Dienstag, 27. Juli 2010

"Die Stadt als Spielwiese" - Film- und Diskussionsabend II

Freundinnen und Freunde der Kunst,


am Donnerstag, den 29.07.2010 findet auf dem "Neuland - Urbanes Labor des guten Lebens" um 19:30 Uhr der

2. Themenabend zur Gentrifizierung statt.



ab 19:30 Uhr:

"Empire St. Pauli – von Perlenketten und Platzverweisen"

Dokumentarfilm von Irene Bude und Olaf Sobczak, Produktion Steffen Jörg, GWA St. Pauli, 2009, 85 Min.


Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli war lange auch der ärmste. Mittlerweile leben und arbeiten hier jedoch immer mehr Gut- und Bestverdienende. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich. Der Film zeigt, dass St. Pauli nicht nur als Ausgeh- und Amüsierviertel, sondern vor allem als Wohn- und auch Wirtschaftsstandort attraktiv geworden ist. Altbauten verschwinden oder werden aufwändig saniert, das Mietniveau steigt rasant, Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Wer sich wehrt oder nicht mehr in das neue Bild passt wird des Ortes verwiesen - direkt oder indirekt. Verschiedenste St. PaulianerInnen kommen zu Wort: AnwohnerInnen, Angestellte, KünstlerInnen, Gastwirtinnen, Großinvestoren, SozialarbeiterInnen, Hoteliers, RechtsanwältInnen, der Bezirksamtsleiter und viele mehr. So bildet der Film jenseits von Rotlicht, Kleinkriminellen und Arme-Leute-Klischee ein vielfältiges Meinungsspektrum ab.


Weitere Informationen:

http://www.empire-stpauli.de/index.php


ca. 21 Uhr:

Diskussion mit dem Publikum und

Till Wolfer / Gängeviertel / HfBK, Hamburg

Oliver Hasemann / Autonomes Architektur Atelier, Bremen

Daniel Schnier / Autonomes Architektur Atelier, Bremen

Michael Ziehl / Gängeviertel, Hamburg (Moderation)


Auch der zweite Neuland-Diskussionsabend widmet sich dem vielschichtigen Themenkomplex um Stadtentwicklungspolitik, Kulturproduktion und Gentrifizierung. Diesmal wird als Bezugspunkt nach Hamburg geschaut. In der seit Jahren wachsenden Stadt hat die städtische Aufwertungs- und Verdrängungspolitik ein besonderes Ausmaß angenommen. Ganze Stadtteile werden von der Stadtregierung als Spielwiese für Investoren freigegeben. KulturproduzentInnen aller Art werden als Imagefaktor bewusst vorgeschaltet und Teil städtischer Aufwertungsstrategie. Diese wehren sich mittlerweile intensiv gegen ihre Instrumentalisierung zum Zwecke der Imagebildung und Stadtteilaufwertung. Mit dem viel beachteten Manifest gegen die „Marke Hamburg“ von der Gruppe „Not in our Name“ und der Besetzung des Gängeviertels im August vergangenen Jahres durch die Initiative „Komm in die Gänge“ hat hier der Widerstand eine neue Qualität erreicht. Dieser versteht Stadt als Spielwiese eher als Ort selbstbestimmter Raumaneignung und bottom-up Entwicklung. Die Auswirkungen dieser gegensätzlichen Auffassungen sind aber nicht immer so konträr wie es scheint, denn auch besetzte Häuser und Bauwagenplätze können ihren Teil zur attraktiven Stadt beitragen und unfreiwillig einen prekären Platz im stadtpolitischen Entwicklungsystem einnehmen.


Eine Veranstaltung vom Autonomen Architektur Atelier (AAA) in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen.


www.aaa-bremen.de

www.rosa-luxemburg.com

www.das-gaengeviertel.info


Außerdem an diesem Tag im Neuland:


nachmittags:

live street-art performance

„Bremer Stadtmusikanten“

von Künstlern aus dem Gängeviertel


abends:

typographische Projektion zur kritischen Theorie der Stadt:

„Flaneure, Lumpensammler, Huren
 & Bohéme“

von Susanne Lumpp &
 Martin Petersen


www.neuland-bremen.org


Wir laden Euch herzlich zu unserer Veranstaltung ein – und freuen uns auf Euren Besuch!


Mittwoch, 7. Juli 2010

Urbaner Spaziergang "Zwischen Grün und Zwischen Nutzung" am Sonntag, den 08. August 2010 um 14.00Uhr

Nischen und Lücken entlang der grauen Schneise

Straßen und Schienen verbinden Bremen mit seinem Umland und mit der weiten Welt. Waren und Menschen fließen aus und in die Stadt. Eine Lebensader für die moderne Stadt auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite eine graue Schneise für ihre direkten Anwohner. Zwischen Stephanibrücke und der Autobahnabfahrt Neustadt bilden Hochstraße und Bahnstrecke eine unüberwindliche Barriere, die Woltmershausen und die Neustadt voneinander trennt. In ihrem Schatten hat sich eine Nachbarschaft abgeschobener Nutzungen entwickelt, Leerstände und sanierungsbedürftige Bauten prägen das Bild. Daneben gibt es lärmresistente AnwohnerInnen, vereinzeltes Gewerbe aber auch überraschend viel Grün, das hier unbemerkt einen Teil der Stadt zurückerobert.

Auf unserem ersten Urbanen Ökostadtspaziergang 2010 spüren wir den Zwischennutzungen nach, die sich in einem vernachlässigten Raum gebildet haben. Dank mangelnder öffentlicher Wahrnehmung und damit einhergehend reduzierter Pflege, konnten sich hier Biotope herausbilden, die nicht den üblichen Verwertungsmechanismen unterliegen.

