rückt.
Der letzte Stop auf der Spazierfahrt war der schon erwähnte Industriepark, eine große Gewerbefläche, die in ferner Zukunft auch an die Autobahn angebunden werden soll. Für dieses Vorhaben mussten auch schon diverse Einfamilienhäuser dem geplanten wirtschaftlichen Aufschwung weichen.
Die Bezeichnung „Industriepark“ enthält zwei Aspekte, die sich eigentlich nicht fremder sein könnten. Das große, komplett an die Infrastruktur der Stadt angebundene und erschlossene Areal wird nur zu kleinen Teilen durch Industrie oder Gewerbe genutzt, die restliche Fläche ist mit Grün der unterschiedlichsten Art bewachsen, oder asphaltierte Straße. Viele der angelegten Wege sind schon von kleinen Pflanzen bevölkert und der Bach, der eigens zur Aufnahme des auf den Dachflächen gesammelten Regenwassers angelegt wurde, plätschert leise vor sich hin.
Vor diesem idyllischen Hintergrund endete die Fahrradfahrt und alle Beteiligten machten sich auf den Weg zurück in die Stadt.


Vielen lieben Dank an Florian Samietz für einige der Bilder und Dank an Thorben für die GPS Daten auf google-maps: siehe hier http://maps.google.de/maps?q=http://www.constancy.org/~r00t/Industrie_Parken.kmz
Dank auch an unsere ehemalige Mitarbeiterin Philine Puffer aus Berlin.

Montag, 25. Juli 2011

Urbane Spaziergangsfahrt "Industrie Parken - Altes Eisen und junge Triebe" am 21. August 2011 um 14Uhr


Industrie Parken - Altes Eisen und junge Triebe

Entlang der Hafenrandstraße zieht sich ein Band altindustrieller Nutzung bis zu den Stahlwerken in Oslebshausen die Weser hinab. Hafenumschlag, Logistik oder Schrotthandel prägen das Bild. Der beständige Lkw-Verkehr bezieht aus ihnen seine Intensität, mächtige Waggonschlangen transportieren auf den Schienensträngen ihre Lasten ins Landesinnere.
Am Rande großer Metallhaufen zeigen sich zarte Sprossen. Grünflächen entstehen in dieser Landschaft eher durch Zufall. Einer dieser Zufälle ist der Industriepark, der von Ausgleichsflächen durchzogen ist und gleichzeitig an vielen Stellen von der Natur wieder zurück erobert wird.
In ihrer diesjährigen Reihe von Urbanen Ökostadtspaziergängen spüren das Autonome Architektur Atelier und ÖkoStadt Bremen Naturflächen in Bremen nach. Im Fokus liegen dabei renaturierte Flächen, die vom Menschen künstlich geschaffen wurden und solche, in denen sich die Natur ihren Platz wieder erkämpft hat.

Dieser Urbane Spaziergang ist eine Spazierfahrt, kommen Sie daher bitte mit dem eigenen Fahrrad zum Treffpunkt am Lichthaus. / Herman-Prüser-Str. gegenüber WaterFront ehem. SpacePark.

Wir freuen uns auf Euch und ein Wiedersehen!
Euer AAA

Mit freundlicher Unterstützung des Senator für Umwelt, Bau, Verkehr in enger Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier


Mittwoch, 20. Juli 2011

Mit Stein und Blume

Autonomes Architektur Atelier zu Gast bei Radio Bremen

Gefunden haben sich der Dipl.-Ing. Raumplaner Oliver Hasemann und der Dipl.-Ing. der Architektur Daniel Schnier per Annonce. Seit fünf Jahren arbeiten sie jetzt an Bremens Stadtbild. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, würden Sie gerne tausend Bremern einen Stein geben und eine Blume. Mit dem Stein könnte man das einwerfen, was einem nicht gefällt. Und die Blume symbolisiert gleich den Neuanfang. Was Sie an Bremen reizt und welche Dinge die beiden hier gerne verändern würden, erzählen Sie in den Ansichten.

