Mittwoch, 26. Juni 2013

Resumée und Dokumentation 3/6 Urbaner Spaziergang „Grüne Hügel an der Grenze“ in der Reihe "Huckelriede abstempeln?!", Sonntag, den 23.06.2013







Zu unserem dritten Urbanen Spaziergang durch Huckelriede versammelten sich am vergangenen Sonntag knapp 50 TeilnehmerInnen, die sich mit uns die Huckelrieder Höhenzüge erklimmen wollten.
Zuerst erfolgte jedoch der Blick auf die steten Baufortschritte im Zentrum Huckelriedes. In den vergangenen vier Wochen hatte sich hier schon einiges entwickelt, nach dem Abriss der vorhandenen Anlagen sind mittlerweile die Formen des „neuen“ Huckelrieder Zentrums zu erkennen. Der neue Umsteigepunkt mit Marktplatz entsteht als zentraler Bestandteil des Sanierungsgebiets Huckelriede / Am Sielhof und stärkt das bauliche Zentrum Huckelriedes, das tatsächlich nur einen Steinwurf weit von der Grenze zu Kattenturm entfernt ist.
Der Weg, den wir aus dem Huckelrieder Park heraus wählten, führte dann auch direkt hinauf auf den Sieldeich. Dieser bildet die Grenze zwischen Huckelriede und Kattenturm, so dass unser Blick von Huckelriede aus runter nach Kattenturm fiel. Entlang des Sieldeiches entstand in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Siedlung entlang der Werder- und der Hubertushöhe. Auf aufgeschüttetem Grund entstanden hier Siedlungshäuser für Bremer Beamte mit großen Gartenflächen und den zu dieser Zeit noch üblichen Hühnerställen zur Eigenversorgung.
Die Gartenflächen dienen mittlerweile eher der Erholung und die Hühnerställe sind zu Wintergärten oder zu mehr Wohnraum umgestaltet worden. In verkehrsberuhigter Lage hat sich die Werderhöhe zu einem attraktiven Wohngebiet mit einer engen Nachbarschaft entwickelt, auch unser urbaner Spaziergang wurde mit viel Freundlichkeit begleitet. Wie es der Stadt gelangen könnte, noch weitere, ähnlich attraktive und bezahlbare Wohnflächen auszuweisen, bildete einen Teil der Diskussion im Wohngebiet. So werden Teile der Scharnhorst Kaserne, die das Wohngebiet nach Nord-West begrenzen, in absehbarer Zeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) für die Wohnbebauung geräumt, während direkt am Huckelrieder Friedhof an der Werder Höhe schon erste Doppelhaushälften errichtet worden sind.
Am Friedhof Huckelriede erreichten wir dann auch den höchsten Punkt nicht nur diesen urbanen Spaziergangs sondern auch aller urbanen Spaziergänge durch Huckelriede. Auf 15 Meter über den Meeresspiegel ist das Friedhofsgelände hier in den 1950er Jahren auf dem Areal einer ehemaligen Ziegelei aufgeschüttet worden. Im Vergleich zu den benachbarten neuen Doppelhaushälften beeindruckten die Friedhofsbauten mit Ihrer zeitlosen attraktiven Architektur. Der Spaziergang verlief um den Friedhof herum bis in Sichtweite der Grenze nach Habenhausen. Die hier noch vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen, die als Erweiterungsfläche des Friedhofs vorgehalten werden, stehen ebenfalls als mögliche Wohnbaufläche im momentan erstellten Flächennutzungsplan.
Über den Deich entlang des Werdersees führte unser Weg schließlich in den in Teilen schon fertiggestellten Boulevard Niedersachsendamm zum Quartierszentrum, in dem die Initiative Interkulturelle Gärten Huckelriede mit Holunderwaffeln, Kaffee und Tee aufwartete.

Der 4/6 Urbane Spaziergang „Last Exit Huckelriede“ findet nach den Sommer-Schulferien am Sonntag, den 18. August 2013 wieder um 14Uhr am Spielplatz im Huckelrieder (Central) Park statt.
Unterstützt durch das Programm Soziale Stadt Bremen, dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und der ZZZ-ZwischenZeitZentrale Bremen. Text: Oliver Hasemann, Fotografien: Daniel Schnier

Donnerstag, 20. Juni 2013

Weser Kurier, 20.06.2013 "Im Zickzack durch den Ortsteil Huckelriede" von Ilka Rickers

Hier verlinken wir einen Weser Kurier Artikel vom 20.06.2013, der über unseren 2. Urbanen Spaziergang im Rahmen von "Huckelriede abstempeln ?" berichtet. 
Vielen lieben Dank für die Begleitung und auf ein Wiedersehen am Sonntag, den 23. Juni 2013 um 14Uhr zu unserem 3/6 Urbanen Spaziergang "Grüne Huckel an der Grenze" am Spielplatz Huckelrieder Park.
Es wird wieder ungewöhnlich schön.