Auf verschlungenen Pfaden führt uns unser Spaziergang in eine unbekannte Nachbarschaft inmitten der Stadt und auf eine Expedition in eine Zwischenwelt.

Ausgangspunkt für diese Expedition in eine Zwischenwelt ist der Neustadtsbahnhof um 14 Uhr am Sonntag, den 08. August 2010.

Mit freundlicher Unterstützung der Architektenkammer Bremen, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Kooperation mit ÖkoStadt-Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotografien: Daniel Schnier


Mittwoch, 30. Juni 2010

ABFERTIGUNGsfreier Tag am 3. Juli 2010 um/ab 14Uhr

Einladung in die Abfertigung Hansator – Zwischennutzung in der Überseestadt, 28217 Bremen (3. Juli 2010)

Der Wandel der Produktionsweisen, veränderte Nachfragen und der demographische Wandel führen immer wieder zum Leerstand von Gebäuden und Brachen. Als Leerstellen im städtischen Kontext bilden sie Unorte, die auch negativ auf ihr Umfeld ausstrahlen. Die Abfertigung Hansator nutzt als Zwischennutzungsprojekt des Autonomen Architektur Ateliers ehemalige Räume des Zollamts Überseehäfen. Anstatt das Gebäude leerstehen und verfallen zu lassen, dient es jetzt 16 kreativen Nutzerinnen als Büro, Werkstatt oder Atelier auf Zeit.

Im Rahmen der Architekturzeit 2010 der Architektenkammern Bremen und Niedersachsen stellt die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) Bremen die Funktionsweise von Zwischennutzungen vor. Am lebenden Beispiel ABFERTIGUNG Hansator können Besucherinnen und Besucher einen Blick auf die funktionierende Zwischennutzung werfen und sich persönlich einen Eindruck verschaffen. Dazu wird es einen Vortrag der ZwischenZeitZentrale über die Ziele und Aufgaben der ZZZ und Angebote der Nutzerinnen der Abfertigung geben.

Am 3. Juli 2010 steht die Abfertigung BesucherInnen ab 14Uhr offen, um 15Uhr wird es den Vortrag zu sehen geben.

Kontakt: ZwischenZeitZentrale Bremen

www.zzz-bremen.de

kontakt@zzz-bremen.de


http://www.abfertigung.de

Freitag, 28. Mai 2010

Bremer Anzeiger, 23.05.2010

© Copyright Bremer Anzeiger, Datum: 23.05.2010

Donnerstag, 1. April 2010

Vortrags- und Diskussionsabend in der Abfertigung am 21. April 2010 um 19Uhr

„Die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung“


mit einem Gastvortrag von Prof. Dr. Volker Kirchberg, Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste, Uni Lüneburg

„Die Vermessung der Schnittfläche: Kunst und Stadtentwicklung im Vergleich von Hamburg und Baltimore“

anschließend Diskussion

Mittwoch 21. April 2010 19:00 Uhr
Hansator 1 (Abfertigung)
28217 Bremen


Im Zentrum steht die Frage nach der aktuellen Bedeutung von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung. Mit Hinblick auf die zukünftige Entwicklung Bremens soll diskutiert werden, wie geeignet erscheinende Ansätze in die aktuelle Stadtentwicklungspolitik eingebettet werden können. Insbesondere vor dem Hintergrund des neuen Bremer Leitbildes „Komm mit nach morgen - Bremen! Lebenswert, urban, vernetzt“ und der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes.

Als Diskussionsgrundlage stellt Prof. Dr. Volker Kirchberg Ergebnisse aus seinem aktuellen Forschungsprojekt zu diesem Thema vor. Seine Studie basiert auf dem Vergleich von Hamburg und Baltimore - zweier „Second Cities“ - über den Zeitraum von 15 Jahren. Während dieser Zeitspanne führte er Interviews mit städtischen Akteuren des Kultursektors - von Museums- und Theaterdirektoren über Leiter städtischer Kulturverwaltungen bis hin zu Stadtplanern und Projektentwicklern, die Kulturprojekte als Teil der Stadtentwicklung verstehen (u.a. Quartiersmanager und Verantwortliche der städtischen Wirtschaftsförderung).
Ziel war es Antworten auf die Fragen zu finden:

- Wie werden Kunst und Kultur in den beiden Städten eingesetzt?
- Wo gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede?
- Was sind die jeweiligen Gründe, Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung einzusetzen?
- Wie intervenieren Kulturpolitik und -verwaltung in die Kausalitäten von Kultur und Stadtentwicklung?

Als Ergebnis definierte Volker Kirchberg bisher mehrere Funktionen von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung, die man grob in vier Kategorien unterteilen kann:

- Kunst und Kultur gelten als Allheilmittel für die Revitalisierung der postindustriellen Städte.
- Eine kulturell-kosmetisch behandelte Stadtwelt kann ein fruchtbarer Boden für (eine) Kreativität sein, die in Wirtschaftswachstum und Jobs resultiert. Die Frage bleibt, ob mit dieser Unterstützung nachhaltiges oder Strohfeuer-Wachstum geschaffen wird.
- Politiker verstehen Kunst und Kultur auch als Komponente einer liebens- und lebenswürdigen städtischen Lebensumwelt. Mit Kunst und Kultur wird (soziale) Lebensqualität geschaffen, Bildung unterstützt und ein kulturelles, identitätsbildendes Image geschaffen.
- Stadtentwickler verstehen Kunst und Kultur hingegen oftmals als Faktor der Vermehrung von Kapital (an Grund und Gebäuden).