http://www.radiobremen.de/fernsehen/ansichten/ansichten1150.html


Montag, 4. April 2011

Lasst ihn endlich frei


Parkanlage, Porsche-Testbahn

oder Einkaufszentrum? Ein

planerisches Brainstorming zur

möglichen Zukunft des meistfrequentierten

Platzes in Bremen

I n t e r v i ew : H e n n i n g B l e y l

F o t o : F r e d e r i c k H ü t t ema n n

Einleitung: Das so genannte „Investorengrundstück“

auf dem Bahnhofsplatz,

das mit 6.000 Quadratmetern

das gesamte Skatergelände

und noch einiges mehr umfasst,

ist immer noch zu haben. Das bislang

letzte Ausschreibungsverfahren,

zum Festpreis von 5,9 Millionen

Euro, endete im November 2010 trotz

mehrfacher Verlängerung ergebnislos.

Nun soll das Gelände freihändig,

also ohne weitere Ausschreibung

vergeben werden – allerdings „im

Konsens mit den BremerInnen“, wie

es der Sprecher des Bauressorts

formuliert. Ende Februar wartete die

Verwaltung noch immer auf ein angekündigtes

Angebot eines Bieters,

über dessen Identität und Pläne sie

aber nichts verraten wollte.

ZdS Seit 1994 versucht der Senat, einen Teil

des Bahnhofsvorplatz’ als „Investorengrundstück“

zu verkaufen. Spricht irgend etwas dafür,

dass die aktuellen Akteure, zu denen möglicherweise

die Bremer Landesbank gehört, die

Kuh vom Eis beziehungsweise ein Gebäude auf

den Platz bekommen?

Oliver Haseman Der Bahnhofsvorplatz ist

in der öffentlichen Wahrnehmung Bremens prominentester

Ladenhüter. Er liegt in einer wenig

nachgefragten Lage: Bahnhofsvorstädte sind auch

in Städten wie Oldenburg oder Frankfurt am

Main ein Problem.

ZdS Warum?

Daniel Schnier Im 19. Jahrhundert wurden

die Bahnhöfe vor den Toren der Stadt gebaut.

Dann sind die Städte weiter gewachsen und eine

Art Transitraum mit viel Fluktuation entstand.

Fluktuation nicht nur im Sinn der durchlaufenden

Pendler, sondern auch in Gestalt instabiler

Immobiliennutzungen. Außerdem ist der Bestand

nicht mehr zeitgemäß und renovierungsbedürftig,

so dass Nutzer in andere Lagen abwandern.

In der Bremer Bahnhofsvorstadt haben wir eine

Erhebung gemacht, bei der wir Leerstände zwischen

einem Monat und mehreren Jahren festgestellt

haben.

ZdS Wäre es dann sinnvoll, beispielsweise ein

weiteres siebenstöckiges Gebäude samt Hotel

mittenrein zu setzen?

Schnier Das ist fraglich. Das World Trade

Center eine Ecke weiter ist zu höchstens 20

Prozent vermietet. Jetzt soll dort ein weiteres

Hotel entstehen.

Hasemann Dann gibt es noch das Postamt 5.

ZdS Oder das Bundeswehrhochhaus, in der

Daniel-von-Büren-Straße, auch nicht weit.

Schnier Die Stadt will aber Geld durch einen

Verkauf des Grundstücks einnehmen. Immerhin

befinden wir uns auf dem Bahnhofsvorplatz im

Jahr sieben der Zwischennutzung.

Haseman Trotzdem lohnt es sich meist

zu warten, bis etwas wirklich Gutes kommt.

Nach langjährigem Leerstand scheint manchmal

ein Punkt erreicht, wo nach vielen nicht

umgesetzten Ideen endlich etwas geschehen

soll. Das war auch auf dem Teerhof so, als dessen

vorderes Drittel noch Parkplatz war. Der

Druck wuchs durch die Offensichtlichkeit der

prominenten Baulücke.

ZdS Mit einem eher mäßigen Ergebnis. Und der

Bahnhofsvorplatz ist im Gegensatz zum Teerhof

keine kriegsbedingte Baulücke, sondern war immer

schon ein Platz. Warum kann er das nicht

einfach bleiben? Eine Stadt braucht doch Raum

zum Atmen!