Dienstag, 18. Juni 2013

3/6 Urbaner Spaziergang "Grüne Huckel an der Grenze" am Sonntag, den 23. Juni 2013 um 14Uhr


Hiermit laden wir herzlich zum 3. Urbanen Spaziergang in der Reihe Huckelriede Abstempeln?! ein.



Nachdem wir am 26.Mai 2013 bereits entlang des Werdersees und am 09.Juni 2013 im ZickZack zwischen Kornstraße und Buntentorsteinweg spaziert sind, werden wir am kommenden Sonntag, den 23.Juni 2013 die grünen Höhen Huckelriedes erwandern.
Der Ausblick von diesen Höhen richtet sich auch in diesem Spaziergang auf die Vielfalt Huckelriedes. Diese zeigt sich insbesondere in der Wohnraumentwicklung. Junge Familien auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, die Erprobung gemeinsamer Wohnformen, die Konversion alter Gewerbebauten oder die Umwidmung von Sonderflächen zu Wohngebieten, in Huckelriede liegen sie eng beieinander.
Unser Urbaner Spaziergang ist dabei wieder eine Grenzerfahrung, denn nicht alles, was wie Huckelriede aussieht, ist auch Huckelriede...
Wir würden uns sehr freuen, Euch und Sie auch am kommenden Sonntag begrüßen zu dürfen. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos.

Treffpunkt am Sonntag, den 23. Juni 2013 um 14Uhr am Huckelrieder Centralpark.

Die Urbanen Spaziergänge finden an den Sonntagen 26. Mai 2013, 9. Juni 2013, 23. Juni 2013, 18. August 2013, 1. September 2013 und 8. September 2013 jeweils um 14Uhr statt und starten alle im Huckelrieder Zentrum am Spielplatz im Huckelrieder Park.

Die Urbanen Spaziergänge sind Bestandteil des Projekt Pfleger und Sammler, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, 2013 Huckelriede und HuckelriederInnen besser kennenzulernen.

Dienstag, 11. Juni 2013

Resümee 2/6 Urbaner Spaziergang „ZickZack durch Huckelriede“ am Sonntag, den 09.06.2013 um 14Uhr








Im Zickzack und kreuz und quer sind wir gemeinsam mit rund 60 Bremerinnen und Bremern am vergangenen Sonntag bei schönstem Sonnenschein durch Huckelriede spaziert. Treffpunkt dieses zweiten Urbanen Spaziergangs in der Reihe „Huckelriede abstempeln?!“ war, wie auch schon bei unserem ersten Spaziergang vor zwei Wochen, der Spielplatz am Huckelrieder Park.

Im Mittelpunkt stand diesmal das Erlebnis der Räume rund um und zwischen Buntentorsteinweg und Kornstraße. Geprägt werden diese Räume vom Zusammentreffen der historisch gewachsenen Strukturen des Buntentorsteinwegs, der schon im Mittelalter als bedeutender Verkehrsweg von Bremen aus über Syke und Bassum in Richtung Minden und Osnabrück führte, und der in der Gründerzeit im 19. Jahrhundert nach einem festen Raster angelegten Erweiterung der Neustadt.

So laufen sie trichterförmig aufeinander zu und kreuzen sich unweit des alten und neuen Huckelrieder Zentrums rund um die Haltestelle Huckelriede und den Huckelrieder Park. Hier entsteht momentan im Rahmen des Sanierungsgebiets ein neuer Umsteigepunkt mit zentralem Platz für den Ortsteil.