Über die 15 Jahre hinweg stellte er dabei einen Wandel der Legitimierung von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung und Stadtpolitik fest. Von einer unmittelbaren stadtwirtschaftliche Wirkung der Kultur über Umwegrentabilitäten hin zu der indirekten positiven Wirkung der künstlerischen Kreativität auf die postindustrielle Wirtschaftskraft und das Image einer global agierenden Stadt als „Kreative Stadt“. Heute werden Kunst und Kultur in Hamburg und Baltimore zwar nicht unterschiedlich bewertet, die Art der Instrumentalisierung differiert aber in den beiden Städten deutlich. Volker Kirchberg illustriert dies an spezifischen Kulturräumen in den Städten, deren Ursachen, Entwicklungen und Aussichten er bewertet und aufgrund der stadtspezifisch unterschiedlichen sozio-ökonomischen, politischen und kulturellen Kontexte analysiert hat.
Damit stellt er zwei Modelle gegenüber, die beide Stadtentwicklung durch Kunst und Kultur praktizieren. In der anschließenden Diskussion soll es um die Farge gehen, ob Bremen aus einem der beiden Modelle für die zukünftige Stadtentwicklung lernen kann und wie als geeignet erscheinende Ansätze in die aktuelle Stadtentwicklungspolitik eingebettet werden könnten.

links:

Leuphana Universität Lüneburg, Forschung und Projekte, Prof. Dr. Volker Kirchberg: „Die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Stadtentwicklung“
Die Tageszeitung, das Montagsinterview mit Prof. Dr. Volker Kirchberg: „Kreativität kann man nicht Planen“ vom 14.02.2010

Diskussionsreihe Gängeviertel "Wie sieht die Stadt aus, in der wir leben wollen?“ Teil 3,
„Räume für Kultur“ mit Amelie Deuflhard (Kampnagel) und Prof. Dr. Volker Kirchberg, Podcast Freies Sender Kombinat vom 15.12.2009

Ein Satellit des Klub Dialog. Unterstützt von der WfB.

Dienstag, 9. März 2010

Präsentation der ZwischenZeitZentrale Bremen

Schluss mit gähnender Leere:

die ZwischenZeitZentrale weckt ab sofort schlafende Häuser in Bremen

Öffentliche Präsentation
Freitag 12. März 2010 ab 17 Uhr
Plantage 9, 28215 Bremen

Vorstellung der ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ) durch das ZZZ-Team mit den Gastrednern:

Martin Günthner, Senator für Wirtschaft und Häfen
Dr. Reinhard Loske, Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa
Ralf Schumann, GEWOBA Geschäftsbereichsleiter und „Ermöglicher“
Sönke Busch, Autor und „Zwischennutzer“
Immo Wischhusen, Musiker und „potentieller Zwischennutzer“
ZZZ – so schlummern vielerorts leer stehende Gebäude und Brachflächen friedlich vor sich hin. Die ZwischenZeitZentrale Bremen küsst sie mit neuen Ideen und Konzepten wieder wach.

Ob private oder öffentliche Objekte, Flächen oder Gebäude, kleine oder große Einheiten – immer wieder entstehen Zwischenzeiten bei Immobilien und Flächen verschiedenster Art. Die vorherige Nutzung ist abgeschlossen, die neue lässt noch auf sich warten. Zwischennutzungen füllen diese Zeiträume mit Leben. Sie aktivieren Nischen im Stadtgefüge nach dem Prinzip „vergünstigter Raum gegen befristete Nutzung“ und schaffen so ideale Startbedingungen für junge Unternehmen, Initiativen und Vereine. Aus dem Zusammenspiel von aufgeschlossenen EigentümerInnen und kreativen ZwischennutzerInnen entstehen Start-up-Büros in leer stehenden Gebäuden, finden temporäre Veranstaltungen auf verwilderten Brachen statt und werden ehemalige Güterbahnhofsgebäude zu Sport- und Freizeitstätten umgewandelt. Zwischennutzungen sind vielfältig und bereits jetzt an vielen Orten in Bremen anzutreffen. Die ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ) spürt neue-alte Räume auf, berät EigentümerInnen, entwickelt mit NutzerInnen Konzepte und begleitet Zwischennutzungsprojekte.

Der Veranstaltungsort - das ehemalige Betriebsgebäude der Firma Domeyer in der Plantage 9 - ist mit Blick auf die sich hier entwickelnde Zwischennutzung (Projekttitel „BRICOLAGE PLANTAGE“) gewählt worden. Das stadteigene Gebäude bietet ideale Bedingungen für kreative TüftlerInnen, KünstlerInnen und Start-Up-UnternehmerInnen, die hier an der Umsetzung ihrer Ideen arbeiten und diese weiterentwickeln können. Die Bildung einer Gemeinschaft von ZwischennutzerInnen für diesen Ort wurde von der ZZZ bereits initiiert.

Die ZZZ ist ein Pilotprojekt im Rahmen der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und ist beim Senator für Wirtschaft und Häfen angesiedelt. Weitere Partner sind der Senator für Bau, Umwelt, Verkehr und Europa, die Senatorin für Finanzen, die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) und die Immobilien Bremen (IB).

Umgesetzt wird die ZZZ von Oliver Hasemann (Dipl.-Ing. Raumplanung) und Daniel Schnier (Dipl.-Ing. der Architektur) vom Autonomen Architektur Atelier (AAA) in Kooperation mit Sarah Oßwald (Dipl.-Geogr.) aus Berlin und Michael Ziehl (Dipl.-Ing. der Architektur) aus Hamburg.

Interessierte – insbesondere Menschen mit Zwischennutzungsidee im Kopf, bzw. mit Räumen ohne Nutzung im Besitz – können sich ab sofort bei der ZZZ melden.

Kontakt:
ZZZ ZwischenZeitZentrale Bremen
Hansator 1 (Abfertigung), 28217 Bremen
http://www.zzz-bremen.de
kontakt@zzz-bremen.de
0421 / 52 10 29 1

Montag, 25. Januar 2010

Über den Tellerrand

3Sat, bzw. kulturzeit hat einen sechsminütigen Sendebeitrag zusammengestellt und berichtete.