Haseman Eine Bebauung schließt ja nicht aus,

dass der Platz zum Teil erhalten bleibt. Wenn

man da etwas Gutes hinsetzt, kann das durchaus

eine Verbesserung darstellen. Die bauliche

Dimension dürfte angesichts der Gesamtsituation

nicht zu klein sein. Es muss kein Glaskasten

sein, aber auch keine bremische Lösung.

ZdS Was hieße „bremisch“?

Schnier Backstein. Im Endeffekt muss es hier

immer Backstein sein. So ist es ja auch mit dem

Beluga-Gebäude auf dem Teerhof gekommen –

ursprünglich sollte das außen mit rostigen Eisen

gekachelt werden. Im Stil eines Schiffes.

ZdS Und dann?

Schnier Dann musste „nachgebessert“ werden.

Mit dem bekannten Ergebnis.

ZdS Wie müsste ein Gebäude beschaffen sein,

das den Bahnhofsvorplatz aufwertet?

Schnier Es müsste eine begrünte Fassade mit

Sprühnebel haben, mindestens. Aber eigentlich

kann der Platz durch eine Bebauung nur verlieren.

ZdS Könnte er nicht auch „gemütlicher“ werden?

Haseman Der Platz könnte durchaus gefasst

werden und eine Struktur bekommen – wobei

die Hochstraße diese Raumkantenfunktion im

Prinzip schon erfüllt. Wenn gebaut würde, dürfte

man sich in der Dimension nicht am Tivoli-

Hochhaus orientieren, sondern an der jenseits

der Hochstraße bereits vorhandenen Bebauung.

Ein für Passanten durchlässiges Erdgeschoss wäre

nicht schlecht. Vielleicht gäbe es auch ein paar

Stufen oder Treppen vor dem Gebäude, auf denen

man sich niederlassen kann. Da wäre ich auf

die Entwürfe gespannt.

ZdS Immerhin waren schon mal hochambitionierte

Bauten wie das „Musicon“ im Gespräch.

Nun ist Bremen kein prosperierendes Heide-

Städtchen wie Lüneburg, das für seine Uni einen

Libeskind-Bau bekommen soll. Aber könnte man

nicht wenigstens fordern, dass ein neues Gebäude

nicht nur als Passage teil-öffentlich ist?

Hasemann Was hieße das?

ZdS Dass es zum Beispiel eine allgemein zugängliche

Terrasse gibt, die nicht gastronomisiert

ist. Wo man sich also ohne Verzehrzwang aufhalten

kann.

Schnier Das wäre nicht schlecht. Auf jeden

Fall darf es nicht so etwas werden wie am Ziegenmarkt,

wo der Chef des FC Oberneuland so

einen neuen Klotz auf den Rewe-Markt setzen

will. So was treibt die BremerInnen vielleicht

tatsächlich mal auf die Barrikaden.

ZdS In Bezug auf den Bahnhofsvorplatz spricht

die Linkspartei angesichts der „Intransparenz

des Vergabeverfahrens“ von einem „Bremen 21“.

Finden Sie das angemessen?

Hasemann Nein. Schließlich soll unser Bahnhof

nicht abgerissen werden. Was will denn die

Linkspartei?

ZdS Zukunftswerkstätten mit den Anwohnern

und Anwohnerinnen.

Schnier Das sind dann die Hells Angels. Das

Problem ist doch, dass dieser Platz keine wirklichen

Anwohner hat.

Hasemann Ich glaube nicht, dass eine Bebauung

viele Leute aufregen würde. Im Gegenteil:

Die ganzen Spießbürger sind doch froh, wenn da

weniger Platz für die ganzen Skater, Penner und

Obdachlosen ist.

Schnier Nicht zu vergessen der Verband der

forschenden Pharmaindustrie.

ZdS Sie meinen die Drogenkonsumenten?

Haseman Nein, ich meine jetzt tatsächlich

den Industrieverband, der den Platz kürzlich für

eine Werbekampagne nutzte.