Innerhalb dieses "Trichters", zwischen den beiden historisch wichtigsten Verkehrsachsen Huckelriedes, befinden sich Gebäude und Flächen vielfältiger Nutzungen, verbunden durch ein Geflecht von öffentlichen und privaten Wegen. So konnten wir dort Gärten und Brachflächen, Neu- und Altbauten, Ateliers und Autowerkstätten entdecken. Wir bedanken uns an dieser Stelle auch für die vielen Einwürfe alteingesessener Huckelrieder, die mit ihrem Wissen und manchen Anekdoten deutlich machten, wie stark sich Huckelriede nicht nur im 19. Jahrhundert, sondern auch in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg vom noch ländlich geprägten Ortsteil vor den Toren der Stadt zu einem Teil der Gesamtstadt heranwuchs. Die Veränderung des Stadtteils ging dabei nicht ohne Probleme und Konflikte einher, mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets Huckelriede / Sielhof wird vonseiten der Stadt aktiv an der baulichen Aufwertung des Stadtteils gearbeitet.

Gaben die vielen neuen Perspektiven einen räumlichen Eindruck von der Nutzungsvielfalt in Huckelriede, so konnten wir mit dem Besuch der Ateliergemeinschaft Buntentorsteinweg 323/325 einen Einblick in ungewöhnlichere Nutzungen werfen. Die Räume einer ehemaligen Druckerei werden für die ganzen eigenen Zwecke vorläufig umgenutzt. Ein anderes kreatives Nutzungsbeispiel, neben den vielen herkömmlichen Gewerbe- und Wohnnutzungen entdeckten wir in einem Innenhof in der Kornstraße. Die Co-Werkstatt Kalle stellte sich uns zum Abschluss unseres Spaziergangs vor und wir konnten hier bei Kaffee und Kuchen die Möglichkeiten dieser Werkstatt kennenlernen und den Spaziergang Revue passieren lassen.

Wir danken an dieser Stelle allen TeilnehmerInnen, der Ateliergemeinschaft Buntentorsteinweg 323/325, insbesondere Jule und Antonio, und Kalle, Saskia und Norman, und laden zum kommenden Urbanen Spaziergang "Grüne Huckel an der Grenze" am Sonntag, den 23. Juni 2013 um 14Uhr ein. 

Montag, 3. Juni 2013

2/6 Urbaner Spaziergang "ZickZack durch Huckelriede" am 09. Juni 2013 ab 14Uhr

Ankündigung Huckelriede Abstempeln?! - 2. Urbaner Spaziergang

am 09. Juni 2013 um 14Uhr am Spielplatz Huckelrieder (Central) Park

Wir laden hiermit zum 2. Urbanen Spaziergang "ZickZack durch Huckelriede" in der Reihe Huckelriede Abstempeln?! ein. Nachdem wir am 26. Mai 2013 einen ersten Einblick von Huckelriede gewonnen haben und uns dem sehr abwechslungsreichen Leben entlang des Werdersees gewidmet haben, werden wir am kommenden Sonntag, den 9. Juni 2013 um 14Uhr tiefer in das Straßenleben von Huckelriede eintauchen. Kreuz und Quer werden wir im wahrsten Sinne einen Zick-Zack-Lauf absolvieren. Wie auch auf dem ersten Spaziergang ist es dabei die Vielfältigkeit Huckelriedes, die wir hier aufzeigen möchten.
Wenn es im ersten Spaziergang eher um das räumliche Nebeneinander von Gewerbe, Wohnen und öffentlichen Einrichtungen das wir zu Gesicht bekamen ging, so werden wir auf diesem Spaziergang (2/6) das Miteinander dieser Nutzungen erleben. Die Trennung von Arbeiten und Wohnen, ein Ideal, das in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand, wird hier aufgelöst. Die Wohnung wird zum Produktionszentrum, die Gewerbehalle zum Wohnzimmer, die Küche zum Café.
Wir freuen uns, Euch und Sie auf diesem Urbanen Spaziergang begrüßen zu dürfen, der wie immer kostenlos ist.

Treffpunkt am 9. Juni 2013 um 14Uhr am Huckelrieder Centralpark.

1/6 Urbaner Spaziergang / Resumee "Artenvielfalt am Werdersee" vom 26.05.2013

Huckelriede Abstempeln?!