Wir waren in Hamburg und haben uns informiert. Michael Ziehl und Daniel Schnier saßen bei der Präsentation der Studie Zitat "Kreative Milieus und offene Räume in Hamburg" in der Freien Akademie der Künste in Hamburg und waren verwundert über das Erlebte.
Die Studie hat Studio Urban Catalyst aus Berlin erstellt und kann hier heruntergeladen werden:
Studie "Kreative Milieus und offene Räume in Hamburg" als PDF (zirka 20MB, 143 Seiten).

(Bild: © Tom Unverzagt)

Zitat www.hamburg.de: "Welche kreativen Milieus gibt es in Hamburg? Wie sind sie entstanden? Welche geeigneten Ansätze gibt es zur Förderung kreativer Milieus und wo könnten sich diese in Hamburg in der Zukunft entwickeln? Dies sind Kernfragen des Gutachtens „Kreative Milieus und offene Räume“, das die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Anfang 2009 in Auftrag gegeben hat und das heute im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Senatorin Anja Hajduk, Senatorin Prof. Dr. Karin von Welck , Bernhard Fischer - Appelt, fischerAppelt AG, und Christine Ebeling, Sprecherin der Hamburger Initiative ‚Komm in die Gänge‘, in der Freien Akademie der Künste vorgestellt wird."

Montag, 28. Dezember 2009

Mehr Freiraum - Hörstück von Ruth Rach (Deutschlandfunk, 5:00min.)

Ein Bericht, der heute auf Deutschlandfunk zu hören war:
Mehr Freiraum für Künstler Link zum Bericht vom 28.12.2009 9:12Uhr, (5:00min.)

Hausbesetzer in London
von Ruth Rach (Europa heute)

In London herrscht Wohnungsnot, bezahlbarer Wohnraum ist nur schwer zu finden. Gleichzeitig stehen ganze Hochhäuser leer. Gegen diesen Leerstand geht jetzt eine Künstlergruppe vor - mit Erfolg. Die Curzon Street in Mayfair, London. Exklusive Hotels, Luxuslimousinen, diskret bewachte Botschaften. Ein Immobilienbüro, im Schaufenster Objekte ab elf Millionen Pfund. An der Ecke Curzon/ Bolton Street steht ein wuchtiger Bürobau, neun Stockwerke hoch. Die Fenster sind dunkel. Es ist Abend, und bitterkalt.

Dann flammen im Parterre grelle Scheinwerfer auf. Man sieht nackte Fensterscheiben. Leere Räume, an den Wänden Drucke, Grafiken, expressionistische Bilder. Junge Leute, die sich an einem Öfchen wärmen.

Die Gruppe Oubliette lädt zur Vernissage. Vor ein paar Tagen hat sie das ganze Haus besetzt. Es hat einen Marktwert von rund 100 Millionen Pfund. Und steht seit zwölf Jahren leer. Die Künstler sind obdachlos. Jetzt wohnen sie in den oberen Stockwerken. Zumindest vorübergehend.

Wir machen leere Räume für Künstler nutzbar, die am Anfang stehen und kaum Chancen haben, ihre Werke der breiteren Öffentlichkeit zu zeigen, sagt Daniel Simon, 31, Projektleiter von Oubliette. Der Name geht auf das französische Wort "oublier" zurück: ein vergessener Ort. Im Sommer besetzte die Kunstkollektive die frühere mexikanische Botschaft und die ehemalige Hochkommission von Tansania. Ebenfalls in Mayfair. Ergebnis: riesige Schlagzeilen. Gratis Publicity.

Inzwischen treffen die ersten Besucher ein. Schickeria, Künstlerszene, Obdachlose. Ein eklektischer Mix. Una, eine elegante Frau, findet das Event fantastisch. In der Stadtmitte von London gibt es unzählige leer stehende Gebäude, viele im Besitz von Spekulanten, die gar nie vorhaben, die Bauten zu nutzen. Schlichtweg obszön, angesichts der akuten Wohnungsnot.

Hausbesetzen - "squatting" - sei in Großbritannien durchaus legal, solange man sich nicht mit Gewalt Zutritt verschaffe. Allerdings müsse das Gebäude leer und unbenutzt sein, erklärt Daniel Simon. Ein Schloss kaputt zu schlagen wäre Sachbeschädigung und somit strafbar. Aber ein halb offenes Fenster - ideal! Die Regelung ist nur in England und Wales gültig, nicht aber in Schottland. Die Besetzer berufen sich auf ein Grundrecht aus dem 14. Jahrhundert, als sich besitzlose Bauern gegen ihre Feudalherren auflehnten.
Ist das Haus besetzt, entsteht ein zivilrechtlicher Disput zwischen dem Squatter und dem Besitzer. Wobei der Besitzer erst einmal beweisen muss, dass ihm das Gebäude tatsächlich gehört. Das dauert Monate.

Einer der Künstler ist Philip Firsov, 24, in Moskau geboren, in Großbritannien aufgewachsen. Philip ist Absolvent der angesehenen Slade School of Fine Art. Auch er ist Squatter, Hausbesetzer. "Ich gehöre zu einer ganzen Generation verlorener Leute, die durch das Bildungssystem geschleust wurden, und jetzt auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Aber ich will nicht von der Stütze leben."