ZdS Wie würden Sie den Platz nutzen wollen?

Schnier Gärten! Ein Park! Ein Eiscafé! Und Seniorenspielgeräte.

Man soll bei all den Skatern

die Alten nicht vergessen.

ZdS Wo stoßen Zwischennutzungen an ihre

Grenzen?

Hasemann Man muss sich immer fragen: Geht

von der Zwischennutzung noch ein Impuls aus,

oder ist es nur noch ein Kaschieren des Leerstandes?

Bei lange leer stehenden Läden beispielsweise

macht es keinen Sinn, ewig etwas hineinzustellen,

wenn die ökonomische Substanz vor

Ort einfach nicht mehr da ist.

Schnier Dann muss daraus eben eine Umnutzung

werden.

Haseman Zwischennutzungen können auch

durch eine Verstetigung an ihr Ende kommen. Den

Bahnhofsvorplatz sehe ich an der Grenze zur Verstetigung:

Viele Leute können sich ihn ohne die

aktuelle Nutzung gar nicht mehr vorstellen.

ZdS Bei Jüngeren heißt er ohnehin nur noch

„Skaterplatz“.

Schnier Wenn wir Herrn Frey noch hätten

[den abgetretenen Bremer Theaterintendanten

mit offenkundigem Hang zum Luxus], könnte

man dort auch einen Parcours für seine Porsche

Cayenne einrichten.

ZdS Apropos Autos: Ein beliebtes Argument für

eine Bebauung des Bahnhofsvorplatzes lautet,

man könne damit die Hochstraße verdecken.

Überzeugt Sie das?

Schnier Nein. Ursprünglich war der Breitenweg

ohnehin eine Allee. Das könnte man jetzt

eine Etage höher so ähnlich wieder einrichten,

als „Green Mile“ wie etwa in New York.

ZdS Aber wenn man nicht mehr den Fly-over

hinauf brettern kann, um in Richtung Oldenburg

oder wenigstens Walle abzuheben, verliert Bremen

doch seine einzige urbane Ecke.

Schnier Vielleicht. Aber da könnte man auch

mit einem Inlet-Center auf dem Bahnhofsvorplatz

gegen halten.

ZdS Was ist das?

Schnier Ein Outletcenter in der Innenstadt.

ZdS Statt auf der grünen Wiese bei Stuhr sollen

da Markenprodukte als „Fabrikware“ verhökert

werden?

Haseman Das wäre doch nicht schlecht.

Allerdings hört sich „Inlet-Center“ nach Zahnarzt

an.

Schnier Ein Ärztehaus auf dem Bahnhofsvorplatz

ist ja auch eine prima Idee.

ZdS Warum nicht gleich ein Autohaus?

Schnier Ja, Autolofts! Das ist die definitive

Lösung für den Bahnhofsvorplatz.


Zur Person

Daniel Schnier (im Bild links) und Oliver

Hasemann (im Bild rechts) sind die geschäftsführenden

Gesellschafter des 2006 von ihnen gegründeten

„Autonomen Architektur Ateliers“.

Seit anderthalb Jahren betreiben sie mit Sarah

Oßwald und Michael Ziehl auch die „Zwischen-

ZeitZentrale“ (ZZZ). Ende März eröffnen sie in

der Contrescarpe 73 die „ZZZeitmaschine“: ein

offenes Büro, in dem Beispiele für funktionierende

Zwischennutzungen präsentiert, aber auch

Zwischennutzungen in der Bahnhofsvorstadt

selbst vermittelt werden sollen.

Hasemann studierte Raumplanung an der Uni

Dortmund und kommt aus Felde bei Thedinghausen

– dessen im Stil der Weserrenaissance

erbauten „Erbhof“ er für „krampfhaft belebt“

hält. Schnier ist Architekt und wuchs als „Diskokind“

in Bohmte auf. Die Ortschaft wurde allerdings

weniger wegen der familieneigenen Diskothek

„Clacoer“ bekannt, sondern wegen des

ampel- und schilderlosen „Shared Space“-Verkehrskonzepts,

das hier erstmals in Deutschland

eingeführt wurde.