Der Auftakt unserer Spaziergangsreihe „Huckelriede Abstempeln?!“ fiel auf ein sehr regenreiches Wochenende und der damit verbundenen Sorge, ob sich jemand bei diesem Wetter nach draußen locken lassen würde. Der wettergeprüfte Bremer und die wettergeprüfte Bremerin, insbesondere HuckelriederInnen, ließen sich allerdings nicht abschrecken, so dass wir mit über 40 TeilnehmerInnen eine erste Annäherung an den Ortsteil vornahmen.
Den Ausgangspunkt unseres Urbanen Spaziergangs bildete dabei der Huckelriede Park, von uns als Central Park bezeichnet. Denn dieser liegt im (gefühlten) Zentrum von Huckelriede. Die Wahrnehmung von Huckelriede auf der einen und seine administrativen Abgrenzung auf der anderen Seite spielten dabei eine wichtige Rolle während unseres Spaziergangs. Denn baulich ist das alte Bauerndorf Huckelriede längst inmitten der Stadt gelegen, dennoch spielen historische Abgrenzungen und Eigenarten in Teilen immer noch eine wichtige Rolle.
So auch entlang des Werdersees. Denn heute verwundert, dass große Teile des Stadtwerders zu Huckelriede gehören oder das auf einem Grundstück mit Blick auf den Werdersee Kasernen statt Wohnhäusern entstanden sind. Ein kleiner Blick in die Vergangenheit klärt jedoch darüber auf, dass der Werdersee erst seit 1953 entstand und erst nach der großen Flut 1981 seine jetztige Form gefunden hat. So erstreckten sich Parzellen vom Buntentorsteinweg bis auf den Stadtwerder, letzte Rudimente auf dem Neustädter Ufer wurden erst vor wenigen Jahren zugunsten der Bebauung am Dammacker aufgegeben.
Ein wesentlich düstereres Kapitel nahmen die Kasernen am Niedersachsendamm ein. Hier wurde auf aufgespülten Land für Wohnbebauung in den Jahren 1934 bis 1936 in kürzester Zeit Kasernenanlagen hochgezogen, die im wiederaufgerüsteten Nazideutschland der Unterbringung von Soldaten dienten. Während des Krieges wurden sie übergangsweise auch zu einer KZ-Außenstelle und dienten der Unterbringung von ZwangsarbeiterInnen, die in Pferdeställen unter unvorstellbaren menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht wurden. Nach dem Krieg wurden sie zu Notunterkünften von Kriegsflüchtlingen aus Gdansk und Umfeld, auf dem Gelände der Hindenburgkaserne befinden sich mittlerweile die Rolandklinik, die Bereitschaftspolizei, der THW und die Freiwillige Feuerwehr Neustadt.
Mit Einrichtung des Sanierungsgebietes Huckelriede, das nicht mit dem Ortsteil Huckelriede identisch ist, kommt auch hier einiges in Bewegung. Teile des noch aktiven, letzten Bundeswehrstandortes in Bremen, werden in absehbarer Zeit zum Wohnquartier und auch das Cambrai-Dreieck, ein Zipfel der immer noch umzäunten Kasernenanlage, wird zum Baugebiet. Unter anderem wird dort die Wohngruppe Mosaik ein zu Hause finden, die auf dem Spaziergang auch über ihr Projekt berichteten.

Vielen lieben Dank und bis zum nächsten 2. Urbanen Spaziergang "ZickZack durch Huckelriede" am 9. Juni 2013 um 14Uhr. Treffpunkt Centralpark Huckelriede.




Unterstützt durch das Programm Soziale Stadt Bremen, dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und der ZZZ-ZwischenZeitZentrale Bremen. Text: Oliver Hasemann, Fotografien: Daniel Schnier

Mittwoch, 15. Mai 2013

Huckelriede abstempeln?!


Wir denken häufig, dass wir den eigenen Stadtteil wie die eigene Hosentasche kennen. Täglich bewegen wir uns hier, spielen mit unseren Freunden auf der Straße, treffen unsere Nachbarn morgens vor der Tür und erledigen am Supermarkt an der Ecke noch unsere letzten Einkäufe. Doch manchmal gehen wir eine Straße weiter und sind verwundert, wo sind wir hier, ist dies noch mein Stadtteil? Oder wir entdecken das erste Mal den Erker am Haus schräg gegenüber und fragen uns, war der schon immer da?
Denn in jedem Stadtteil, in jeder Straße, wahrscheinlich in jedem Haus und bestimmt in jeder Hosentasche gibt es immer zu etwas neues zu entdecken.
Mit einer Reihe von sechs Urbanen Spaziergängen laden wir dieses Jahr dazu ein, Huckelriede wie unsere Hosentasche kennenzulernen. Dazu werden wir die unterschiedlichen Teile dieses aufregenden Ortsteils erkunden und viele spannende Orte entdecken. Vor allem aber wollen wir die Menschen kennenlernen, die Huckelriede selbst wie ihre Hosentasche kennen.
Wie bisher werden diese Spaziergänge in entspannter Atmosphäre stattfinden und sind für alle Interessentinnen offen und kostenlos.