Unterdessen kommen immer mehr Gestalten durch die Tür, verfroren, dick vermummt, mit Schlafsäcken und Plastiktüten beladen. Sie verschwinden im stockfinsteren Treppenhaus.
Brian, ein schlaksiger Jugendlicher, lebte drei Monate lang in einer leeren Villa in Hampstead, Nordlondon. Dann wurde die "Wohngelegenheit" von Punks entdeckt. Sie setzten ihn vor die Tür. Er zog ins weniger feine Camberwell in Südlondon. Doch vor zwei Tagen kam der Besitzer mit einem türkischen Schlägertrupp, und der schlug ihn - buchstäblich - in die Flucht. Dennoch schätzt sich Brian glücklich, dass es in Großbritannien Squatterrechte gibt - denn sonst müsste er auf der Straße leben.
Der Abend ist der Organisation "Connections" von St Martins in the Field gewidmet, eine Obdachlosenstiftung gleich neben dem Trafalgar Square.
Wir bekommen jeden Tag mindestens 200 Besucher, erzählt Wyn Newman von Connections, ebenfalls unter den Gästen. Die Stiftung organisiert nicht nur praktische Hilfeleistungen und Trainingskurse, sondern auch Kunst- und Theaterworkshops. Wie viele Obdachlose es in der britischen Hauptstadt gibt, weiß niemand. Manche haben den Kontakt zur Umwelt völlig abgebrochen.

Auch der Projektleiter von Oubliette, Daniel Simon, von Beruf Grafikdesigner, weiß, wie es ist, ohne feste Adresse zu leben. Er war vor acht Jahren selbst Squatter. Nun schwebt ihm der Traum eines kommunalen Kunsthauses - eines Art House - vor, das leere Gebäude vor dem Verfall rettet und der breiteren Gesellschaft öffnet. Den bislang größten Erfolg hatte sein Kollektiv im Frühjahr. Auch da besetzte Oubliette Räumlichkeiten in bester Lage, beim Bahnhof Waterloo.

"Wir hatten auch den experimentellen Theatertrupp Donkeyworks eingeladen. Das Ensemble wurde prompt von Kritikern entdeckt und hat inzwischen den Sprung auf etablierte Bühnen geschafft. Ich finde wir haben ein wunderbares Modell entwickelt, das finanziell von niemand abhängig ist und für jede Art von Kunst und Kreativität total offen."

(c) 2009 Deutschlandradio Körperschaft des öffentlichen Rechts Postanschrift: Raderberggürtel 40, 50968 Köln Gesetzlicher Vertreter: Intendant Dr. Willi Steul Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer: DE 123052353 dradio.de dradio.de ist das Online-Angebot von Deutschlandradio Gesamtverantwortung: Dr. Günter Müchler (Online-Beauftragter), Dietmar Timm (Geschäftsführend) Es wird im Auftrag und unter der inhaltlichen Verantwortung von Deutschlandradio produziert von der Deutschlandradio Service GmbH (Amtsgericht Köln HRB 31135) Raderberggürtel 40, 50968 Köln info@dradio-service.de Abteilungsleiter Online: Dr. Egbert Meyer

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Schöne Feiertage wünscht das AAA!

Das AAA wünscht allen schöne Feiertage und freut sich schon auf das Jahr 2010. Diese Fotos entstanden vor der Abfertigung und wurden von Dennis Blöte erstellt.

Mittwoch, 18. November 2009

WESER KURIER, 16.11.2009

Spaziergang durch eine "tote Stadt"
Autonome Architekten erkunden ehemalige und aktuelle Bauplätze in der Neustadt


Von Christian Meyer
Alte Neustadt. Der Matsch stört niemanden. Viel zu interessant und aufregend ist nämlich der Grund für die schmutzigen Schuhe: Mitglieder und Gäste des Autonomen Architektur Ateliers (AAA) betreten beim "urbanen Stadtspaziergang" unter anderem das Baugrundstück rund um die Umgedrehte Kommode.
Die Route, die sich Daniel Schnier und sein Kollege Oliver Hasemann vom AAA diesmal für die rund 100 Teilnehmer ausgedacht haben, führt über den Teerhof und das Franziuseck schnurstracks zur Umgedrehten Kommode an der Werderstraße. Etwa drei- bis viermal im Jahr veranstaltet das AAA einen sogenannten urbanen Stadtspaziergang. Dabei sollen besondere Orte eines Stadtteils vorgestellt werden, die außerdem exemplarisch für die Entwicklung eines Quartiers stehen.
Das Bauprojekt in der Werderstraße, dort sollen in den kommenden Jahren etwa 300 Wohneinheiten entstehen, ist bei vielen Bremern umstritten. Genau wie das Vorhaben am Franziuseck. Hier sind drei Gebäude geplant (wir berichteten). So beteiligten sich am Spaziergang der Architekten auch viele Mitglieder der Bürgerinitiativen, die sich gegen die Bauvorhaben oder deren Folgen wehren.
Erste Station des Spaziergangs ist der Teerhof, "die tote Stadt", wie sie Daniel Schnier nennt. "Bis zum Anfang der 90er- Jahre war das hier noch eine Fläche zum Parken", erklärt Hasemann. Um die Stadt, vor allem die Innenstadt zu beleben, wurden Wohnhäuser auf dem Areal gebaut. Und um die Fläche, die zwischen zwei Weserarmen eingeklemmt ist, an das Schlachte-Ufer anzuschließen, wurde dann 1993 die Teerhofbrücke gebaut.
"Die ist ein sehr teurer Witz", erläutert Architekt Hasemann. Erst sei sie zu niedrig geplant worden, woraufhin die Brücke wegen des Schiffverkehrs höher gelegt werden musste. Und heute werde die Brücke sehr wenig genutzt, stellt Schnier fest. Das liege wahrscheinlich daran, dass sich der Hauptverkehr auf den zwei Brücken, zwischen die der Teerhof eingeklemmt ist, abspiele. Für ihn sei der Teerhof ein Beispiel für verfehlte Stadtplanung. Dem Quartier fehle einfach die richtige Mischung.
Die Bauvorhaben an der Werderstraße werden in den nächsten Jahren etwa 1000 neue Einwohner in die Neustadt locken. Der Großteil davon wird Wohnungen auf dem ehemaligen Wasserwerkgelände beziehen. "Seit 1983 wird die Umgedrehte Kommode nicht mehr zur Wasseraufbereitung genutzt", erklärt Schnier. Seitdem wurde über eine alternative Nutzung des Gebäudes und des Geländes nachgedacht.
Das Problem bei dem ehemaligen Wasserkraftwerk sei, dass es unter Denkmalschutz stehe, lässt Schnier die Spaziergänger wissen. Deswegen seien viele Vorschläge für eine Nutzung der Kommode bislang nicht umgesetzt worden. Ein Restaurant im oberen Teil des Gebäudes sei nicht möglich, weil man es nicht beliefern könnte. "Es gibt nur schmale Aufgänge." Die Möglichkeit, außen einen Fahrstuhl zu bauen, scheitere am Denkmalschutz.
"2004 wurde dann der Bauplan 2222 aufgestellt", berichtet Daniel Schnier. Dieser habe eigentlich auch eine Nutzung der Kommode vorgesehen. Weil die aber nach wie vor nicht in Sicht sei, sei im Bauplan auch nur von der Bebauung des Grundstücks die Rede. "Die Baufläche beträgt etwa 100000 Quadratmeter - das sind rund 20 Fußballfelder", erklärt Schnier den Zuhörern. Zwei Flächen seien für Wohnungsbau vorgesehen, weitere für Erschließung und Grünflächen. "Wobei eine Grünfläche ja alles sein kann - ein Park oder ein paar Bäume." Da könne man wirklich gespannt sein, was denn tatsächlich angelegt werde.
Mit Grünflächen in Nachbarschaft zur Umgedrehten Kommode befasst sich am kommenden Donnerstag auch der Beirat Neustadt: Bei einer Sitzung ab 19.30 Uhr in der Aula der Wilhelm-Kaisen-Schule an der Valckenburghstraße geht es unter anderem um die Grünplanung im Zuge der Stadtwerder-Bebauung, gegen die die Bürgerinitiative "Kleiner Stadtwerderwald" Sturm läuft. Am vergangenen Sonnabend fand ein Aktionstag gegen die angedachte Fällung von Bäumen für sogenannte "Sichtachsen" statt, für diese Woche sind weitere Aktionen der Initiative angekündigt. Siehe auch Bericht Seite 4.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 16.11.2009 Text von Christian Meyer freier Mitarbeiter der Bremer Tageszeitungen AG, Foto: Roland Scheitz