Sie finden an den Sonntagen 26. Mai 2013, 9. Juni 2013, 23. Juni 2013, 18. August 2013, 1. September 2013 und 8. September 2013 jeweils um 14Uhr statt und starten alle im Huckelrieder Zentrum am Spielplatz im Huckelrieder Park.

Die Urbanen Spaziergänge sind Bestandteil des Projekt Pfleger und Sammler, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, 2013 Huckelriede und HuckelriederInnen besser kennenzulernen.

Unterstützt durch das Programm Soziale Stadt Bremen, dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und der ZZZ-ZwischenZeitZentrale Bremen. 

Freitag, 16. November 2012

Weser Kurier, 29.10.2012 "Auf ungewohnten Wegen zu interessanten Ecken"


Auf ungewohnten Wegen zu interessanten Ecken

+VON SOLVEIG RIXMANN
Hastedt ·Gartenstadt Vahr. Nur wenige Autos fahren an diesem Sonntagmittag die Stresemannstraße oder die Steubenstraße entlang. An Wochentagen wird das Gebiet rund um das Stadtamt allerdings von Autos dominiert: Pkw-Verkehr, Autohäuser, Waschanlagen, Baumärkte, der ADAC in Blickweite und die Kfz-Zulassungsstelle. Dort ist der Treffpunkt für den dritten und für dieses Jahr letzten urbanen Ökostadtspaziergang unter dem Motto „Zwischen Gartenstadt und Autobiotop“.
„Wenn man irgendwo von einer Automeile sprechen will, dann hier“, sagt Oliver Hasemann vor dem Stadtamt. Das denkmalgeschützte Gebäude aus den 60er-Jahren wurde vom Bremer Architekten Gerhard Müller-Menckens gebaut, der auch für den Erweiterungsbau der Sparkasse verantwortlich zeichnet. Früher gehörte es dem Überlandwerk Nord-Hannover und ist seit der Fusion mit dem Energieversorger EWE in dessen Besitz. Die EWE vermietet an das Stadtamt. „Statt es selbst zu betreiben, wird gemietet“, sagt Oliver Hasemann und wirft die Frage auf, ob es wirklich immer sinnvoller und kostengünstiger ist, die Verwaltung und Instandhaltung von Gebäuden aus der Hand zu geben.
In diesem Bereich Bremens sind Fußgänger eher ungewöhnlich. Es werden Autos angemeldet oder mit dem Auto zum gegenüberliegenden Baumarkt gefahren und eingekauft. Das Konzept des Baumarktes scheint so starr, dass das Unternehmen nicht in das Gebäude des ehemaligen Paketzentrums einziehen konnte, sondern ganz neu bauen musste. Mit seinen 24 000 Quadratmetern ist der Baufachmarkt „6000 Quadratmeter kleiner als der Schuppen 2 – das Zentrum der Kreativen“, betont Daniel Schnier.
Hinter dem Gebäude, direkt an der Bahnstrecke gelegen, befinden sich die Mitarbeiterparkplätze eines benachbarten Telekommunikationsunternehmens. Offensichtlich werden die Parkplätze nicht mehr gebraucht, werden aber auch nicht bebaut. Durch eine Unterführung gelangt man als Fußgänger zwischen zwei Bahnstrecken. „Das wirkt jetzt natürlich – wo kein Zug fährt – extrem idyllisch“, sagt Oliver Hasemann inmitten von herbstlaubgefärbten Bäumen. Ein vorbeifahrender Zug ändert die Situation komplett und verwandelt das Gebiet offenkundig in eine Fläche, mit der man nicht alles machen kann.
Etwas verwundert gucken die Besucher beim Schausonntag des Autohauses die Gruppe Sonntagsspaziergänger an. Auch Passanten, die ihren Hund spazieren führen oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, schauen skeptisch. Stadtführungen sind in diesem Gebiet Bremens sonst nicht anzutreffen.
Die ungewohnten Orte wollen der Diplom-Ingenieur in Raumplanung, Oliver Hasemann, und der Diplom-Ingenieur in Architektur, Daniel Schnier, vom AAA (Autonomen Architekten Atelier) den Spaziergängern zeigen: die unbekannten Ecken, die Entwicklungen abseits der historischen Sehenswürdigkeiten. Normalerweise beschränken sich diese Spaziergänge auf einen Ortsteil. Ausnahmsweise führt dieses Mal der Weg von Hastedt in die Gartenstadt Vahr. Angeboten werden die urbanen Spaziergänge des AAA in Kooperation mit dem Verein Ökostadt Bremen und dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.
Auch wenn eine Verquickung von Wohnen und Arbeitsstätte angestrebt wird, schließen sich bestimmte Wohn- und Arbeitsweisen einfach aus. In der Neidenburger Straße halten die urbanen Stadtführer vor einem Überbleibsel aus vergangener Zeit. Zischen Kfz-Service und Erotikversand steht eines der letzten Kaisen-Häuser Bremens. „Der Bebauungsplan für das ganze Areal ist 1970 in Kraft getreten. Davor ist das landwirtschaftlich genutzt worden“, erzählt Oliver Hasemann, während die Musik des benachbarten Fitnessstudios herüberschallt.
Die Fahrrad- und Fußweg-Verbindung zwischen Hastedt und der Vahr führt zur Beneckendorffallee. Hinter der Bahnlinie zeigt sich ein anderes Stadtbild. Keine Gewerbebebauung, sondern Wohnhäuser – das Wohngebiet der Gartenstadt Vahr. Sozialer Wohnungsbau der 1950er-Jahre, sehr original geblieben. Der in den 1850er-Jahren entwickelte Plan von Baudirektor Alexander Schröder sah entlang der Beneckendorffallee einen Verkehrsring vor, wurde aber nie verwirklicht. Heute ist dies eine ideale Fahrradverbindung.
Schlusspunkt ist das Supermarktgelände gegenüber der Galopprennbahn. „Wir fanden dieses Nebeneinander im höchsten Maße spannend“, sagt Oliver Hasemann. Kein Villenviertel, aber mittendrin die Galopprennbahn. Doch die war vor allem anderen dort – ob es auch eine Zukunft für sie gibt, entscheidet sich (wie berichtet) Anfang November.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Text: Solveig Rixmann, Fotografien: Petra Stubbe, Ausgabe: SOS Seite: 5 Datum: 29.10.2012

Resumee und Dokumentation Urbaner Spaziergang „Stadtverfüllungsflächen – Zwischen Gartenstadt und Autobiotop“ am 21.10.2012

An einem wunderbaren sonnigen Sonntag startete das AAA mit zirka 50 Spaziergängerinnen den letzten und dritten Urbanen Ökostadtspaziergang in Kooperation mit Ökostadt Bremen e.V.
Der Beginn des Spaziergangs lag am ehemaligen Sitz der Überlandwerke Hannover und jetzigem Stadtamt Bremen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird seit 2004 vom Stadtamt Bremen, Ausländeramt, Kfz-Zulassungstelle und Fundamt gemietet, der Eigentümer ist die EWE. Ein Umstand, der mit der inzwischen gängigen Praxis zusammenhängt, Gebäude nicht mehr selbst zu bauen, zu besitzen und zu betreiben, sondern dies an spezialisierte Unternehmen abzugeben. Eine Praxis, die auch von der öffentlichen Hand betrieben wird. Die Frage, ob dies im Endeffekt wirklich günstiger ist oder „nur“ eine temporäre Ersparnis erbringt, wurde hierbei in den Raum gestellt.

Das Kfz-Amt bildet aber auch Baustein der Bremer Automeile. Unser Spaziergang führte uns weiter an Autohäusern, Autowaschstrassen und (Auto-)Tankstellen vorbei zu einem Atoll der Heimwerker. Ein riesiger Drive-Inn Baumarkt hat sich mit 24.000m2 Fläche an der Stresemannstraße ausgebreitet. Große Tore erlauben es den Kunden direkt in eine der Hallen einzufahren und dort ihr Fahrzeug direkt zu beladen. Das hier massiv Boden versiegelt wurde, wird von den wenigen begrünten Parkplatzflächen und der begrünten Dachlandschaft nicht wirklich verdeckt.


Der weite Weg um das Gebäude herum führte uns unter der Bahnlinie nach Hannover hinweg in einen abgeschlossenen, versteckten Bereich zwischen eben dieser Bahnlinie und der Linie Bremen – Osnabrück. Wenn nicht gerade ein Zug die Stille störte, war dies ein höchst idyllischer Ort. Links eine Gärtnerkolonie weiter Richtung Sebaldsbrück sogenanntes „graues Gewerbe“, dass sich bis zur Fahrradstraße Hastedt-Alte Vahr erstreckt. Dieses wirklich ausgedehnte Gewerbegebiet an der Neidenburger Straße ist weitgehend unbekannt. Zwischen Tanzräumen, Gebrauchtwagenhändlern oder Waschmaschinenmonteuren fand sich   hier auch noch ein einsames Kaisenhaus.