Sonntag, 15. November 2009

"WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" Dokumentation und Resumee vom 08.11.2009



















Stadtwerderweise

Nicht unerwartet aber in der Menge dann doch sehr überwältigend konnten wir am vergangenen Sonntag über 120 BesucherInnen an der Haltestelle Wilhelm-Kaisen-Brücke begrüßen, die sich mit uns auf eine Erkundungstour über den Stadtwerder machen wollten. Einem Areal, das momentan heiß diskutiert ist, wie wir schon gleich zu Beginn unseres Urbanen Ökostadtspaziergangs spüren konnten.

Doch bevor wir uns dem Objekt der aktuellen Diskussion näherten, führte uns der Weg an einen Ort, dessen Bebauung bis heute immer noch umstritten ist, obwohl sie größtenteils schon 20 Jahre zurückliegt. Auf dem Teerhof sind in den frühen 90er Jahren Wohnbauten entstanden, die das Provisorium aus Parkplatz, Zirkusplatz und Freifläche beendeten, das hier nach dem 2.Weltkrieg geherrscht hatte. An der Bebauung und vor allem der Freiraumgestaltung, die einen unbelebten Eindruck vermittelte, entzündeten sich auch an diesem Sonntag wieder Diskussionen darüber, warum an einer so prominenten Stelle im Bremer Innenstadtgebiet diese Lösung beschlossen wurde und warum sie nur teilweise (die Wohnungen werden gut nachgefragt) erfolgreich ist (inklusive des Schildbürgerstreichs mit der zu niedrig geplanten Brücke, die für teures Geld nachgebessert werden musste).

Die Eindrücke vom Teerhof aufgreifend führte der Weg auch am neuen Sitz der Beluga Reederei vorbei, Über die Herrlichkeit gelangten wir in die Werderstraße, wo in unmittelbarer Nachbarschaft der DGzRS ein attraktiver Flusspunkt entstehen könnte. Die Pläne hier Gebäude zu errichten, nach Schilderung der TeilnehmerInnen entweder Wohn- oder Bürogebäude, stoßen dabei allerdings auf technische und rechtliche Fragen der Machbarkeit, erregen aber vor allem auch Widerstand unter den AnwohnerInnen. Mit Blick auf die "kompakte Stadt" als Hintergrund unseres Spaziergangs wäre eine Bebauung natürlich eine Maßnahme, die dieser kompakten Stadt gerecht würde. Denn gerade in dieser zentralen Lage wären kurze Wege zu den Arbeitsplätzen und Versorgunseinrichtungen gewährleistet. Nur führt jede Bebauung im Stadtbereich natürlich zu einer Konfrontation mit den schon anwesenden NachbarInnen, die ungern auf ihren Ausblick verzichten wollen, wachsende Autoverkehre ablehnen und den vorhandenen Zustand liebgewonnen haben.