Über einen gut genutzten Fahrrad- und Fußweg (Autos waren nicht erlaubt) erreichten wir erstaunlich schnell die Gartenstadt Vahr. An der Benneckendorfallee, die ursprünglich als Entlastungsstraßen geplant war und heute ein Fahrradschnellweg ist, hielten wir kurz und diskutierten mit Blick auf den Sozialen Wohnungsbau der 50er und 60er Jahre die gegenwärtige Situation, in der es nach Jahren des Überangebots wieder an bezahlbaren Wohnungen fehlt, da es für freie Bauträger eben keine Anreize gibt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wenn sie mit hochpreisigem Wohnungsbau wesentlich höhere Gewinne einstreichen können.

Unser Spaziergang endete nach Durchquerung der Gartenstadt Vahr auf dem Parkplatz eines großen Einkaufszentrums mit Blick auf den Rennplatz Bremen. Die großen Parkflächen des Supermarkts fanden an diesem Sonntag noch einmal Anklang für die Besucher des Renntages, doch dieses Rennen könnte durchaus das letzte gewesen sein.

Wir danken allen, die auf den Spaziergängen dieses Jahr dabei waren und laden zu neuen Urbanen Spaziergängen in Kooperation mit ÖkoStadt Bremen e.V. im Jahre 2013 ein.

P.S.: Wir waren nicht auf dem Rennplatz, weil am Eintritt nach zwei Stunden noch immer der volle Preis verlangt wurde.

Vielen lieben Dank auch für die Fotografien von Thorben Thürmer (c) 2012.

Montag, 5. November 2012

AAA in der Süddeutschen Zeitung am 02.11.2012

Hier ist der Link zum Artikel "Schätze an der Straße" von Joachim Göres vom 02.11.2012. Erschienen in der Süddeutschen Zeitung.

Fotografie: AAA, D. Schnier (c) 2008

Dienstag, 16. Oktober 2012

Urbaner Spaziergang "Stadtverfüllungsfläche - Zwischen Gartenstadt und Autobiotop" am Sonntag, den 21.10.2012 um 14Uhr


Wie in einem automobilen Biotop wird die Umgebung der Kfz-Zulassungsstelle von Autohäusern und Autodächern dominiert. Die automobilisierte Einkaufsstraße führt den Fahrer durch eine Szenerie, die von Parkplätzen, Waschanlagen und befahrbaren Baumärkten durchsetzt ist. Auf ihren Rückseiten drängen sich die an den Rand geschobenen Nutzungen. Schmale Wege, Buckelpisten und Brombeerhecken sperren die Automobilisten aus dieser morbiden Kulisse aus.
Zwischen dem historischen Stadtzentrum und den Industriequartieren gelegen, wirken die Stationen unseres dritten Urbanen Ökostadtspaziergangs wie eine stadtentwicklerische Füllmasse. Auf Gewerbe folgen Kleingärten, auf die Gärten die Gartenstadt Vahr und auf diese wiederum das eher kleinbürgerliche Ambiente des alten Sebaldsbrück. Ganz im Gegensatz dazu und eher versteckt liegen mittendrin die Galopprennbahn und der Schlosspark.

Der Spaziergang ist kostenlos.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! AAA

Datum: Am Sonntag, den 21.10.2012 um 14Uhr
Start: Haupteingang Stadtamt Bremen, Stresemannstr. 48, 28207 Bremen

Mit freundlicher Unterstützung des Senator für Umwelt, Bau, Verkehr in enger Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.
AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier

Weser Kurier "Hastedts Industriekultur auf der Spur" vom 01.10.2012

Artikel im Weser Kurier von Herrn Edwin Platt siehe Hyperlink: © Copyright Bremer Tageszeitungen AG Text: Edwin Platt, Fotografien: Petra Stubbe, Ausgabe: SOS Seite: 4 Datum: 01.10.2012

Resumee und Dokumentation "Stadt Rahmen" am 23.09.2012 um 14Uhr




Resumee und Dokumentation "Stadt Rahmen"

Begibt man sich in den Schatten des Kohlekraftwerks in Hastedts, begibt man sich in die Bremer Industriegeschichte. Diese Erkenntnis gewannen wir auf unserem vergangenen Urbanen Ökostadtspaziergang sehr schnell. Die hier erzeugte Strom trieb die Maschinen von Traditionsfirmen wie der Lloyddynamowerke, der Deutsche Waggonbau oder von Borgward an. Viele der alten Industriegebäude stehen noch und werden teilweise noch als Produktionsstätten genutzt, viele von ihnen sind in eine neue Nutzung überführt wurden.
So haben sich im Ogo-Haus mittlerweile Künstler mit Atelier- und Wohnlofts angesiedelt, der direkte Blick auf das Kraftwerk ist für sie eher Inspiration denn Abschreckung. Reinhold Budde und Jürgen Moldenhauer gaben uns während des Spaziergangs die Möglichkeiten, einen kleinen Blick in die neuen, alten Räume werfen. Auch in der benachbarten alten Goliath Firmenverwaltung sitzen mittlerweile Software-Unternehmen oder Architekturbüros. Auch hier hatten wir das Glück, einen Blick in die historischen Räume werfen zu können.

Historisch ist dabei eine Kategorie, die in Hastedt gar nicht so weit in die Vergangenenheit greift. Der im Titel des Spaziergangs benannte Rahmen aus vierspurigen Verkehrstrassen ist erst in den 60er Jahren entstanden und einige Teilnehmerinnen konnten sich noch gut an die Zeiten erinnern, als die Föhrenstraße die Hauptstraße des Quartiers bildete und Maler- und Pfalzburgerstraße noch nicht den Stadtteil zerschnitten. Erst mit zunehmenden Wohlstand und der Automobilisierung der Bevölkerung wurden die Straße in diesem Maße ausgebaut, dass ganze Quartiere voneinander getrennt wurden.
Denn das ein so gut übersehbares Hindernis wie eine Straße die gleiche Wirkung wie eine Mauer entfaltet, merkten wir nach Überschreiten der Malerstraße sofort. Das Innere von Hastedt, die Straßenzüge zwischen Fleetrade, altem Postweg oder Hastedter Heerstraße sind weitgehend unbekannt. In den Hinterhöfen alter Bremer Häuser existieren teilweise noch Gewerbebetriebe, teilweise sind hier Wohnhäuser entstanden. Es verbirgt sich hier aber auch Bremens historischer jüdischer Friedhof.

Der Blick in die Hinterhöfe konnte dabei nur ausschnittsweise geschehen und machte neugierig auf weitere Erkundungen, die am Sonntag, den 21. Oktober um 14Uhr mit dem nächsten Urbanen Ökostadtspaziergang "Stadtverfüllungsfläche" weitergehen.

Dank an Thorben Thürmer für die GPS-Daten (siehe hier)

Nächster Urbaner Spaziergang "Stadtverfüllungsfläche" am Sonntag, den 21.10.2012 um 14.00Uhr vor dem Stadtamt Bremen an der Stresemannstr. 48, 28207 Bremen

Dienstag, 4. September 2012

Urbaner Spaziergang "Stadt Rahmen" am 23.09.2012 um 14Uhr



Schon von weitem markieren die Wolken über den Schornsteinen des Kohlekraftwerks die Lage von Hastedt im Bremer Stadtgebiet. In ihrem Schatten erstrecken sich die Fabrikhallen alter Bremer Traditionsunternehmen, deren Strukturen einst den gesamten Bremer Osten prägten. Breite Verkehrsschneisen durchlaufen den Stadtteil und fassen ihn gleichsam in einen grauen Rahmen aus Beton. Doch nur wenige Schritte weiter verlieren sich diese klaren Formen, verwinkelte Straßenzüge und versteckte Grünflächen erzeugen das Gefühl von Unübersichtlichkeit.

Auf unserem zweiten Urbanen Ökostadtspaziergang tauchen wir in den Dunst des Kohlekraftwerks ein. Hinter den industriellen Fassaden entdecken wir neue Nutzungen und im Gewirr der alten Dorfwege stolpern wir über Formen neuen Wohnens und kreativer Lückennutzung.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! AAA

Datum: Am Sonntag, den 23.09.2012 um 14Uhr
Start: Kraftwerk-Hastedt, Föhrenstr. 76, Bremen
Der Urbane Spaziergang ist kostenlos.

Mit freundlicher Unterstützung des Senator für Umwelt, Bau, Verkehr in enger Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.
AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier

Weser Kurier, 30.08.2012 "Industrie und Wohnen nebeneinander"