Schließlich erreichten wir das Gelände des ehemaligen Wasserwerks. Rund um die "umgedrehte Kommode" haben die Baumaschinen das lange Jahre im Dornröschenschlaf liegende Areal längst aufgeschreckt. Anstatt der 17 Filterbecken, die einst das Trinkwasser für die BremerInnen gewannen, klaffen nun Baugruben auf, in denen die Fundamente für die kommenden 350 Wohneinheiten ruhen werden. Allein die "umgedrehte Kommode" bleibt stehen, auch wenn ihre weitere Nutzung noch unklar ist. Aus einem abgeschirmten Gewerbegebiet soll sich langsam ein neues Stadtquartier entwickeln, noch steht der Zaun, noch gibt es keine BewohnerInnen und noch herrscht Skepsis. Am Zaun, nicht weit von geplanten Sichtbeziehungen zwischen Neustadt und der "umgedrehten Kommode", entspannte sich dann auch wieder die Diskussion. Bäume weg oder nicht, hilft eine Brücke über den Werdersee der Belebung des Buntertorsteinwegs, soll dieses Gebiet geöffnet werden oder ist es besser, wenn an dieser Stelle alles bleibt wie es ist? Eine spannende Diskussion, die sich auf dem Spaziergang nicht auflösen ließ und die am 19. November 2009 im Beirat Neustadt entschieden wird.
Wir danken an dieser Stelle für die Diskussion und vor allem für die Teilnahme an diesem dritten und letzten Urbanen Ökostadtspaziergang für dieses Jahr. Resümierend lässt sich festhalten, das die Anzahl der Teilnehmerinnen an den Spaziergang exponential zur Nähe zum Stadtzentrum zunahm (von 15 TeilnehmerInnen in der Hemelinger Marsch über 45 TeilnehmerInnen in Findorff hin zu 120 TeilnehmerInnen auf dem Stadtwerder), für uns ein hinreichender Beweis für das Leitbild einer kompakten Stadt.
Text: Oliver Hasemann (HB), Fotos: Björn Franke (OL) (Lieben Dank an Björn)

Sonntag, 25. Oktober 2009

Urbaner Spaziergang "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" am Sonntag, den 08.11.2009 um 14.00Uhr


"WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir"


Wasser bezeichnet den zentralen Lebensnerv jeder Stadt. An den Ufern der Weser ließen sich die ersten BremerInnen nieder, der Fluß spendete ihnen Nahrung und er trug ihre Schiffe in die weite Welt. Später entstanden weitläufige Hafen- und Industrieareale an seinen Ufern, die den Bremerinnen Arbeit und Wohlstand brachten. Die Bebauung rückte in dieser Zeit allerdings vom Fluss ab, erst mit Strukturwandel wird die Weser heute wieder weitläufiger erlebbar. Neue Wohnanlagen entstehen an ihrem Ufer, denn mit Blick auf die Weser lebte es sich schon immer gut.
Dies gilt auch für das Gelände des ehemaligen Wasserwerks auf dem Stadtwerder. Von den verschiedenen Filtrierbecken, Speichern und Gebäuden verbleiben nur noch die Umgedrehte Kommode und 3 große Speicher. Das weitere Areal wird zu einem neuen Wohngebiet inmitten der Stadt. Hier entstehen Stadthäuser und Wohngebäude in zeitgemäßer Architektur, Investoren erfreuen sich an der regen Nachfrage. Gleichzeitig verändert sich ein ganzes Quartier. Wo früher in der Nachbarschaft des Wasserwerks Ruhe herrschte und später ein Areal sich selbst überlassen wurde, gibt es nun neue Nachbarinnen und neue Belebung.

Unser Urbaner Ökostadtspaziergang führt uns auf das Areal des ehemaligen Wasserwerks. Dem Thema Kompakte Stadt unserer Reihe von drei Spaziergängen folgend sehen wir, wie hier im Innenbereich der Stadt ein ehemaliges Gewerbeareal zu einem innerstädtischen Wohngebiet transformiert wird. Wir erleben, welche Chancen und Möglichkeiten sich hier bieten, und welche Konflikte auch aus einer neuen Nachbarschaft entstehen können.

Datum: Sonntag, 08.11.2009
Zeit: 14.00Uhr
Startort: Haltestelle "Wilhelm-Kaisen-Brücke"

Unterstützt vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa in Kooperation mit ÖkoStadt Bremen e.V.

AAA Autonomes Architektur Atelier in Bremen
Titel: Daniel Schnier und Oliver Hasemann, Text: Oliver Hasemann, Gestaltung und Fotos: Daniel Schnier

Sonntag, 18. Oktober 2009

WESER KURIER, 15.10.2009

Per pedes durch die Geschichte
"Urbaner Spaziergang" erkundet Epochen des Baustiles im Weidedammgebiet

Von Anke Velten Weidedamm. Am Torfhafen trafen sich am vergangenen Sonntag mehr als 30 Menschen, die auch die schlechten Wetterprognosen und der einsetzende Regen durchaus nicht von ihrem Vorhaben abbringen konnten. Ihr Weg war das Ziel, er führte quer durch das Weidedammgebiet, und in eine Zeitreise durch ein Jahrhundert Baugeschichte.
Zwei junge Bremer Architekten, Daniel Schnier und Oliver Hasemann, bieten seit drei Jahren regelmäßig ihre "urbanen Stadtspaziergänge" an, bei denen man im Schritttempo und aus eigener Anschauung erfahren kann, wie die Stadt sich entwickelte und ihre Menschen früher und heute lebten. Die Tour durch den Weidedamm eignete sich dabei vorzüglich, um die Epochen der Wohnbebauung Schicht für Schicht deutlich zu machen, "wie Jahresringe eines Baums", erzählt Raumplaner Daniel Hasemann: Denn im Weidedammgebiet finde man sich nahezu in jedem Straßenzug in einem neuen Jahrzehnt wieder. Außerdem erlebe man hier, wie die Stadt sich nach und nach die Natur an ihrer Peripherie erobert habe. Und schließlich bewegte die Veranstalter die Frage, ob diese Entwicklung immer so weiter gehen kann. "In Deutschland werden pro Minute die Fläche von zwei Fußballfeldern verbaut", erklärt der Raumplaner.
Weil die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Stadt gekommen waren, gab es zum Geleit etwas Nachhilfe in Findorffer Geschichte. Zum Beispiel, dass der Torfhafen der Ursprung des Stadtteils war, der keine dörfliche Vorgeschichte hatte und sich um diese Keimzelle herum entwickelte. Dass die Kanäle aus dem Moorgebiet gleichzeitig der Entwässerung dienten als auch der Versorgung der Stadt mit dem wichtigen Energielieferanten Torf. Und dass der Name des Stadtteils darum kein historischer Ortsname ist, sondern auf den verdienstvollen Moorkommissar Jürgen Christian Findorff zurückgeht. Entlang des Torfhafens, an der Neukirchstraße, finden sich die ältesten Bauten Findorffs aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Hier, erklärte Daniel Hasemann, spielte sich einst echtes Hafenleben ab, "mit vielen Spelunken, keine feine Gegend". Chronologischer Endpunkt war das Weidedamm-III-Gebiet mit seiner zeitgenössischen Wohnbebauung.
Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Stadtteilbeirat Findorff, dem Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa sowie dem Verein "ÖkoStadt Bremen". Dass die urbanen Spaziergänge von Oliver Hasemann und Daniel Schnier inzwischen eine treue Fangemeinde haben, liege aber nicht nur am Thema selbst, erzählen Ellen Gutschmidt und Sophie Kunz. Die beiden jungen Frauen haben bislang keinen einzigen Spaziergang verpasst. "Man bekommt einen ganz anderen Blick für die Stadt als bei klassischen Führungen", erzählt Ellen Gutschmidt. "Und die Beiden machen das so niedlich und charmant, da möchte man einfach immer wieder mitkommen." Der nächste Spaziergang am Sonntag, 8. November, führt unter dem Motto "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" zum Stadtwerder. Treffpunkt ist um 14 Uhr am ehemaligen Katasteramt, Wilhelm-Kaisen-Brücke. Weitere Informationen unter www.aaa-bremen.blogspot.com.

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 15.10.2009, Text von Anke Velten, freie Mitarbeiterin der Bremer Tageszeitungen AG, Foto: Roland Scheitz

Dienstag, 13. Oktober 2009

"Abschnittsbauten - Wohnen wie im Katalog" Dokumentation und Resumee vom 11.10.2009



















Abschnitt für Abschnitt – Eine Zeitreise durch den Weidedamm

Als Treffpunkt für eine Reise bietet sich ein Hafen natürlich an. Auch wenn er, wie der Torfkanalhafen, nicht unbedingt den Duft der weiten Welt verbreitet. An seinem Hafenbecken haben sich bei einsetzendem Regen gestern mehr als 30 TeilnehmerInnen eingefunden, um uns auf einen Urbanen Ökostadtspaziergang durch den Findorffer Ortsteil Weidedamm zu begleiten. Der Fokus unseres Spaziergangs liegt dabei auf den verschiedenen Baustilen, die sich hier Schicht um Schicht ablesen lassen. Beinahe mit jedem neuen Straßenzug finden wir uns in einem neuen Jahrzehnt wieder. Der Anfang am Torfkanalhafen liegt dabei am Anfang des 20.Jahrhunderts, während am Ende des Spaziergangs an der Bahnstrecke Bremen Hamburg noch gebaut wird und uns dort zeitgenössische Architektur in Empfang nimmt.

Thematisch ist der Spaziergang der Kompakten Stadt zugeordnet. Vergleichbar zum Spaziergang in Hemelingen wuchs die Stadt hier über ihre Grenzen hinaus. Allerdings lief dieses Wachstum in die umgebenden Kleingartenanlagen langsamer und stadtnäher ab, auch wenn die gefühlte Entfernung zur Innenstadt trotz Domblick in der Park Residenz sehr weit wirkte. Ziel der Anlage dieses Wohngebiets war es dann auch Familien Wohnflächen und Formen anzubieten, wie sie sonst vor den Toren der Stadt zu finden sind. Die Begeisterung der Teilnehmerinnen des Spaziergangs für diese Art des Wohnens, bzw. für die angebotenen baulichen Qualitäten hielten sich in Grenzen, wiewohl unter ihnen auch Bewohnerinnen des Weidedamms III waren, die die modernen und großzügig geschnittenen Grundrisse der Wohnungen hervorhoben. Außerdem gilt für Neubauten natürlich, dass sie wesentlich einfacher nach ressourcenschonenden Standards errichtet werden können.

In Fortsetzung unserer Reihe von Urbanen Ökostadtspaziergängen werden wir im kommenden Monat einen Spaziergang mit dem Namen "WasserWerkWeg! - Wohnen im Reservoir" über den Stadtwerder machen. Hier stehen sich momentan verschiedene Meinungen vom Wohnen in der Stadt gegenüber, wie sie Anfang der 90er auch auf dem Weidedamm aktuell waren. Dem Wachstum der Stadt, der Inanspruchnahme von bisher extensiv genutzten Flächen, steht der Wille zur Bewahrung eben dieses Status entgegen. Wir hoffen am Sonntag, den 8.November 2009 auf eine rege Diskussion, es geht um 14Uhr am ehemaligen Katasteramt (BSAG Wilhelm-Kaisen-Brücke) los.
Text: Oliver Hasemann (HB), Fotos: Björn Franke (OL) (Lieben Dank an Björn!)

Besuch von Nordwestradio - Beitrag ausgestrahlt am 10.10.2009 um 12.45Uhr


Mitten in unserem Urbanen Spaziergang "1A Flächenfraß! - Gewerbe im Grünen" am 06.09.2009 interviewte uns und mehrere TeilnehmerInnen vor zirka drei Wochen Frau Pia Sollman / Nordwestradio. Vielen Dank für den Besuch und das Interview!